Archiv der Kategorie: Europa

Riga

Montag, 04.07.
Um 02:35 geht mein Flug mit Azerbaijan Airline via Baku. Ich muss feststellen, dass der Flughafen Baku sehr modern ist und wohl der schönste, den ich bisher gesehen habe. Ungefähr zwei Stunden aufenthalt habe ich hier und bereits meine erste halbe Stunde Zeitverschiebung.
Wo das erste Flugzeug noch ziemlich voll war, ist das zweite zemlich leer. Mit gerade mal etwa 20 Leuten teile ich mir eine Boing 747, fast jeder hat eine Dreierreihe für sich. Gegen 9:00 Uhr kommt der Flieger am Flughafen Riga an. Der Flughafen ist ebenfall nicht groß, kleiner als manche Regionalflughäfen im Iran. Obwohl ich beim Aussteigen gemütlich mache, als einer der letzten aus dem Flieger komme und so ziemlich der einzige bin der nicht hetzt, bin ich als erster aus der Passkontrolle raus und auch mein Rucksack liegt schon direkt bereit.
Obwohl mir das Hostel empfohlen hat mit dem Bus zu fahren bin ich zu müde dafür und nehme ein Taxi.
Von vorne herein sieht man die Unteschiede zwischen dem Iran und Lettland, nichts ist gleich: Hier it alles satt grün und Gradlinig. Die Taxifahrer prügeln sich nicht um dich, sondern der Erste den ich frage schickt mich weiter, er ist nicht der Erste in der Schlange ich solle den Vordersten nehmen. Schade denke ich mir als ich im Ersten im Taxi sitze, den diesen unterscheidet nichts von den Taxifahrern im Iran. Ich fühle mich fast wieder wie in den Iran zurückversetzt.
Der Taxifahrer macht eher einen schmierigen Eindruck, zieht ständig die Nase hoch und als wir losfahren stellt er das Taxameter an und fährt erstmal rechts ran um in Seelenruhe sein Navi einzuschallten. Als ich ihn dann höflichst bitte das Taxameter für die Zeit auszuschalten, versteht er plötzlich kein Englisch mehr, also betätige ich selbst den Knopf. Das gefällt ihm nicht, aber auf eine Diskusion will er sich dann dochnicht einlassen. Am Ende zahle ich etwa 13 Euro.

Eigentlich wollte ich noch für ein paar Tage nach Klaipeda in Litauen fahren. Genauso wie für Lettland hatte ich dafür ebenfalls in Couchsurfing annonchiert, die Rückmeldungen waren jedoch mau. Ein Couchsurfer hatte sich zurück gemeldet und mir angeboten mich zu hosten, doch einen Tag vor dem Flug kam wiederum seine Absage. Aus Lettland bekam ich wiederum gar keine Rükmeldung. Also fing ich schon wärend des Fluges an mir auszumalen, womit ich wohl 1 Woche Riga totschlagen kann…

Für alle Fälle hatte ich schon vor einer Woche ein Hostel in Riga für die erste Nacht gebucht.
Das Hostel in dem ich unterkomme trägt den drolligen Namen Teddybear Hostel.
Es liegt in einem Hinterhofgebäude in den obern Stockwerken. Schon auf dem Weg die Treppe hoch, schmücken die Wände unzählige Zeichnugnen von Teddybären.
Ich schlafe wieder mal im Dorm. Die Betten sind unbequemer als in Tehran, dafür ist die Nacht hier noch günstiger nur etwa 9 Euro kostet sie. Mein ständiger Zimmerprtner in den Tagen die ich hier bin ist ein junger Israeli. Er fragt mich wo ich herkomme und ist von meiner Antwort nicht begeistert. Kein Wunder Iran und Israel sind erklärte Erzfeinde. Er versteht es nicht, wie man in den Iran fahren kann. Die Sachen zwischen uns beiden scheint gelaufen zu sein, ich überlge noch wie ich die Sache retten kann, immerhin ist es mein Ziel sich untereinander im Zimmer gut zu verstehen und biete ihm ein paar Datteln an, die ich aus Ahwaz mitgebracht hatte. Mehdi hatte sie netterweise noch kurzfristig für mich organisiert.
Gerettet! er mag die Datteln nicht nur, er sagt, das sein die Besten Datteln der Welt und es fühlt ich gerade wie bei seiner Oma an, die habe auch immer was zum naschen für ihn. Ich scherze noch, dass das Okey ist, so lange er mich jetzt nicht Oma nennt. Ab jetzt sind wir wohl Freunde.
Er heißt Yaron und ist nun schon seit über einem Monat in diesem Hostel. Er will mir auf jedenfall etwas Zeigen, worauf ich i Hostel achten soll: Die Teddybären, ich soll auf jeden Fall auf die Teddybären achten, sie führen ein Eigenleben. Es ist als würde es hier spuken. zum Beweiß zeigt er mir ein Bild in der Küche. Auf dem Bidl ist eine Cafelandschaft in einer Stadt abgebildet, zahlreiche Stühle und ein Fahrrad stehen auf einem Platz, auf dem Fahrad und einem der Stühle sitzen Teddybären. Ich soll besonders auf den auf den Stühlen achten, er sitz jeden Tag auf einem anderen, er wechselt, dabei kann das nicht sein – es ist ein Ölbild. Auch das Mädchen welches auf die Wand im Treppenhaus gemalt ist, guckt dir hinterher…

… und ich hatte schon Sorge, das Riga ein etwas langweiliger Teil meiner Reise werden kann…

Er hat außerdem noch einen Tip: „Lass dich nicht von Frauen anquatschen“
Auch auf der Seite vom auswärtigen Amt hatte ich es auch schon gelesen: diese Stadt ist bekannt dafür, dass hier den Männern K.O.-Tropfen untergemischt und sie anschließend ausgeraubt werden, eine beliebte Masche…

