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Teheran – Teil II

Samstag, 11.06.
der Tag heute beginnt mit zwei Dingen: Geldwechseln und zum Simkartenstand gehen. Marcus, der andere deutsche Backpacker im Hostel, kennt da eine gute Stelle zu der er mich bringt, ein Telefonshop mitten in der U-Bahn-Station. Marcus kennt ihn schon und weiß wohl auch schon was mich erwartet.
Der Shop ist winzig, vlt 10 qm auf denen 4 Schalter und mind. 12 Warteplätze untergebracht sind. Es warten schon 8 Leute. Alle gucken mich an als wäre ich ein Paradiesvogel. Ich bin irritiert wo ich hin muss – ich kann nix lesen in dem Laden – scheinbar muss man wohl Wartemarken ziehen. Ich frage einfach mal den Mann von der Security, der demonstrativ im Shop gegenüber von dem Eingang sitzt. Jeder der in den Laden rein kommt kommt erst mal zu ihm. Er ist sofort für mich da und lässt alle anderen stehen, etwas komisch für mich, ich komme mir vor als würde ich mich vordrängeln. Er fragt mich was auf Farsi, ich Antworte „the interntet is not working“. Er schnappt sich mein Handy und ist die nächsten 10 min damit beschäftigt zu guken, was er in der Einstellung ändern kann. Englisch spricht er kaum, nebenher diskutiert er auch immerwieder mit anderen Kunden. Schließlich, sagt er zu mir „no internet“ und winkt mich an allen anderen Kunden vorbei an den Schalter. Einige Kunden gucken mich böse an, andere nicken verstädnisvoll. Nach ca. 15 Min bin ich wieder raus aus dem Sim-Kartenshop. Am Flughafen in Teheran kaufe ich beser keine Simkarte mehr. Dort hatte man mir die Karte nicht nur überteuert verkauft, sondern auch ohne Datenroaming. Ich musste meinen Vertrag jetzt noch mal aufstocken, das kostet mich nochmal 220.000 Rial (ca 5,50 €).

Die Sache mit dem Geld im Iran ist etwas komisch. Der offizielle Kurs zum Euro sind aktuell 34.000 Rial, in den Wechselstuben bekommt man sogar 39.000 Rial. Neben den offiziellen Geldscheinen gibt es noch sogenannte Bankchecks. Sie wuden von der Iranischen Zentralbank rausgegeben und haben im Grunde keinen Gegenwert, dennoch werden sie meistens ohne Probleme angenommen. Gerechnet wird aber in Toman. schon vorlängerem hat die Regierung versprochen ein paar Nullen bei der Wärung zu streichen, damals ging es noch nur um eine Null und die neue Währung sollte Toman heißen, mittlerweile sprechen sie von drei Nullen, die sie Streichen wollen, doch nichts passiert in der Sache. Dennoch hat sich die eine Null weniger, der angekündigten Toman Währung eingebürgert und so muss man sich bei fast allen Preisen die Null dazu denken.

Marcus will noch ein bisschen shoppen gehen auf dem Markt im Norden, wir verabscheiden uns also, ich habe mich um 15.00 Uhr mit Erak von Cochsurfing verabredet, er hatte mir via Cochsurfing erzählt er seie Koch für vegetarische Küche aus dem Iran.
Bis zum treffen nutze ich die Zeit um ein bisschen durch die Stadt zu schlendern.
Die Stadt an und für sich ist sehr schön, die Straßen sind für mir bekannte asiatische Verhältnisse gut ausgebaut und der Verkehr ist sehr angenehm. Zumindest im Vergleich mit Städten wie Bangalor, die meisten Europäer würden jedoch wohl an dem Verkehr hier verzweifeln. Vlt. war ich in der Vergangenheit lange genug in asiatischen Gegenden unterwegs, ich fühle mich im Straßenverkehr hier auf anhieb wohl und sicher.

Was einem gerade mehr zu schaffen macht, ist die Tatsache, das man in der Öffentlichkeit gerade kein Wasser trinken darf. Es ist auch gerade gar nicht so einfach ein stilles Örchen zu finden, wo man Wasser trinken kann, denn öffentliche Toiletten gibt es kaum und die Cafes haben tagsüber alle zu.

