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Istanbul Teil II

Dienstag, 7.6.

Nachdem ich die halbe Nacht nicht schlafen konnte, interessierte mich der Wecker am morgen nicht wirklich. Ich Ignorierte ihn einfach und erst so gegen 10:00 Uhr befand ich es für eine gute Zeit mich im Bett aufzurichten. Ich blickte aus dem Fenster und musste frustrierend feststellen, dass es regnet, mein eigentlich geplanter Ausflug zu den Prinzeninseln fiel damit buchstäblich ins Wasser. Da ich weder Schirm noch Regenjacke eingepackt habe fiel meine Entscheidung darauf, erstmal da zu bleiben und meine Emails vom Couchsurfing zu checken, vlt. gibt es was neues von einem meiner Kontakte dort.
Handy an, Tablett an. 5 neue Nachrichten, die mehrheit in Facebook. Freunde von mir fragen ob es mir gut geht? Ich freue mich über ihr unerwartetes interesse an meinem Wohlbefinden und beschließe ihnen gleich in Ruhe zu antworten. Erstmal die anderen Neuigkeiten auf FB Checken. Marion hat etwas unter meinen Betrag in FB gepostet: „Eben gerade wurde vom einem Anschlag Istanbul berichtet“ und darunter dieser Link: http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/krisen/id_78045746/erdogan-nach-istanbul-anschlag-wir-kaempfen-bis-zur-apokalypse-.html
Und wieder wird eine Tradition zur Regel, ich bin jetzt das fünfte Mal in Istanbul und jedesmal wenn ich hier bin gab es irgendwo in Istanbul einen Anschlag. Ich errinere mich noch an das erste Mal, dass ich das erlebt habe 2006, damals war der Anschlag über 50 Km weit weg am Ende der Stadt, ich war gerade mit anderen in der Altstadt. Für uns war es trotzdem ein verstörendes Gefühl. Deshalb versuchte ich auch erstmal die anderen zu beruhigen und poste drunter: „Istanbul ist ja eine dergrößten Städte der Welt, da gibt es mehrere Stadtzentren und ich bin gerade etwa 10 km von dem Anschlag weg…“
in einem weitern Post hänge ich noch dran: „Sieh es von der positiven Seite: die warscheinlichkeit das das in den nächsten Tagen nochmal passiert ist nicht sehr hoch ;)“
Dannach schreibe ich noch schnell eine Textnachricht im Handy an meine Familie frei nach dem Motto: mir geht es gut.
Gespannt bin ich dennoch, es ist das erste Mal, dass ich da bin, wenn ein Anschlag im historischen Teil der Stadt ist. Ich beschließe es mit Fassung zu nehmen und mal zu gucken wie die Einheimischen drauf reagieren.

So gegen 14.00 Uhr schließlich hört es auf zu regnen und ich beschließe, dass es Zeit ist aufzubrechen. Gegen 16:oo Uhr wollte ich mich noch mit einem Freund treffen. Wir haben uns nach über 3 Jahren gestern Abend wieder gesprochen und er hat mir den Tip gegeben, dass sich das Viertel rum um Karaköy sehr verändert haben soll. Zusammen treffen wir uns mitten in Taxim in der nähe der neuen Mall.
Er führt mich schließlich richtung Nordosten am Bosporus lang. Hier ist ein neues Hipstar-Viertel entstanden. Moderner Lifestyle im alten Istanbuler Charm, ich bin begeistert, zusammen trinken wir einen Kuchen im Teehaus- bei der großen Teeauswahl können wir uns kaum entscheiden, 60 verschiedene Sorten stehen auf der Karte.