Schlafen kann ich nicht mehr, also nutze ich die Zeit um mir einen ersten Eindruck von der Stadt zu verschaffen.
Sie hat sich verändert. Zu letzt war ich vor ungefähr 15 Jahren hier, damals sind wir mit den Pfadfindern durch den Gauya-Nationalpark gewandert.
Die Stadt war damals noch wesentlich verfallener und man erkannte noch gut die Spuren aus der Zeit des Sozialismus. Jetzt gibt es hier kaum noch verfallene Häuser, die Altstadt sieht sehr gut aus, überwiegend erstrahlt sie in einem tatsächlich jugendlichem Jugendstil-Charm. Auch das Klientel der Stadt hat sich verändert, mittlerweile spricht hier nahezu jeder Englisch und man sieht in der Stadt mehr Touristen als Einheimische.
Von dem traditionellen Lettland, dass ich von vor 15 Jahren in Errinnerung habe sehe ich hier nix mehr und ich frage mich, wie klar noch meine Erinnerung an damals ist, oder ob es sich wirklich so sehr verändet hat.

Den späten Nachmittag lege ich mich hin, die Nacht hat mich doch geschlaucht. Als ich wieder aufwache ist es schon fast 9 Uhr und ich beschließe doch noch mal raus zu gehen um mir das Nachtleben von Riga anzugucken, denn Riga ist mittlerweile dafür bekannt. Da Montag ist, ist in den Clubs nicht so viel los, dafür zeigt sich Riga bei Nacht nicht ganz so verschlafen, sondern aus jeder Ecke kommt Musik, überall in der Altstadt sind die Clubs verteilt. Die Stadt pusliert, obwohl nicht so viel los ist, dennoch macht sie ihrem jüngeren Ruf als Bangkok des Balkans alle ehre. Der Sextourismus in der Stadt ist spürbar und immer wieder sieht man die „Gentelmenclubs“ in den Staßen.

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Dienstag, 05.07.

Die Nacht ist nicht gerade sehr Komfortabel gewesen, denn die betten sind sehr unbequem, so dass der Schlaf nicht sonderlich erholsam ist. Auch das Frühstück lässt zu wünschen über, es gibt Toast und Marmelade, beides von der billigsten Sorte.
Dazu kommt, dass ich heute umziehen muss. Ich habe nun doch für alle Fälle für die ganze Woche geblockt, aber heute früh müssen wir bis um 11 das Zimmer wechseln, in den großen Dorm mit sechs Betten, da der kleine anderweitig gebraucht wird.
Vormittags bespreche ich mich erstmal mit Gabriele, um sie auf dem Laufenden zu halten und um zu besprechen, wann wir uns wiedersehen um dann gemeinsam auf Reise zu gehen. Schließlich beschließen wir meinen Aufenthalt hier zu verkürzen, denn so wirklich weiß ich auch nicht, was ich eine Woche lang in Riga anstellen, so ganz bin ich nicht der Städteurlauber, ich brauche da doch mehr Action – mich langweilt diese Stadt jetzt schon. Also verkürzen wir spontan den Aufenthalt um drei Tage, die ich eher nach Deutschland komme.

Ich mache mir neue Pläne, was ich unternehmen kann hier in Riga und gucke bei der app „Party with a lokal“ als ich in Shiraz Tinder instaliet habe fiel mir auch diese App auf und ich habe sie gleich installiert. Viele sind nicht bei dieser App, vlt 30 Leute, von denen die hälfte keine Letten sind, sondern vermutlich Touristen wie ich auch. Ich schreibe 3 von ihnen an um möglichst Kontakte zu knüpfen zu Leuten die vlt. Lust haben mir mal ein bisschen was vom lettischen Livestyle zu zeigen. Außerdem warte ich noch auf die Rückmeldung von einem von den lettischen Pfadfindern, ob auch wir uns treffen können.
Außerdem hat uns Helene schon die erste Programplanung für Burkina Faso zugeschickt. Wir sind begeistert und es verspricht echt eine spanende Reise zu werden. Dennoch scheinen schon die ersten Schwierigkeiten aufzutreten. Das Visum für Ghana können wir nicht so beantragen wie wir es dachten. Zum Glück kennt sie da wen von der Botschaft und innerhalb von wenigen Minuten hat sie eine Lösung organisiert.
Zur Sicherheit checke ich nochmal die weitern Visabedingungen der Länder auf unseren ersten Streckenetappen.

Mittags gehe ich mit Yaron essen und anschließend mache ich mir ein genaueres Bild von der Stadt. Gehe in jedes Museum auf dem Weg und genieße die Cafekultur, die es im iran während des Ramadans nicht gab.
Am Abend habe ich das Gefühl, alles von Riga gesehen zu haben. Natürlich nicht, aber so langsam wiederholen sich die Häuserbilder des Jugendstils und die für mich so richtig spannende Ecke konnte ich noch nicht entdecken.

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Den Abend lasse ich in einer Weinbar ausklingen. Mittlerweile habe ich auch zwei Rückmeldungen, eine von Gunnar dem Pfadifnder aus Riga, wir wollen uns am Donenrstag treffen und er will mir Pfadfinderische Aspekte der Stadt zeigen und zum anderen ein Junger Mann via Party with a lokal, er ist 33 Jare alt und hat Lust sich mit mir morgen den Tag über zu treffen.

Mittwoch, 06.07.

Der Versuch auszuschlafen schlägt fehl – zu unbequem ist das Bett und mein Rücken macht mir auch immernoch von meinem Sturz in Ahwaz Probleme. Bis ca. 10 Uhr wälze ich mich krampfhaft im Bett hin und her, auf so manchem Fußboden im Iran habe ich wesentlich besser schlafen können.