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Ich nutze die Zeit und setzte mich in einen Park in den Schatten, in etwa einer halben Stunde treffe ich meinen Couchsurfing-Kontakt.
In so ziemlich jedem Iranführer steht am Anffang: „Sie werden überrascht sein, von der Gastfreundschaft“. Stimmt, man wird an fast jeder Straßenecke in ein Gespräch verwickelt, kein Verkaufsgespräch sonder ein Gespräch mit dem sinngemäßen Inhalt: „welcome to Iran“. Auch diesesmal spricht mich ein Iraner an. Er setzt sich schließlich zu mir und fragt mir Löcher in den Bauch, wie es in Deutschland so ist. Er stelt sich mir als Ali vor. Was er am besten findet an Deutschland ist die Art wie wir Kaffee machen. Er kennt ein Restarant, in Teheran, wo sie illegal importierten Kaffee aus Deutschland verkaufen und lädt mich schließlich dazu ein, mit ihm morgen dahin zu gehen, damit ich ihm mehr von Deutschland erzählen kann. Da ich für morgen noch nichts vorhabe sage ich ihm zu. Er denkt kurz nach und lädt mich schließlich noch zum Fastenbrechen ein, früher können wir uns eh nicht zum Kaffee treffen. Ich lehne das Angebot erst mal höflich ab, er lädt ich wieder ein, ich sage ihm nochmals, dass er nicht so viel Zeit opfern muss, aber er besteht drauf. (Das übliche Spiel der Höflichkeit hier, auch als Ausländer sollte man dieses Spiel auf jeden Fall mitspielen)

Schließlich bekomme ich aber schon eine SMS von meinem Couchsurfingkontakt. „Iˋm here where a u?“. Er ist 15 Min zu früh. Ich verabschiede mich von Ali und spute mich zu meinem Treffen.
Nach einer kurzen Vorstellung fragt mich Emak, ob ich schon an der Green Bridge war. Ich sage ihm, dass ich noch nirgends in Teheran war und mich sehr freuen würde, wenn er mir ein bisschen was zeigen mag.
Zur Green Bridge fahren wir mit der Metro. Alle fahren hier damit, eine Fahrt kostet gerade mal 600 Toman, bzw.6000 Rial das sind ca. 12 cent. Als wir losfahren wollen ist die Metro wiedermal besonders voll, die Männer Quetschen sich mit kraft in das Abteil. Das besondere an der Iranischen Metro ist, dass die Männer und die Frauen gesonderte Abteile haben. Die Damenabteile sind jeweils am Ende und die Herren in der Mitte. Die Herrenabteile sind meist sehr voll, die Damenabteile nicht. Damen dürfen auch im Herrenabteil sitzen, umgekehrt nicht. Die Metro sei wohl sehr sicher, geklaut würde so gut wie nicht, in den Bussen sei das schon anders, hier würde viel geklaut. Ach in den Bussen gibt es Geschlechtertrennung, wohl noch strenger als in der Metro klärt er mich auf.

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In der Metro unterhalten wir uns, was wir so tun, wenn wir nicht gerade Couchsurfen. Er ist wohl doch kein Koch, kommt raus, sondern arbeitet für eine aktivisten Gruppe, die sich für ein veganes Iran einsetzt. Er selbst isst ausschließlich Dinge, die nicht gekocht werden müssen, er sagt selbst er seie fast ein Frutaria.