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Beim Tee erzähle ich, dass ich gestern nicht in die Schule reinkam und er beschließt schließlich mit mir dort hin zu gehen und mir die Schule noch mal zu zeigen. Über den Anschlag scheint hier keiner zu reden, deshalb nutze ich auf dem Weg die Gelegenheit ihn wegen des Anschlag zu fragen. „Ja ich habe davon gehört“ ist die Antwort. Ich beschließe es dabei zunächst bewenden zu lassen, obwohl neugierig bin ich schon, aber ich enscheide mich später noch mal zu fragen. In die Schule komme ich mit ihm ohne Probleme rein und mit großer Begeisterung zeigt er mir alles. Unterweg erzählt er mir von den Demonstraionen in Istanbul und dass es demnächst wieder eine Demo für die Frauenrechtsbewegung geben soll. Ein Politiker hat wohl erst vor ein paar Tagen gesagt: „eine Frau ist nur eine halbe Frau, wenn sie keine Mutter ist“. Eine solche Aussage würde ich genauso wenig auf mir sitzen lassen wollen. Auf die Frage ob es gefährlich ist wegen sowas zu Demonstrieren bekomme ich die Antwort: „für uns nicht, wir sind es gewöhnt“. Immer wieder löst die Polizei hier gewaltsam Demonstraionen auf. Sie haben hier schon ihre ganz eigenen Methoden gegen die gewaltsame vorgehensweise der Polizei. „Gegen Tränengas hilft eine Flasche Wasser mit Renni drine aufgelöst. Du spritzt es dir ins Gesicht und es hilft die Augen zu beruhigen. Aber wir haben keine Probleme mehr mit Trännengas, wir sind es schon gewöhnt, es macht uns nichtsmehr.“ Wenn ich will kann ich gerne am Donnerstag mitmachen, bekomme ich noch die Einladung, da gibt es wieder eine Demo für die Frauenrechte. Ärger mit der Polizei ist schon mit eingeplant.

Später treffe ich mich wieder mit Hakan, der andere Freund hat noch einen Termin, er ist schon wieder weg, wenn ich Hakan am Tünel treffe, der U-Bahn wegen der sich Istanbul mit mit Paris und London streitet wer wohl die ältere hat. Itanbul hat wohl zuerst angefangen zu bauen, aber Fertig waren die anderen zuerst. Die U-Bahn hat nur zwei Stationen und die Strecke ist nur wenige hundert Meter lang.

Zusammen wollen wir zum Fastenbrechen, wie es an Ramadan üblich ist. Er hat sich extra für mich schlau gemacht, wo man da am besten hin geht. Unser Ziel ist Aksaray, keine 500m von dem Ort wo heute morgen noch der Anschlag war. In der U-Bahn gab es nur eine Durchsage, dass die U-Bahn an der Universtität nicht hält. da war der Anschlag- von dem wird aber kein Wort in der Durchsage verloren. Informtionen über den Anschlag gab es von Türkischer Seite bisher fast keine alles was man bisher hier weiß sind Gerüchte oder Informationen aus ausländischen Medien, dass bestätigt mir auch noch mal das Gepräch mit Hakan.

Das Fastenbrechen ist beeindruckend. hunderte von Leute sitzen vor Ettlichen Restaurants in der Straße, die sich auf das Fastbrechen spezialisiert haben. Als wir ankommen ist schon alles vorbereitet. Die Tische sind eingedeckt und wir müssen nur noch sagen welches Fleish wir dazu haben wollen. Wir werden vom Ober mit an den Tisch zu vielen anderen gesetzt. Nur Männer sitzen hier, Famlien mit Kinders sitzen auch in den restaurants aber seperiert. Einzelne Frauen, sieht man hier keine. Auf den Tischen Stapeln sich schon die Teller mit Essen: Tomatenpaste, Gegrilltes Gemüse, Zwiebelsalat, Tomatensalat, Ayran, Wasser, Brot und Fladen. Zahlen muss man aber nur für das Fleisch, der rest gehört zum Service 35 Liera kostet das Essen (umgerechnet etwa 10 euro) alle sitzen sie gespannt vor dem Essen und warten auf Iftar, das ist der Moment, wenn die Sonne untergegangen ist und der Imam vom Minarett aus das Zeichen gibt, dass jetzt das Essen los gehen kann. Sofort geht es los und die Ober bringen eine Linsensuppe raus, gleich dannach kommen sie mit Leberspießen und anderen Fleischspießen raus. wie man die ist musste ich erst lernen: man nimmt sich etwas Fladen, wickelt den um das Fleisch und zieht den spieß raus- jetzt kann man es essen …
Die Ober sind im Hintergrund am rumwirbeln, das Essen geht fix, man merkt das alle um einen herum Hunger haben, ständig kommen die Ober und stellen neues Essen in der Mitte nach. Nach etwa 15 – 20 Minuten sind wir papp satt und wir haben nicht alles geschaft. Dabei sind wir schon mit die letzten am Tisch die anderen sind zum Teil schon nach 10 Min fertig gewesen und waren dann auch schnell weg, wohl um in der Moschee zu beten so habeich mir sagen lassen.
Das Essen war wahnsinnig lecker, aber wir können uns nur noch rollend vorwärtsbewegen.
Eigentlich wollte Emhak noch dazu kommen, doch so schnell wie das essen vorbei war, hat er es nicht geschaft. Wir beschließen also ihn in Taxim zu treffen.