Den Morgen über versuche ich mich also im Entspannen, oder viel mehr darin, ruckartige Bewegungen zu vermeiden, da alles so verspannt ist. Erst gegen 13.00 Uhr, so ist es geplant, treffe ich mich mit dem Lokal zur Party.
An einer Uhr im Norden der Altstadt haben wir uns verabredet.
Das Wetter ist, wie auch schon die letzten Tage vielversprechend unbeständig. Schon die letzten Tage waren immerwieder durchsetzt von Schauern bei um die 18°C. Doch noch scheint die Sonne und in ihr sind es gefühlte warme 22°C, kein Vergleich mit dem Iran, aber das kann ich jetzt auch nicht ändern.

13.00 Uhr und niemand ist am vereinbarten Treffpunkt. Erst gegen 13.15 Uhr erreicht mich die Nachricht:

Sorry I will be late. 10min

Na gut, immerhin scheint es nicht wie in Shiraz, wo ich ganz versetzt wurde.
gegen 13.30 Uhr kommt schließlich eine junge Frau auf mich zu:

„Hi! I´m Elina, nice to meet you“

Ich bin verwirrt, denke an die Vorwarnung, von meinem Zimmerkollegen und des auswärtige Amts vr den „KO-Tropfen-Frauen“ und sage ihr:

„sorry I am not interessted“

eine Betretene Paue tritt ein. Schließlich sagt sie, fast entschuldigend:

„We wrote in the app. Party with a lokal, sorry that I am not a guy“

Ich schreibe an die nummer von dem Party with a Lokal Kontakt via SMS:

„Realy, why?

Sie guckt auf ihr Handy, lacht und schreibt zurück:

„I tell you later“

Sie ist wirklich der Kontakt von dort…

Gemeinsam beschließen wir erstmal Essen zugehen, später sagt sie mir, kann sie mir noch ein paar coole Plätze in Riga zeigen, die eher einheimisches Insiderwissen sind. Leider hat sie nur Zeit bis um 6 Uhr, da sie dannach noch Arbeiten muss. Wir gehen etwas außerhalb der Altstadt in ein Dachcafe auf einem Einkaufszentrum. Man fährt hier mit dem Fahrstuhl aufs Dach über dass man dann ca. 50 Meter Läuft, bevor man im hinteren Bereich das Cafe sieht. Mehrere Tische und eine Art Beachbar, machen das Cafe aus, man sitzt in der Sonne und nur ein kleiner Teil ist mit einer Art Zeltdach überdacht. Von hieraus hat man einen herrlichen Blick über die ganze Stadt. Das Essen ist gut und die Gespräche mit Elina spannend.

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Sie erzählt, dass es gar nicht so einfach ist als Frau in dieser Stadt, da der Sextourismus sehr stark ist, bekommt man als Frau wohl ständig komische Angebote in den Apps. Deshalb habe sie jetzt ein Männerprofil, da würden wenigstens nur ehliche Anfragen kommen, von solchen Leuten die wirklich nur weggehen wollen, ohne hintergedanken.
Wir sind fast fertig mit Essen, als es ziemlich schnell recht dunkel wird und anfängt zu regnen. Wir flüchten unter das Zeltdach. Da es so aussieht, dass es noch länger regnet bestellen wir uns noch was. Runter kommen wir vom Dachcafe eh nicht, ohne dass wir 50 Meter bis zum Fahrstuhl durch den strömenden Regen müssten, um dann im Regen vor dem Fahrstuhl zu warten…

Sie Fragt mich, was ich meine, wass sich hier seit meinem Letzten Besuch am meisten verändet hat. Meine Antwort kann sie nicht bestätigen, Spuren des Früheren Kommunismuss, seien zwar für Touristen nicht mehr so sichtbar, aber sobald man nur ein bisschen Raus kommt seien sie noch sehr spürbar. Sie kompensieren das jetzt alles, sagt sie. Sie bauen in der Stadt Protzbauten die keiner will, erzählt sie weiter: Eine Brücke für mehrere Millionen zum Beispiel, die an der Stelle keiner nutzt, aber es war ein berühmter Architekt, und die Stadt wollte ein Bauwerk von ihm haben.
Ich erzähle, dass man es vor 15 Jahren auch noch auf dem Markt gemerkt hat, so habe man damals auf dem Markt zwischen Äpfeln und Birnen auch alte Maschienengewähre und andere Schußwafen kaufen können.
Sie guckt mich verwirrt an.

„Where else if not on the market? Thats normal, children love to look at this kind of stall.“

Das man in Deutschland keine Waffen auf dem Markt so kaufen kann und man eine Lizenz zum erwerb braucht, mag sie kaum glauben.

So viel scheint sich nicht verändert zu haben ist ihre Quintessenz, nur der Sexturismus. Die Männer seien ja auch so Flach und nur auf das eine aus, aber ich sei da ja ganz anders. Schade, dass ich eine Verlobte zuhause habe, sagt sie, so emotionale Männer wie mich gäbe es sonst nicht so viele in Lettland, dabei würde sie schon so lange nach einem suchen.
Ich rücke auf der Chouch erstmal in die Ecke und frage sie ob ich ihr schon mal ein Bild von meiner Verlobten gezeigt habe, die ich ja so abgöttisch liebe?

Sie „no, but tell me more about you, how long are you in Riga?“

Ich „only until tomorow.“

„Oh realy than we have to meet together after work. what are you doing tonight?“

Sag sie und rückt mir noch ein Stückchen näher.