Zwischen Metrostation und Brücke führt unser weg eine Straße lang, an der rechts und links Panzer stehen, dazwischen Kriegsbilder und am Ende der Straße 4 verscheidene Typen Atombomben. Ich frage Erak was das ist, auch er ist sich nicht sicher und fragt einen Polizisten der dort rumläuft. Es ist eine Ausstellung über den Frieden sagt er schließlich. Die Bilder sind aus dem Irak-Iran Krieg vor 27 Jahren, die Panzer waren damals dort im Einsatz. „Und die Atombomben?“ frage ich. Er fragt noch mal den Polizisten: “ Die stehen da damit die Leute wissen, dass es nicht mehr passiren wird, weil wir Atombomben haben.“
Ich frage lieber nicht mehr weiter nach.
Die Brüke wiederrum liegt sehr Idyllisch. zwischen einem bewaldetem Berg und einem kunstvoll angelegten Platz. von ihr aus hat man einen Traumhaften Blick auf Teheran erklärt mir Erak. Normalerweise, wenn der Smog nicht so dicht ist wie heute und man von der Stadt nix sieht. Die Brücke sei gerade mal erst zwei Jahre alt und die kompletten Grünanlagen (inklusive dem bewaldeten Berg) seien extra für die Brücke angelegt worden.
Auf der Brücke erklärt mir Emak dass er versucht habe, ein Visum für Australien zu bekommen, doch ohne Erfolg, er bräuchte wen, der ihn einlädt. Wie ist das in Deutschland, fragt er. Ich denke nach und antworte: genauso! aAber ich haber dort keinen Wohnsitz mehr, wegen unserer Reise und kann ihn deshalb nicht einladen. Er guckt ein bisschen enttäuscht und das Thema kommt nicht mehr zur Sprache.
Schließlich will er mir umbedingt noch das erste vegetarische Restaurant im Iran zeigen, es liegt gleich neben dem Uni-Park. Auf dem Weg kommt er auf das Thema Beziehung und Liebe. er erzählt mir sehr offen, dass es sehr schwer ist eine Frau zu finden, er ist jetzt anfang 20 und hat immer noch keine, dabei würde es höchste Zeit, dass er endlich Heiratet. Es ist wohl sehr schwer für Männer in seinem Alter eine Frau zu finden erzählt er mir, es gäbe im Iran 10 Mil. Männer, (woher diese Zahl kommt kann er nicht sagen) die Singel sind und auf der Suche nach einer Frau wären, außerdem sind im letzten Jahr genau so viele Ehen im Iran geschlossen wie geschieden worden. „Is it similar in Germany?“, fragt er.

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Das vegetraische Restaurant ist genauso unspektakulär wie ich es mir vorgestellt habe. Gerade verkaufen sie eh nichts, bis zum Sonnenuntergang sind es noch 2,5 Stunden und vorher darf wegen Ramadan keiner essen. Deshalb sehen wir das Essen nur von außen.
Als wir in den Park gehen um uns noch ein bisschen hin zu setzten sehe wir unterwegs einen Mann der Verhaftet wird. Auch Emak bleibt kurz stehen um zu gucken und diskutiert mit den Beamten. Erzählt er mir, dass der Mann wegen öffentlichen Rauchen während des Ramadan verhaftet wird. Das sei nicht normal, aber vlt. habe er die Polizei provoziert, dass sie ihn trotzdem verhaften.
Wir unterhalten uns kurz über Regeln und die Einschränkungen durch die Gesetzte. Sein Fazit nach 5 Minten Gespräch darüber: „We have rules, but nobody cares!“ Dannach kommt er wieder sehr schnell auf das Thema Liebe, Ehe und Sex.

So gegen 22.30 Uhr bin ich schließlich wieder am Hostel.
Etwa um die Gleice Zeit kommt eine SMS, Ali schreibt:

HI! We can meet eachother at 2:30pm at same place as today in same park because I have very good plan for us together for tomorow also to see some nice things.

okay, warum nicht denke ich mir, aber nach einem Tag Teheran fühlt sich meine Lunge vor lauter Smog an, wie ein verruster Kamin, deshalb beschließe ich morgen weniger draußen zu sein und vereinbare mit ihm 5 Uhr am Nachmittag als Zeit.

Sonntag, 12.06.