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Bei Nacht ist die Hauptstraße in Taxim etwas leerer, dafür sind die nebenstraßen in denen die Kneipen und Lokale sind um so voller. Ein beeindruckendes Erlebnis, bei dem man deutlich spürt, dass Istanbul eine der Städte ist in der bei Nacht genau so viel Leben auf den Straßen herscht wie tagsüber. Besonders auffällig sind die Wasserwerfer der Polizei, die an den Enden der Straße stehen. Die Polizei nutz sie um spontane Demonstrationen aufzulösen, werde ich aufgeklärt. Sie stehe an beiden seiten der großen Hauptstraße in Taxim und wenn es eine Demo gibt, fahren sie sich entgegen. mit Wasser und Tränengas gegen die Demonstranten.
Ich nutze nochmal die Gelegeit beim späteren Bierchen um rauszufinden, wie die Leute die hier leben über den Anschlag denken.
„Wir haben keine Angst mehr, wir sind es gewöhnt.“
In dem Moment erreicht mich noch eine Nachricht von meiner Stiefmutter: „unser Auswärtiges Amt ist sehr in Sorge.. Erdogan rechnet mit einer Terrorflut in naher Zeit: O-Ton von heute morgen..schwing dein popöchen in den nächsten Flieger“ ich schreibe ihr erstmal, dass sie sich keine Sorgen machen muss, mein Flieger geht übermorgen und verspreche ihr, dass ich morgen eine der Inseln Istanbuls besuchen werden, die etwas weiter draußen und ab vom Schuß sind, da passiert mir garantiert nix und das hatte ich eh vor…

Auf dem Rückweg nehmen wir ein Taxi ca. 15 min dauert die Fahrt und kostet umgerechnet etwa 5 Euro, der Fahrer ist sehr schweigsam, nur einmal unterhält er sich mit Hakan. Ich verstehe kein Wort.
Als wir austeigen erzählt Hakan, was er sagte:
„Er erzählte, dass an dem Anschlag heute die PKK dran schuld war, deshalb hat Erdogan 7000 Teroristen der PKK hinrichten lassen.“ Hakan sagt, dass das natürlich nicht sein kann. Aber ich begreife, dass so hier gerade die Nachrichtenkommunikation funktioniert.

Mittwoch, 8.6.

Eigentlich hatte ich beschlossen etwas früher aufzustehen, da ich auf die Prinzeninseln wollte- am Ende war es doch wieder erst 10.00 Uhr. Macht nix, den Tag heute will ich zur Abwechselung mal ruhig angehen.
Du den Prinzeninseln fährt man mit der Personenfähre. Diese Fähren gehören zum Istanbuler Stadtverkehr genauso wie die U-Bahn oder Busse. Sie kosten auch nur unwesentlich mehr, das Bezahlsysthem ist das gleiche, man hält eine aufladbare Geldkarte an ein Drehkreuz und automatisch wird das Geld von der Karte angebucht. DAs Systhem ist wenn man will leicht zu umgehen, damit das nicht passiert, steht an fast jeder Haltestelle ein Wärter, der ab und an sogar aufpasst.
DIe ganze Größe von Istanbul lässt sich in meinen Augen eigentlich ersterahnen, wenn man mit dem Schiff rausfährt. Die Bosporustour wäre auch noch eine Option, mit ihr kann man bis zum nördlichsten Punkt von Istanbul fahren, sie dauert etwas 2 Stunden. 1,5 Studen fährt man zu den Prinzeninseln vom historischen Stadtkern aus. Auf dem Weg sieht man die ganzen Hochseekontainerschiffe vor der Küste von Istanbul liegen, wie sie darauf warten, das sie einer nach dem anderen zum schwarzen Meer den Bosporus rauf fahren dürfen. Eigentlich ist das schon ein ausreichend beeindruckendes Schauspiel.
Am Ufer sieht man Istanbul, und man merkt, dass diese Stadt scheinbar kein Ende hat. Die Schiffe neben den U-Bahnen die schnelle Möglcihkeit um von einem zum anderen Punkt zu kommen, aber das U-Bahnnetz ist nicht so gut ausgebaut, deshalb sind auch die Schiffe viel frequentiert.
Die Prinzen Inseln selbst sind ganz anders als das restliche Istanbul. Autos gibt es hier so viele wie Zitronenplantagen in Skandinavien und wenn doch dann eher zu dekorativen Zwecken. Hier schiebt man seine Sachen auf einem Karren durch die Gegend oder fährt allemal vlt mit einem Roller durch die Gegend. Ein Ruhepol der Stadt, selbst die Istanbuler gehen hierher um abzuschalten.
Baden würde cih hier dennoch nicht, denn ein leichter Ölfilm schwimmt immer auf dem Wasser vor der Istanbuler Küste, den man beim Baden dann immer mitnimmt, doch viele Istanbuler scheint das nicht zu stören, sie gehen hier öfters hin zum baden.