„Oh I already promissed the guy from the hostel, that we will do something together“

Log ich.
Ich gucke auf die Uhr, es ist jetzt kurz anch 5, zum Glück hat es schon aufgehört zu regnen, so kann ich mich rausreden und sagen das wir zahlen müssen, damit sie nicht zuspät zur Arbeit kommt. Ich stehe auf und wende mich zu Kellnerin zum bezahlen.
Sichtlich enttäuscht, git sie mir recht und so bringe ich sie nur noch zu Bushaltestelle.

Den Abend verbringe ich schließlich wieder in der Weinbar beim Blogschreiben, sie hat sich einfach als dafür gut erwiesen.
Zwischendurch schreibt mir noch einmal Elina via SMS:

„you are an amazing guy, don´t you want to meet me again tonight?“

Ich beschließe diese SMS einfach zu ignorieren und genieße den Abend allein, ein tolle Gefühl ist es aber schon für das Ego so eine SMS zu bekommen.

Donnertag, 07.07.

Meinen letzten Tag in Riga habe ich mich mit Gunnar von den Pfadfindern verabredet. Er holt mich zusammen mit seiner Freundin gegen 11 Uhr am Hostel ab. Alles gepackt habe ich schon um die Zeit, so dass ich einfach bei ihm ins Auto springen kann.
Er spricht fast fließend Deutsch, nicht nur Deutsch, sondern auch mehrere andere Sprachen. Gelernt hat er die, so erzählt er, schon als Kind durch das Fernsehen, da hier alle Filme nur mit Untertiteln laufen.
Gemeinsam fahren wir aus Riga raus, er will mit das Pfadfindermuseum von Lettland zeigen, welches ca. 40 Minuten von der Stadt Richtung Westen entfernt ist.
Das Museum ist für ein pfadfinderisches Museum recht groß. Besonders beeindruckt mich die Museumsabteilung der lettischen Pfadfinder im Exil, sie ist unerwartet Groß.
Als die Russen 1945 Lettland besetzten flohen viele vor der Russen nach Westen. Unter der dann kommenden kommunistischen Herrschaft waren Pfadfinder verboten. Dennoch grüdeten sie sich, nicht in Lettland, sondern da, wo die Letten hingeflüchtet sind, am Meisten in Deutschland. Über 150 lettische Exil-Pfadifndergruppen gab es hier bereits 1946. Ihr Archivmaterial hat es zum Großteil hierher geschafft.

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Die Zeit zwischen Museum und meinem Weiterflug lassen wir mit einem ausgeprägten Lunch verstreichen. Vorspeise, Hauptgang und Nachspeise kosten für uns alle drei zusammen gerade mal um die 30 Euro.
Schließlich fährt er mich noch zum Flughafen.
Am Flughafen läuft auch dieses mal alles recht reibungslos, bis auf eines: In der Sicherheitskontrolle besteht der Beamte darauf, dass ich alle Metallischen Sachen ausziehe, auch den Verlobungsring. Schnell soll ich den Platz am Ende wieder frei machen alles rausnehmen au der Schale und die Sachen weiter hinten am Tisch wieder anlegen.
Als ich feststelle das mein Verlobungsring weg ist, ist es schon zu spät, gefunden wurde er auch nicht.

Gegen 18.30 Uhr lande ich schließlich in München und Gabriele holt mich am Flughafen ab.
Jetzt stehen erst Mal 10 Tage Pause an, bevor wir zusammen weiterreisen.

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Istanbul Teil II

Dienstag, 7.6.

Nachdem ich die halbe Nacht nicht schlafen konnte, interessierte mich der Wecker am morgen nicht wirklich. Ich Ignorierte ihn einfach und erst so gegen 10:00 Uhr befand ich es für eine gute Zeit mich im Bett aufzurichten. Ich blickte aus dem Fenster und musste frustrierend feststellen, dass es regnet, mein eigentlich geplanter Ausflug zu den Prinzeninseln fiel damit buchstäblich ins Wasser. Da ich weder Schirm noch Regenjacke eingepackt habe fiel meine Entscheidung darauf, erstmal da zu bleiben und meine Emails vom Couchsurfing zu checken, vlt. gibt es was neues von einem meiner Kontakte dort.
Handy an, Tablett an. 5 neue Nachrichten, die mehrheit in Facebook. Freunde von mir fragen ob es mir gut geht? Ich freue mich über ihr unerwartetes interesse an meinem Wohlbefinden und beschließe ihnen gleich in Ruhe zu antworten. Erstmal die anderen Neuigkeiten auf FB Checken. Marion hat etwas unter meinen Betrag in FB gepostet: „Eben gerade wurde vom einem Anschlag Istanbul berichtet“ und darunter dieser Link: http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/krisen/id_78045746/erdogan-nach-istanbul-anschlag-wir-kaempfen-bis-zur-apokalypse-.html
Und wieder wird eine Tradition zur Regel, ich bin jetzt das fünfte Mal in Istanbul und jedesmal wenn ich hier bin gab es irgendwo in Istanbul einen Anschlag. Ich errinere mich noch an das erste Mal, dass ich das erlebt habe 2006, damals war der Anschlag über 50 Km weit weg am Ende der Stadt, ich war gerade mit anderen in der Altstadt. Für uns war es trotzdem ein verstörendes Gefühl. Deshalb versuchte ich auch erstmal die anderen zu beruhigen und poste drunter: „Istanbul ist ja eine dergrößten Städte der Welt, da gibt es mehrere Stadtzentren und ich bin gerade etwa 10 km von dem Anschlag weg…“
in einem weitern Post hänge ich noch dran: „Sieh es von der positiven Seite: die warscheinlichkeit das das in den nächsten Tagen nochmal passiert ist nicht sehr hoch ;)“
Dannach schreibe ich noch schnell eine Textnachricht im Handy an meine Familie frei nach dem Motto: mir geht es gut.
Gespannt bin ich dennoch, es ist das erste Mal, dass ich da bin, wenn ein Anschlag im historischen Teil der Stadt ist. Ich beschließe es mit Fassung zu nehmen und mal zu gucken wie die Einheimischen drauf reagieren.