Mein Mund schmeckt beim aufstehen wie ein Aschenbecher. Die vergangenen zwei Tage in der stadt mit unendlich viel Smog haben ihre Spuren hinterlassen.
Ich beschließe es daher heute gemütlich an zu gehen und bleibe ein bisschen länger im Bett liegen, ausührlich Duschen und Quatschen mit den anderen Hostelgästen. Schweden, Chinesen, Russen. Man trifft sich in Teheran.
Die zwei chinesischen frauen gehen einigen auf den Senkel, sie versuchen ständig den anderen zusagen was sie wie machen müssen. Selbst Essen tuen wir ihrer Meinung nach Falsch.
Später tirfft noch ein Engländer ein, der mit dem Fahrrad binnen einem Jahr alle Länder in Asien bereisen möchte. Die Gespräche mit ihm sind sehr spannend, seine Reise hat zwar auch erst vor einer Woche begonnen, aber wir fachsimpeln über Gepäckoptimierung, als wären wir schon Jahre unterwegs, wir haben beide unseren Spaß dran und verabreden, dass wir versuchen uns im Frühjahr nächstes Jahr in Süd-Ostasien auf ein Bierchen wieder zu treffen.

Gegen 5 Uhr ist schließlich das Treffen mit Ali. Ich bin 45 Min. zu früh im Park und genieße die Ruhe. Vorsichtshalber stelle ich mich schlafend, damit ich nicht wieder in ettliche Gespärche verwickelt werde.
Ali kommt schließlich mit einer kleinen Verpätung, er entschuldigt sich vielmals, aber er habe einen seiner Schüler in der Stadt getroffen und er musste erst fragen, wie es ihm geht.
So erfahre ich auch gleich das er Englischlehrer an einer Schule ist. Ein bisschen Komisch kommt es mir vor, denn sein Englisch ist noch schlechter als meines. Sein gestern noch eher ruhiges Wesen wirkt jetzt sehr gestresst, er meinte, wir müssen uns beieilen, wenn wir noch alles sehen wollen.

Von da an hatte ich mühe ihm zu folgen, schneller als ich lief er mit mir durch die Straßen Teherans. Er wolle mir umbeding alle Sehenswürdigkeiten in Teheran Zeigen und davon gäbe es ja so viele. Schießlich rennen wir durch die Stadt und er zeigt mir alles, doch auf die Schnelle sehe ich eigentlich nix. Er sagt mir sogar an welche Stelle ich mich stellen muss um das beste Foto von welcher Sehenswürdigkeit machen zu können. Stolz erzählt er mir, dass er neulich einen deutschen Reporter durch Teheran geführt hat.

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Im Grunde habe ich nichts gesehen durch alles wurde ich nur durchgeschläußt. Die in meinen Augen spannensten Sachen erwähnte er immer nur im Nebensatz, wie z.B. das der Platz über den wir gerade liefen die Börse ist, die kein festes Gebäude hat, sondern unter freiem Himmel stattfindet. Im Nebensatz erwähnt er auch, das im Iran aktuell mehr als 2,5 Millionen Flüchtlinge aus Afganistan leben, die Mehrheit in Teheran.

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In zwei Stunden hat er mir alles gezeigt, wofür sich die meisten Touristen hier drei bis vier Tage Zeit nehmen. Mir tun vor lauter laufen meine Füße weh und merken konnte ich mir von alledem fast nichts, zu schnell scheuchte er mich durch alles druch.
Dennoch ist es erst 19.30 Uhr noch eine Stunde bis zum Fastenbrechen. Ich frage ihn, wo wir hingehen.
„I would more prefere, fist have the coffee, and after go eating in traditional place“ Na gut denke ich mir, er ist so nett siche die Zeit zu nehmen und mir hier alles zu zeigen, also machen wir es in der Reihenfolge, wie er es vorschlägt.

Mit dem Bus fahren wir schließlich zu dem von ihm so viel gepriesenen Kaffeestand mit dem illegal importierten Filterkaffee. Der Bus hält nur einmal unplanmäßg, als der Fahrer aufsteht um zwei Frauen auf ihr Pflich hinzuweisen, im hinteren Teil der Busses zu sitzen, da vorne nur die Männer sitzen.
Das Cafe ist sehr europäisch geprägt, es errinert mehr an ein Wiener Straßencafe, als an ein Iranisches. Für iranische und selbst europäische Verhältnisse ist es nicht ganz billig, eher teuer. Er bestellt für uns beide eine Fastensuppe und für sich eine Espresso, doppelt stark.
Wärend der ganzen Zeit hier will er eigentlich nur wissen wo ich wohne und warum ich ihm kein Bild davon zeigen kann, wie ich wohne. Mit meiner Antwort „I lived in Göttingen, but I moved and now Iˋm only travelling“ gibt er sich nicht zufrieden. Er will umbedingt ein Haus sehen in dem Ich gelebt habe, sein Wunsch bleibt aber unerfüllt.