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Ich versuche auch die Ruhe zu genießen, mache erst einen Spaziergang und setzte mich dann in ein Restaurant am Hafen. Idillisch…
Ich bestelle mir Köfte und eine Cola. Eine Tourifale versucht der Wirt noch, in dem er mir ungefragt gefüllte Tomaten und Fisch in Öl hinstellt, das Spielchen kenne ich schon von Früher, sie behauptt, es gehört zum ervice und zum Schluß kassieren sie dafür extra. Ich lasse es also gleich zurückgehen ohne es anzurühren. Am Ende versucht er es rotzdem und will dafür 25 TL zusätzlich kassieren, mit der Begründung er habe es hingestellet und es wäre mein Problem wenn ich es zurück gehen lassen würde. Ich lasse mich auf die Diskusion nicht ein, bezahle den Rest einfach passen und gehe.

Etwas zu spät komme ich am Abend bei meiner Verabredung mit Chankut und Egemen an, wir treffen uns in Kumpircity, wie ich es nenne, weil es hier eine Straße gibt in der es einen Kumpirstand neben dem anderen gibt. Kumpir, das sind eine Art Ofenkartoffeln, die KArtollel wir aufgeschnitten, mit Käse verrührt und dann kommen allerlei Gemüse drauf. hier gibt es ogar die „Sattwerdgarantie“ so lange du noch Kartoffel hast kannst du so viel Gemüse nachnehmen wie du willst. In der Regel ist man nach einer halben satt.

Wir genießen den Abend in einem Lokal mit Blick auf die Moschee, weche an der Stelle im Bosporus errichtet wurde, weil irgendwer mal errechnet hat, das hier der Mittelpunkt Istanbuls sein muss. Direkt hinter ihr ist die Brücke, welche den asiatische und Europäischenteil verbindet. Die Brücke ist bunt angeschienen und die Aussicht vom Cafe aus Malerisch. Das Essen und seine Peise ebenfalls.
Es war ein wunderschöner Abend! Danke dafür nochmal an Chankut und Egemen, ich werde mich bei euch revangieren wenn ihr mal wieder nach Deutschland kommt…

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Istanbul Teil I

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Sonntag, 05.06.

Mit schlappen 2 Stunden Verspätung konnte ich gegen 20:00 Uhr Ortszeit endlich in Istanbul landen.
Nach dem die Passkontrolle bei mir wohl scheinbar etwas länger gedauert hat und ich einer der Letzten beim Gepäckband war konnte ich schließlich ohne Probleme den Flughafen verlassen.