So gegen 14.00 Uhr schließlich hört es auf zu regnen und ich beschließe, dass es Zeit ist aufzubrechen. Gegen 16:oo Uhr wollte ich mich noch mit einem Freund treffen. Wir haben uns nach über 3 Jahren gestern Abend wieder gesprochen und er hat mir den Tip gegeben, dass sich das Viertel rum um Karaköy sehr verändert haben soll. Zusammen treffen wir uns mitten in Taxim in der nähe der neuen Mall.
Er führt mich schließlich richtung Nordosten am Bosporus lang. Hier ist ein neues Hipstar-Viertel entstanden. Moderner Lifestyle im alten Istanbuler Charm, ich bin begeistert, zusammen trinken wir einen Kuchen im Teehaus- bei der großen Teeauswahl können wir uns kaum entscheiden, 60 verschiedene Sorten stehen auf der Karte.

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Beim Tee erzähle ich, dass ich gestern nicht in die Schule reinkam und er beschließt schließlich mit mir dort hin zu gehen und mir die Schule noch mal zu zeigen. Über den Anschlag scheint hier keiner zu reden, deshalb nutze ich auf dem Weg die Gelegenheit ihn wegen des Anschlag zu fragen. „Ja ich habe davon gehört“ ist die Antwort. Ich beschließe es dabei zunächst bewenden zu lassen, obwohl neugierig bin ich schon, aber ich enscheide mich später noch mal zu fragen. In die Schule komme ich mit ihm ohne Probleme rein und mit großer Begeisterung zeigt er mir alles. Unterweg erzählt er mir von den Demonstraionen in Istanbul und dass es demnächst wieder eine Demo für die Frauenrechtsbewegung geben soll. Ein Politiker hat wohl erst vor ein paar Tagen gesagt: „eine Frau ist nur eine halbe Frau, wenn sie keine Mutter ist“. Eine solche Aussage würde ich genauso wenig auf mir sitzen lassen wollen. Auf die Frage ob es gefährlich ist wegen sowas zu Demonstrieren bekomme ich die Antwort: „für uns nicht, wir sind es gewöhnt“. Immer wieder löst die Polizei hier gewaltsam Demonstraionen auf. Sie haben hier schon ihre ganz eigenen Methoden gegen die gewaltsame vorgehensweise der Polizei. „Gegen Tränengas hilft eine Flasche Wasser mit Renni drine aufgelöst. Du spritzt es dir ins Gesicht und es hilft die Augen zu beruhigen. Aber wir haben keine Probleme mehr mit Trännengas, wir sind es schon gewöhnt, es macht uns nichtsmehr.“ Wenn ich will kann ich gerne am Donnerstag mitmachen, bekomme ich noch die Einladung, da gibt es wieder eine Demo für die Frauenrechte. Ärger mit der Polizei ist schon mit eingeplant.

Später treffe ich mich wieder mit Hakan, der andere Freund hat noch einen Termin, er ist schon wieder weg, wenn ich Hakan am Tünel treffe, der U-Bahn wegen der sich Istanbul mit mit Paris und London streitet wer wohl die ältere hat. Itanbul hat wohl zuerst angefangen zu bauen, aber Fertig waren die anderen zuerst. Die U-Bahn hat nur zwei Stationen und die Strecke ist nur wenige hundert Meter lang.

Zusammen wollen wir zum Fastenbrechen, wie es an Ramadan üblich ist. Er hat sich extra für mich schlau gemacht, wo man da am besten hin geht. Unser Ziel ist Aksaray, keine 500m von dem Ort wo heute morgen noch der Anschlag war. In der U-Bahn gab es nur eine Durchsage, dass die U-Bahn an der Universtität nicht hält. da war der Anschlag- von dem wird aber kein Wort in der Durchsage verloren. Informtionen über den Anschlag gab es von Türkischer Seite bisher fast keine alles was man bisher hier weiß sind Gerüchte oder Informationen aus ausländischen Medien, dass bestätigt mir auch noch mal das Gepräch mit Hakan.

Das Fastenbrechen ist beeindruckend. hunderte von Leute sitzen vor Ettlichen Restaurants in der Straße, die sich auf das Fastbrechen spezialisiert haben. Als wir ankommen ist schon alles vorbereitet. Die Tische sind eingedeckt und wir müssen nur noch sagen welches Fleish wir dazu haben wollen. Wir werden vom Ober mit an den Tisch zu vielen anderen gesetzt. Nur Männer sitzen hier, Famlien mit Kinders sitzen auch in den restaurants aber seperiert. Einzelne Frauen, sieht man hier keine. Auf den Tischen Stapeln sich schon die Teller mit Essen: Tomatenpaste, Gegrilltes Gemüse, Zwiebelsalat, Tomatensalat, Ayran, Wasser, Brot und Fladen. Zahlen muss man aber nur für das Fleisch, der rest gehört zum Service 35 Liera kostet das Essen (umgerechnet etwa 10 euro) alle sitzen sie gespannt vor dem Essen und warten auf Iftar, das ist der Moment, wenn die Sonne untergegangen ist und der Imam vom Minarett aus das Zeichen gibt, dass jetzt das Essen los gehen kann. Sofort geht es los und die Ober bringen eine Linsensuppe raus, gleich dannach kommen sie mit Leberspießen und anderen Fleischspießen raus. wie man die ist musste ich erst lernen: man nimmt sich etwas Fladen, wickelt den um das Fleisch und zieht den spieß raus- jetzt kann man es essen …
Die Ober sind im Hintergrund am rumwirbeln, das Essen geht fix, man merkt das alle um einen herum Hunger haben, ständig kommen die Ober und stellen neues Essen in der Mitte nach. Nach etwa 15 – 20 Minuten sind wir papp satt und wir haben nicht alles geschaft. Dabei sind wir schon mit die letzten am Tisch die anderen sind zum Teil schon nach 10 Min fertig gewesen und waren dann auch schnell weg, wohl um in der Moschee zu beten so habeich mir sagen lassen.
Das Essen war wahnsinnig lecker, aber wir können uns nur noch rollend vorwärtsbewegen.
Eigentlich wollte Emhak noch dazu kommen, doch so schnell wie das essen vorbei war, hat er es nicht geschaft. Wir beschließen also ihn in Taxim zu treffen.