Ich übernehme schließlich als Dankeschön für die „ausführliche“ Stadtführung, die Rechnung für den Kaffee und die Suppe (500.000 Rial= ca. 12,50€) und schlage vor, dass wir jetzt richtig essen gehen. Wir setzen uns schließlich wieder in die Metro und fahren zu seinem besonderen Ort.

Die Straße wirkt wie jede andere und sein besonderer, „traditioneller“ Ort entpupt sich schließlich als Kebabbude. Gegrilltes Currychicken bestellt er für uns beide, dazu jeweil eine Cola, er besteht diesmal drauf mich einzuladen. Viel reden tut er wärend des Essens nicht, erst dannach wieder: „I am collecting Euro notes“ sagt er. Ich rieche schon den Braten. „Do you think that you have some for me?“
Ich Stelle mich einfach blöd und sage dass ich alle gewechselt habe, dass ich aber, wenn er Banknoten sammelt, auch noch altes deutsches Geld zu Hause habe. Dass ich ihm gerne welches nach der Reise für seine Sammlung zuschicken kann. „No, no, I am collecting only Euro, 50 Euro is totaly OK as an offeration for that I show you my city“

Ich finde es zeimlich dreist, dass er mir freundschaftlich anbietet, dass er mir die Stadtzeigt, und dann am Ende dafür Geld, will. Ich denke kurz drüber nach, was wohl passieren kann, wenn ich nein sage. Schließlich sage ich Nein und erkläre ihm, dass er mir die Stadtführung freundschaftlich angeboten hat. Er wikt ein bisschen Enttäuscht, ich gehe dennoch einfach.
Gegen etwa 00:30 erst erreiche ich mit einer Erfahrung reicher und Blasen so groß wie zwei Eurostücke an den Füßen das Hostel.

Montag, 13.06.

Es ist bestimmt kein gutes Zeichen, dass ich mich über den Aschenbechergeschmack im Mund beim Aufstehen nicht mehr wundere.
Ich beschließe für heute im Hostel zu bleiben, mein Füße sich erholen zu lassen und den Tag zu nutzen um Emails zu erledigen und den Zug für Morgen nach Mashhad zu buchen.

Im wesentlichen verbringe ich den Tag mit Wäschewaschen und Blogschreiben.
Bei der Zugbuchung gibt es einige Probleme. schon gesten habe ich es zusammen mit dem Eigner vom Hostel Probiert. Züge muss man hier mit der Asweisnummer buchen, aber seit ein paar Tagen geht das für Ausländer auf der Website nicht. unser ausgesuchter Zug ist ein Zug um 00:07 in der Nacht auf Dienstag, er kostet im Internet 57.000 Rial. (ca. 1,50 Euro) Da er über die Website schließlich gar nicht geht, bucht der Hostelbetreiber für mich netterweise über ein Reisebüro. Hier geht es. Der Zug aber geht nicht, er ist nur für Iraner buchbar ich müsste einen früher nehmen, der kostet dann 590.000 Rial (ca 15 Euro). Was bleibt mir anderes übrig…

Schließlich unterhalte ich mich noch mit dem Betreiber vom Hostel. Er erzählt mir, dass es eigentlich illegal ist Hostels im Iran zu bertreiben, dass es keine Genehmigung dafür gibt, trotzdem gibt es viele. Keines von denen ist Legal. Am Zoll wissen sie es, aber wenn jemand reinschreibt, dass er im Hostel übernachtet, streichen sie es durch und schreiben irgend ein Hotel rein. Es wäre kein Problem, nur müsse mann immerwieder enorme Summen an Schmiergeldern an die Polizei bezahlen. Deshalb ist er mit dem Hostel vor zwei Wochen umgezogen, jetzt hat er mehr Platz für Betten, damit er sich die Schmiergelder noch leisten kann.