Istanbul die Stadt auf zwei Kontinenten…
Zuletzte war ich vor fast vier 4 Jahren hier, doch schon beim ersten Eindruck merkte ich, dass sich die Stadt seit dem verändert hat. Mehrere große Einkaufszentren sind mittlerweile am Rand des Highways gebaut worden, der den Asiatischen und den Europäischen Teil dieser Stadt miteinander verbindet.
Was mir jetzt als erstes auffiel, waren viele neue Hochhäuser im asiatischen Teil der Stadt. Viele moderne Gebäude, bei denen man das Gefühl hat, dass sich in jedem einzelnen von ihnen irgendein Architekt ein besonderes Denkmal setzten mag.
Daneben lebt der alt bekannte Kontrast von Istanbul aber weiter. fährt man eben noch durch Gegenden in denen Firmen Miliarden ausgeben um sich presigevoll darzstellen, so sieht man eine Straße weiter die Häuser derer die froh wären etwas Geld zu haben um sich wenigstens ein Fahrrad leisten zu können.
Die Strecke vom Flughafen nach Taxim kann ich mit dem Havabus fahren, der fährt durch, hält zwischendurch nur 4 mal und ist je nach Verehrslage in 1,5 bis 2 Stunden in Taxim. Ich habe sogar Glück und die Straßen sind ein bisschen freier, nur einmal Stau an der Brücke über den Bosporus, so dass der Bus um etwa 11 Uhr Ortszeit in Taxim ist. Hier bewegt sich zunächst auch nichts mehr, zuviel Stau. Doch das stört hier nur wenige, Stau gehört zu dieser Stadt einfach dazu und so beschließt der Busfahrer uns alle einfach mitten auf der Kreuzung raus zu lassen.

Netter Weie hat mich Hakan, den ich schon lange durch die Pfadfinder kenne, eingeladen bei ihm in der WG zu übernachten. Die WG liegt nicht unweit von Taxim, der pulsierenden Ader von Istanbul. Es ist eine klassische studenten WG wie man sie eben so gut auch in Deutschland findet. Hakan, Can und Cagri sind gerade mit dem Studium fertig und erst vor 3 Monaten in die WG gezogen. Can ist gerade nicht da und so darf ich sein Zimmer haben. Nach dem ich ihnen meine Gastgeschenke gegeben habe (Graubrot, Wein, Gummibärchen und Schokolade) verbringen wir den restlichen Abend damit im Wohnzimmer zu sitzen und deutsches Fernsehn mit Türkischem zu vergleichen. Im Program läuft Jamie Olivers Kitchen, wärend ich drüber lache, dass es sehr gewöhnungsbedürftig ist, dass über das ein türkischer Sprecher hier einfach das englische Original kommentiert, können sie später herzlich darüber lachen, als ich ihnen auf Youtube die deutsche Syncronisierung von der selben Folge zeige.

Einen guten Hinweiß bekomme ich noch an dem Abend. Seit letzte Woche der deutsche Bundestag beschlossen hat den Volkermord an den Armeniern um 1915- 1918 aunzuerkennen, sind die Türken wohl nicht mehr gut auf Deutsche zu sprechen und ich soll die nächstn Tage lieber nicht sagen da ich aus Deutschland kommen, lieber Österreich oder Schweiz. Alles nur nicht Deutsch, das könnte mir sonst wohl ggf. nicht so gut bekommen…

Montag, 6.6.
Auch in der Türkei beginnt heute das Ramadanfest. schon gesten hat man immerwieder kleinere oder größere Gruppen gesehen, die sich auf Grünflächen zum großen Essen versammelt haben.
Die Nacht habe ich voll ausgekoset und so langsam beginne ich zu entspannen. Nur einmal wurde ich mitten in der Nacht wach, als sich ein Trommler so etwas gegen 3 Uhr auf Straße an seinem Intrument künstlerisch verausgabte. Er gehört zu Ramadan dazu wurde ich gesten schon aufgeklärt. Er weckt während Ramadan jede Nacht um die gleichr Zeit, damit die Leute dann aufstehen um zu Essen und zu trinken, anschließend geht man wieder Schlafen um am nächsten Tag fit zu sein für die Arbeit. Am Ende des Ramadans geht der Trommler dann wohl rum und bittet um einen kleinen Obolus für seine Arbeit.

Nach dem Aufstehen ist mein erster Gang zu einem kleinen Tante-Emma-Laden um die Ecke um Wasser zu kaufen. Der Verkäufer ist sehr nett und man merkt recht schnell, dass er Touristen in seinem Laden nicht gewohnt ist. Relativ bald kommt die Frage wo ich herkomme. Schweiz behaupte ich, in Errinnerung an die Mahnung von gestern. Gut so, denn sehr schnell kommt er auf den Beschluß der Bundesregierung von letzter Woche zu sprechen und darauf, dass er Deutschen nichts mehr verkaufen würde. Ich nickte nur freundlich und schließlich verabschiedet er mich mit den Worten: „but switzerland good people – welkome to Istanbul. Enjoy your trip!“
Ein bisschen ein schlechtes Gewissen ob der Notlüge bleibt schon.