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Bei Nacht ist die Hauptstraße in Taxim etwas leerer, dafür sind die nebenstraßen in denen die Kneipen und Lokale sind um so voller. Ein beeindruckendes Erlebnis, bei dem man deutlich spürt, dass Istanbul eine der Städte ist in der bei Nacht genau so viel Leben auf den Straßen herscht wie tagsüber. Besonders auffällig sind die Wasserwerfer der Polizei, die an den Enden der Straße stehen. Die Polizei nutz sie um spontane Demonstrationen aufzulösen, werde ich aufgeklärt. Sie stehe an beiden seiten der großen Hauptstraße in Taxim und wenn es eine Demo gibt, fahren sie sich entgegen. mit Wasser und Tränengas gegen die Demonstranten.
Ich nutze nochmal die Gelegeit beim späteren Bierchen um rauszufinden, wie die Leute die hier leben über den Anschlag denken.
„Wir haben keine Angst mehr, wir sind es gewöhnt.“
In dem Moment erreicht mich noch eine Nachricht von meiner Stiefmutter: „unser Auswärtiges Amt ist sehr in Sorge.. Erdogan rechnet mit einer Terrorflut in naher Zeit: O-Ton von heute morgen..schwing dein popöchen in den nächsten Flieger“ ich schreibe ihr erstmal, dass sie sich keine Sorgen machen muss, mein Flieger geht übermorgen und verspreche ihr, dass ich morgen eine der Inseln Istanbuls besuchen werden, die etwas weiter draußen und ab vom Schuß sind, da passiert mir garantiert nix und das hatte ich eh vor…

Auf dem Rückweg nehmen wir ein Taxi ca. 15 min dauert die Fahrt und kostet umgerechnet etwa 5 Euro, der Fahrer ist sehr schweigsam, nur einmal unterhält er sich mit Hakan. Ich verstehe kein Wort.
Als wir austeigen erzählt Hakan, was er sagte:
„Er erzählte, dass an dem Anschlag heute die PKK dran schuld war, deshalb hat Erdogan 7000 Teroristen der PKK hinrichten lassen.“ Hakan sagt, dass das natürlich nicht sein kann. Aber ich begreife, dass so hier gerade die Nachrichtenkommunikation funktioniert.

Mittwoch, 8.6.

Eigentlich hatte ich beschlossen etwas früher aufzustehen, da ich auf die Prinzeninseln wollte- am Ende war es doch wieder erst 10.00 Uhr. Macht nix, den Tag heute will ich zur Abwechselung mal ruhig angehen.
Du den Prinzeninseln fährt man mit der Personenfähre. Diese Fähren gehören zum Istanbuler Stadtverkehr genauso wie die U-Bahn oder Busse. Sie kosten auch nur unwesentlich mehr, das Bezahlsysthem ist das gleiche, man hält eine aufladbare Geldkarte an ein Drehkreuz und automatisch wird das Geld von der Karte angebucht. DAs Systhem ist wenn man will leicht zu umgehen, damit das nicht passiert, steht an fast jeder Haltestelle ein Wärter, der ab und an sogar aufpasst.
DIe ganze Größe von Istanbul lässt sich in meinen Augen eigentlich ersterahnen, wenn man mit dem Schiff rausfährt. Die Bosporustour wäre auch noch eine Option, mit ihr kann man bis zum nördlichsten Punkt von Istanbul fahren, sie dauert etwas 2 Stunden. 1,5 Studen fährt man zu den Prinzeninseln vom historischen Stadtkern aus. Auf dem Weg sieht man die ganzen Hochseekontainerschiffe vor der Küste von Istanbul liegen, wie sie darauf warten, das sie einer nach dem anderen zum schwarzen Meer den Bosporus rauf fahren dürfen. Eigentlich ist das schon ein ausreichend beeindruckendes Schauspiel.
Am Ufer sieht man Istanbul, und man merkt, dass diese Stadt scheinbar kein Ende hat. Die Schiffe neben den U-Bahnen die schnelle Möglcihkeit um von einem zum anderen Punkt zu kommen, aber das U-Bahnnetz ist nicht so gut ausgebaut, deshalb sind auch die Schiffe viel frequentiert.
Die Prinzen Inseln selbst sind ganz anders als das restliche Istanbul. Autos gibt es hier so viele wie Zitronenplantagen in Skandinavien und wenn doch dann eher zu dekorativen Zwecken. Hier schiebt man seine Sachen auf einem Karren durch die Gegend oder fährt allemal vlt mit einem Roller durch die Gegend. Ein Ruhepol der Stadt, selbst die Istanbuler gehen hierher um abzuschalten.
Baden würde cih hier dennoch nicht, denn ein leichter Ölfilm schwimmt immer auf dem Wasser vor der Istanbuler Küste, den man beim Baden dann immer mitnimmt, doch viele Istanbuler scheint das nicht zu stören, sie gehen hier öfters hin zum baden.