Teheran – Teil I

Donnerstag, 09.06.
Den letzten Tag in Istanbul verbringe ich in erster Linie damit noch mal alles durchzuplanen. Sachen packen, Emails schreiben, die WG-Katze noch ein letztes mal Kraulen.
So gegen 16:00 Uhr mache ich mich dann auf den Weg Richtung Flughafen. Ich muss einmal am Taximplatz umsteigen und nutze daher die Zeit um mir noch einmal etwas zu Essen zu holen – meine erste Mahlzeit an dem Tag. Auf dem weg zum Bus gehe ich die Abkürzung durch die U-Bahnstation, als auf einmal großer Aufruhr ist. mehrere Polizisten rennen hinter mir den weg lang. Ich denke kurz drüber nach und beschließe es den anderen Passnaten in derU-Bahn gleich zu tun und mich davon nicht iritieren zu lassen.
Als ich um die nächste Ecke komme sind mehrer Polizisten dabei eine Frau abzuführen, auf dem Boden liegt noch ein Papschild auf dem etwas geschrieben steht. Was kann ich leider nicht lesen.
Einschreiten würde nicht helfen, nur das man selbst Probleme bekommt. Es ist ein kommisches, machtloses Gefühl in einem Fremden Land bei so einer Situation dabei zu sein, man weiß nicht wie man reagieren soll, reagiert deshalb besser garnicht und mit dem Gefühl nicht zu wissen ob diese Entscheidung dann richtig war muss man schließlich einfach selbst fertig werden.
Ich denke sofot an meinen freund der heute ja zur Demo wollte, ihn hatte ich schon wieder fast vergessen, deshalb schreibe ich ihm via Whatsapp:
„wie läuft die Demo? gab es Ärger?“
A: „Leider ja aber wo ich war, war es okay.“
„Wie viele Teilnehmer waren bei der Demo??“
A: “ 500- 600 ungefähr“.
Ich bin beruhigt und steige wieder in den Havabus. der braucht diesesmal etwa eine Stunde länger als auf dem Hinweg, aber ich habe genug Puffer geplant, deshalb habe ich nach dem Checkin sogar noch eine Stunde in der ich am Flughafen faulenzen kann.

Schon im Flugzeug merke ich, dass ich noch nie ein Flugzeug mit sovielen zuvorkommenden Menschen erlebt habe. Keiner drängelt, keiner schubst, und in der Gepäckablage versuchten alle bloß nicht die Sachen des anderen zu zerdrücken. Innerhalb von 20 Minuten habe ich die Telefonnummer der beiden Iraner, die im Flugzeug neben mir sitzen, beide Laden sie mich ein doch nach Shiraz zu kommen und sie bei ihnen zu besuchen.

Mittlerweile geht auch der Tag zu neige und so kurz vor Mitternacht sind wir schlielich in der Luft.

Freitag 10.06.

Das man gerade im Anflug an Khomeni Airport ist, merkt man nicht nur daran, dass der Druck auf den Ohren steigt, sondern auch daran, dass sich alle Frauen Kopftücher aufziehen.
Bei mir steigt in erster Linie der Puls, denn bisher habe ich noch kein Visum. Als ich mich wegen eines Visums in Deutschland schlau gemacht habe war die Antwort der iranischen Botschaft: „no visum in Germany. Take 60 €, you passport and the insurance-police an you will geht the visa on Kohmeni Airport.“
Im Internet kusieren dazu sehr widersprüchliche Aussagen.
Gegen 3:30 Urh Ortszeit sind wir schließlich gelandet.