Mein erster Gang führt mich schließlich nach Taxim. Unübersehbar ist die noch stärker gewordene Polizeipräsenz in der Stadt und die Schäden des Bombenanschlages auf dem Taximplatz vor drei Monaten. Sie sind immernoch hinter den Bauzäunen zu erahnen. Mein erster Weg hier führt mich zu einer taximer spezialität: nasser Hamburger. Das sind Brötchen mit einer Frikadelle. Sie sehen ein bisschen widerlich aus und riechen etwas vergammelt, aber schmecken unglaublich. Der erste Bissen kostet mich jedesmal etwas Überwindung aber irgendwie hat es schon Tradition, dass ich immer wenn ich in Istanbul bin, wenigstens einmal nasse Hamburger esse… 😀

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Auch im Stadtteil Sultan Ahmet ist die Polizeipräzenz deutlich spürbar. An jedem Eingang der größeren Bazare steht ein Sicherheitsbeamer, mit einem Handmetalldetektor. Um ehrlich zu sein verstehe ich nicht ganz wie ernst sie ihren Job nehmen? Sie hielten die Geräte immer nur kurz an die Taschen der Passanten, jedes Mal piepsten die Geräte und dennoch konnte jeder einfach durchgehen. Wozu machen machen die das???

Nach dem ich in Sultan Ahmet noch kurz Geldwechseln war machte ich noch einen kurzen Abstecher zur deutschen Schule, dem Mamorpalast wie ich ihn gerne nenne. Einst sorgte Atatürk persönlich dafür, dass sie eines der prächtigsten Gebäude in Istanbul haben, habe ich mir mal erzählen lassen. Die Schule zählt zu den Eliteschulen in der Türkei. Sie beherbergt unteranderem die Pfadfindergruppe Sakarya, die ich schon so oft hier besucht habe. Normal ist es kein Problem für mich gewesen sie zu besuchen doch dieses Mal wohl schon. Ich durfte nicht rein. Ich musste vor dem Tor stehen bleiben. Einige Sakaryas klärten mich auf, dass gestern erst dort die Graduiertenfeier stattfand, bei der auch der Schulleiter eine, rede hlten sollte. Wärend der Rede drehten ihm alle Teilnehmer im Saal den Rücken zu und Klatschten so laut, dass ihn keiner verstehen konnte. „Die letzten Absolventen der Schule haben gegen den Direktor Hikmet Konar auf diese Art protestiert, in dem sie Ihm während seines Gesprächs den Rücken zugedreht haben. Dieser Direktor hat viele Events des Gymnasiums verboten und lies manche religiöse Organisationen zur Schule ein.“ (Danke an Pinar für die Aufklärung =) ). (In den deutschen Medien wurde übrigens auch berichtet: http://www.focus.de/politik/ausland/nach-armenien-resolution-deutscher-generalkonsul-darf-kein-grusswort-in-tuerkischer-schule-sprechen_id_5598999.html ) Deshalb sind sie aktuell wohl auch sehr vorsichtig Deutsche in die Schule zu lassen.

Dennoch hat die Stadt nichts von ihrem Charme eingebüßt. Der bunte Troubel auf den Straßen, die Marktschreier an jeder Ecke, die Massen von Anglern auf der Galatabrücke, die allgegenwärtigen Bilder von Atatürk, dass leckere Essen, was man (trotz Ramdan) zu jeder Zeit, an jeder Straßenecke bekommt – das alles hat sich nicht verändert.
Es ist immernoch eine Stadt zwischen Tradition und Moderne und es ist schön hier zu sein…

Bild 1: Die Hauptstraße in Taxim
Bild 2: Die Galatabrücke, zu jeder Tages und Nachzeit sieht man hier dutzende Angler
Bild 3: Der bedeckte Bazar
Bild 4: Die Lisesi Schule in Istanbul
Bild 5: Einst war hier der Tier und Pflanzenmarkt, bis er wegen es James- Bond- Films abgerissen wurde, heute ist hier diesr Platz.