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Ich versuche auch die Ruhe zu genießen, mache erst einen Spaziergang und setzte mich dann in ein Restaurant am Hafen. Idillisch…
Ich bestelle mir Köfte und eine Cola. Eine Tourifale versucht der Wirt noch, in dem er mir ungefragt gefüllte Tomaten und Fisch in Öl hinstellt, das Spielchen kenne ich schon von Früher, sie behauptt, es gehört zum ervice und zum Schluß kassieren sie dafür extra. Ich lasse es also gleich zurückgehen ohne es anzurühren. Am Ende versucht er es rotzdem und will dafür 25 TL zusätzlich kassieren, mit der Begründung er habe es hingestellet und es wäre mein Problem wenn ich es zurück gehen lassen würde. Ich lasse mich auf die Diskusion nicht ein, bezahle den Rest einfach passen und gehe.

Etwas zu spät komme ich am Abend bei meiner Verabredung mit Chankut und Egemen an, wir treffen uns in Kumpircity, wie ich es nenne, weil es hier eine Straße gibt in der es einen Kumpirstand neben dem anderen gibt. Kumpir, das sind eine Art Ofenkartoffeln, die KArtollel wir aufgeschnitten, mit Käse verrührt und dann kommen allerlei Gemüse drauf. hier gibt es ogar die „Sattwerdgarantie“ so lange du noch Kartoffel hast kannst du so viel Gemüse nachnehmen wie du willst. In der Regel ist man nach einer halben satt.

Wir genießen den Abend in einem Lokal mit Blick auf die Moschee, weche an der Stelle im Bosporus errichtet wurde, weil irgendwer mal errechnet hat, das hier der Mittelpunkt Istanbuls sein muss. Direkt hinter ihr ist die Brücke, welche den asiatische und Europäischenteil verbindet. Die Brücke ist bunt angeschienen und die Aussicht vom Cafe aus Malerisch. Das Essen und seine Peise ebenfalls.
Es war ein wunderschöner Abend! Danke dafür nochmal an Chankut und Egemen, ich werde mich bei euch revangieren wenn ihr mal wieder nach Deutschland kommt…

Istanbul Teil I

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Sonntag, 05.06.

Mit schlappen 2 Stunden Verspätung konnte ich gegen 20:00 Uhr Ortszeit endlich in Istanbul landen.
Nach dem die Passkontrolle bei mir wohl scheinbar etwas länger gedauert hat und ich einer der Letzten beim Gepäckband war konnte ich schließlich ohne Probleme den Flughafen verlassen.

Istanbul die Stadt auf zwei Kontinenten…
Zuletzte war ich vor fast vier 4 Jahren hier, doch schon beim ersten Eindruck merkte ich, dass sich die Stadt seit dem verändert hat. Mehrere große Einkaufszentren sind mittlerweile am Rand des Highways gebaut worden, der den Asiatischen und den Europäischen Teil dieser Stadt miteinander verbindet.
Was mir jetzt als erstes auffiel, waren viele neue Hochhäuser im asiatischen Teil der Stadt. Viele moderne Gebäude, bei denen man das Gefühl hat, dass sich in jedem einzelnen von ihnen irgendein Architekt ein besonderes Denkmal setzten mag.
Daneben lebt der alt bekannte Kontrast von Istanbul aber weiter. fährt man eben noch durch Gegenden in denen Firmen Miliarden ausgeben um sich presigevoll darzstellen, so sieht man eine Straße weiter die Häuser derer die froh wären etwas Geld zu haben um sich wenigstens ein Fahrrad leisten zu können.
Die Strecke vom Flughafen nach Taxim kann ich mit dem Havabus fahren, der fährt durch, hält zwischendurch nur 4 mal und ist je nach Verehrslage in 1,5 bis 2 Stunden in Taxim. Ich habe sogar Glück und die Straßen sind ein bisschen freier, nur einmal Stau an der Brücke über den Bosporus, so dass der Bus um etwa 11 Uhr Ortszeit in Taxim ist. Hier bewegt sich zunächst auch nichts mehr, zuviel Stau. Doch das stört hier nur wenige, Stau gehört zu dieser Stadt einfach dazu und so beschließt der Busfahrer uns alle einfach mitten auf der Kreuzung raus zu lassen.

Netter Weie hat mich Hakan, den ich schon lange durch die Pfadfinder kenne, eingeladen bei ihm in der WG zu übernachten. Die WG liegt nicht unweit von Taxim, der pulsierenden Ader von Istanbul. Es ist eine klassische studenten WG wie man sie eben so gut auch in Deutschland findet. Hakan, Can und Cagri sind gerade mit dem Studium fertig und erst vor 3 Monaten in die WG gezogen. Can ist gerade nicht da und so darf ich sein Zimmer haben. Nach dem ich ihnen meine Gastgeschenke gegeben habe (Graubrot, Wein, Gummibärchen und Schokolade) verbringen wir den restlichen Abend damit im Wohnzimmer zu sitzen und deutsches Fernsehn mit Türkischem zu vergleichen. Im Program läuft Jamie Olivers Kitchen, wärend ich drüber lache, dass es sehr gewöhnungsbedürftig ist, dass über das ein türkischer Sprecher hier einfach das englische Original kommentiert, können sie später herzlich darüber lachen, als ich ihnen auf Youtube die deutsche Syncronisierung von der selben Folge zeige.