Das Visaverbagebüro ist genau so, wie man es sich vorstellt. Als ich da ankomme, sitz im Raum hinter der Glasscheibe ein Mann an einem Tisch und isst. Sein Blick macht mir Angst, er sagt so viel aus wie: „du hast mich beim Essen unterbrochen, dafür fliegst du gleich nach Hause“ etwas genervt fragt er was ich will, ich gebe ihm die drei Sachen und sage „a visum, please“
er guckt sich alles Mitgebrachte an, das Geld interessiert ihn nicht und die Versicherungspolice erkennt er nicht an, sie ist auf Deutsch das kann er nicht lesen. Also schickt er mich an den Schalter gegenüber. Hier zahle ich 15 Euro, dafür bekomme ich eine Versicherung verkauft, die nur für den Iran gilt. Nebenan beim Schalter soll ich noch die 60 Euro zahlen sagt er, dann steht dem Visum nix mehr im Wege. Nach nur 45 min kann ich mein Visum in Empfang nehmen. Kurz darauf kann ich auch mein Gepäck entgegennehmen um dann schnell zum Simkartenstand zu gehen.

Mit meinem Hostel hatte ich vereinbart, dass ich hier abgeholt werden soll. Doch kein Fahrer weit und breit. Ich frage mich ob er mich vergessen hat, ein bisschen überkommt mich die Sorge, wie ich dann zum Hostel finden soll, aus irgendeinem Grund hat mir das Hostel nämlich auch keine Adresse zugeschickt.
Ich hole mir erst mal eine Simkarte, danach kümmere ich mich um das Fahrer Problem, beschließe ich – mit einem Funktionierenden Telefon in der Hand füllt man sich bestimmt gleich viel sicherer.

Da ich nirgends eine Geldwechselstube am Airport gesehen habe, frage ich am Stand ob ich auch mit Euro bezahlen kann. „yes, yes“ ist die Antowort.
„How mutch“ frage ich und er antwortet etwas genuschelt „fifty“ in dem Moment bekomme ich von rechts ein Handy unter die Nase gehalten, auf dem ich gerade so meinen Vornamen lesen kann bevor das Handy wieder weggezogen wird und jemand von rechts sagt „you?“
„yes“ sage ich und drücke dem Simkartenmensch 50 Euro in die Hand. Ein bisschen viel kommt es mir vor, aber ändern kann ich es gerade nicht. Der Mann mit dem Mobiltelefon ist der Fahrer vom Hostel vermute ich, er macht Druck, gestikuliert irgendwas wegen dem Auto, zumindest deute ich ihn so. Der Simkatenmann nimmt mein Handy, gibt mir meine alte Karte, die neue im Handy und 1,3 Millionen Rial wieder. Ich wundere mich und versuche im Kopf umzurechnen, als mein Fahrer noch wilder gestikuliert und rausrennt.
Ich renne ihm also hinterher, denn ich habe von dem Hostel ja keine Adresse nur eine Notfalltelefonnummer, aber wer weiß ob man da um die Zeit wen erreicht.

Draußen sehe ich warum er so wild gestikuliert, die Polizei steht vor seinem Wagen, er parkt in fünfter Reihe und in der dritten will jemand raus.
Sein Auto ist vermutlich älter als ich, vlt auch als er und hat mehr beulen als ich Knochen im Körper. Ich lege meine Rucksack in seinen Kofferraum und steige auf der Beifahrerseite ein. Er fährt gleich los
ie Marke des Wagens ist mir völlig unbekannt vom Typ her ist es irgendwas zwischen Fiat Panda und VW Polo, aber nicht dem von der neuen Sorte, sondern die alten eckigen Modelle, Baujahr 1986.
Ich frage noch Mal kurz nach dem Hostel, er versteht fast kein Wort. Deshalb beschließe ich eine Andere Frage zu stellen, forme meine Hände so als würde ich autofahren, danach deute ich auf meine imaginäre Uhr und sage „drive to hostel, how long?“
Das scheint er verstanden zu haben, er hebt den Zeigefinger und sagt „Time“.

Das was als erstes auffällt ist der allgegenwärtige Imam Kohmeni  Dutzende Plakate sind auf dem Weg an der Straße, nur zwei Plakate davon machen Werbung für etwas, einmal Autoreifen und ein Mückenpray, der Rest sind Abbildungen von Imam Kohmeni.
Etwas eine dreivietelstunde dauert die Fahr zum Hostel, irritierend war vorallem der dichterwerdende, in den Augen beißende Rauch, zumindest dachte ich es wäre Rauch, bis ich irgendwann feststellte, dass es die Smogglocke der Stad ist – Morgens ist die Smogglocke scheinbar noch beindruckender, am Tag fiel sie mir nicht mehr so sehr auf.

Schließlich biegen wir in eine unscheinbare Staße rechts ab, nach etwa 50m winkt der Fahrer und sagt „here“
Mitlerweile ist es etwas 6 Uhr am morgen.

Ein Junger Mann kommt raus, jünger als ich, er grüßt den Fahrer und bedeutet mir rein zukommen.
Drinne drückt er mir einen Zettel in die Hand, darauf stand in Englisch:

„Hallo, Willkommen im Hostel. Ich spreche kein Englisch, bitte geben sie mir ihren Pass und helfen sie mir das Vism zu finden, damit ich eine Kopie machen kann. Anschließend werde ich ihnen ihr Zimmer zeigen.“

Das Zimmer ist der Dorm mit insgesammt 5 Stockbetten. Unten sind alle belegt, ich muss also eines oben nehmen. Mttlerweile ist mir alles recht, ich bin einfach nur noch müde und will schlafen.
So einfach aber geht das jedoch nicht. Die Matratzen sind zwar schön dick, doch die Dicke täscht, ein Brett ist  im Vergleich fast weich und bei jedem Umdrehen auf dem Bett schlägt da Gestell gegen die Wand.
Dennoch die Müdigkeit siegt und erst so gegen 13.30 Uhr Ortszeit werde ich wieder wach.
Ich sammle mich erstmal und versuche ein Lebenszeichen von mir zu geben. Die Simkarte, die ich gekauft habe, scheint irgendwie noch nicht zu funktionieren. Unten bekomme ich glücklicherweise Hilfe von einem anderen Gast, das Internet hier auf meinem Gerät einzurichten.
Er klärt mich auch auf, dass ich dennoch übers Ohr gehauen wurde, normal kostet eine Simkarteetwa 100.000 Rial ich habe das etwa 7 fache bezahlt.

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Online sehe ich, Gabriele hatte sich wohl schon Sorgen gemacht, sie hat mehrfach geschrieben, was den los sei. Schließlich hatte sie gegen 10 Uhr Ortszeit im Hostel angerufen um rauszufinden wie esmir geht.
Diverse Seiten gehen nicht, Facebook ist nur eine von ihnen. Das wa aber auch schon vorher klar, die Regierung im Iran hat diese sozialen Netzwerke gesperrt.

Mittlerweile war auch der Holtelleiter da, er spricht hervorragend Eglisch und abgesehen von zwischendurch Mal für ne Stunde ist er die meiste Zeit da. Er ist sehr zuvorkommend und nimmt sich viel Zeit alle Fragen zu beantworten.

Marcus, stellt sich raus, heißt der Andere Gast, der mir mit dem Internet geholfen hat. Er kommt auch aus Deutschland und ist gerade seine letzten Tage im Iran, nach dreieinhalb Wochen. Auch er hat Blog geschrieben, den kann man aber hier nicht lesen, er ist von der Regierung gesperrt, da er in Blogspot online ist und die zu den zensierten Seiten gehört.
(http://reisetagebuchiran2016.blogspot.com/)

Er klärt mich auch auf, dass es ein ungüntiger erster Tag it – es ist Freitag und da haben im Iran die meisten Läden zu nicht Mal Geldwechseln kann man, ähnlich wie Sonntags in Deutschland. Da es sowieso gerade angefangen hat zu regnen, beschließe ich den Tag zu nutzen um meine Couchsurfingkontakte zu sortieren, Blog zu schreiben und ziehe nur Mal kurz um die Ecken.
Marcus macht es genauso – sehr Praktisch, so kann ich ihn als „erfahrenen“ Iranreisender Mal ein bischen zu seinen Erfahrungen ausquetschen.