Einen guten Hinweiß bekomme ich noch an dem Abend. Seit letzte Woche der deutsche Bundestag beschlossen hat den Volkermord an den Armeniern um 1915- 1918 aunzuerkennen, sind die Türken wohl nicht mehr gut auf Deutsche zu sprechen und ich soll die nächstn Tage lieber nicht sagen da ich aus Deutschland kommen, lieber Österreich oder Schweiz. Alles nur nicht Deutsch, das könnte mir sonst wohl ggf. nicht so gut bekommen…

Montag, 6.6.
Auch in der Türkei beginnt heute das Ramadanfest. schon gesten hat man immerwieder kleinere oder größere Gruppen gesehen, die sich auf Grünflächen zum großen Essen versammelt haben.
Die Nacht habe ich voll ausgekoset und so langsam beginne ich zu entspannen. Nur einmal wurde ich mitten in der Nacht wach, als sich ein Trommler so etwas gegen 3 Uhr auf Straße an seinem Intrument künstlerisch verausgabte. Er gehört zu Ramadan dazu wurde ich gesten schon aufgeklärt. Er weckt während Ramadan jede Nacht um die gleichr Zeit, damit die Leute dann aufstehen um zu Essen und zu trinken, anschließend geht man wieder Schlafen um am nächsten Tag fit zu sein für die Arbeit. Am Ende des Ramadans geht der Trommler dann wohl rum und bittet um einen kleinen Obolus für seine Arbeit.

Nach dem Aufstehen ist mein erster Gang zu einem kleinen Tante-Emma-Laden um die Ecke um Wasser zu kaufen. Der Verkäufer ist sehr nett und man merkt recht schnell, dass er Touristen in seinem Laden nicht gewohnt ist. Relativ bald kommt die Frage wo ich herkomme. Schweiz behaupte ich, in Errinnerung an die Mahnung von gestern. Gut so, denn sehr schnell kommt er auf den Beschluß der Bundesregierung von letzter Woche zu sprechen und darauf, dass er Deutschen nichts mehr verkaufen würde. Ich nickte nur freundlich und schließlich verabschiedet er mich mit den Worten: „but switzerland good people – welkome to Istanbul. Enjoy your trip!“
Ein bisschen ein schlechtes Gewissen ob der Notlüge bleibt schon.

Mein erster Gang führt mich schließlich nach Taxim. Unübersehbar ist die noch stärker gewordene Polizeipräsenz in der Stadt und die Schäden des Bombenanschlages auf dem Taximplatz vor drei Monaten. Sie sind immernoch hinter den Bauzäunen zu erahnen. Mein erster Weg hier führt mich zu einer taximer spezialität: nasser Hamburger. Das sind Brötchen mit einer Frikadelle. Sie sehen ein bisschen widerlich aus und riechen etwas vergammelt, aber schmecken unglaublich. Der erste Bissen kostet mich jedesmal etwas Überwindung aber irgendwie hat es schon Tradition, dass ich immer wenn ich in Istanbul bin, wenigstens einmal nasse Hamburger esse… 😀

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Auch im Stadtteil Sultan Ahmet ist die Polizeipräzenz deutlich spürbar. An jedem Eingang der größeren Bazare steht ein Sicherheitsbeamer, mit einem Handmetalldetektor. Um ehrlich zu sein verstehe ich nicht ganz wie ernst sie ihren Job nehmen? Sie hielten die Geräte immer nur kurz an die Taschen der Passanten, jedes Mal piepsten die Geräte und dennoch konnte jeder einfach durchgehen. Wozu machen machen die das???

Nach dem ich in Sultan Ahmet noch kurz Geldwechseln war machte ich noch einen kurzen Abstecher zur deutschen Schule, dem Mamorpalast wie ich ihn gerne nenne. Einst sorgte Atatürk persönlich dafür, dass sie eines der prächtigsten Gebäude in Istanbul haben, habe ich mir mal erzählen lassen. Die Schule zählt zu den Eliteschulen in der Türkei. Sie beherbergt unteranderem die Pfadfindergruppe Sakarya, die ich schon so oft hier besucht habe. Normal ist es kein Problem für mich gewesen sie zu besuchen doch dieses Mal wohl schon. Ich durfte nicht rein. Ich musste vor dem Tor stehen bleiben. Einige Sakaryas klärten mich auf, dass gestern erst dort die Graduiertenfeier stattfand, bei der auch der Schulleiter eine, rede hlten sollte. Wärend der Rede drehten ihm alle Teilnehmer im Saal den Rücken zu und Klatschten so laut, dass ihn keiner verstehen konnte. „Die letzten Absolventen der Schule haben gegen den Direktor Hikmet Konar auf diese Art protestiert, in dem sie Ihm während seines Gesprächs den Rücken zugedreht haben. Dieser Direktor hat viele Events des Gymnasiums verboten und lies manche religiöse Organisationen zur Schule ein.“ (Danke an Pinar für die Aufklärung =) ). (In den deutschen Medien wurde übrigens auch berichtet: http://www.focus.de/politik/ausland/nach-armenien-resolution-deutscher-generalkonsul-darf-kein-grusswort-in-tuerkischer-schule-sprechen_id_5598999.html ) Deshalb sind sie aktuell wohl auch sehr vorsichtig Deutsche in die Schule zu lassen.

Dennoch hat die Stadt nichts von ihrem Charme eingebüßt. Der bunte Troubel auf den Straßen, die Marktschreier an jeder Ecke, die Massen von Anglern auf der Galatabrücke, die allgegenwärtigen Bilder von Atatürk, dass leckere Essen, was man (trotz Ramdan) zu jeder Zeit, an jeder Straßenecke bekommt – das alles hat sich nicht verändert.
Es ist immernoch eine Stadt zwischen Tradition und Moderne und es ist schön hier zu sein…

Bild 1: Die Hauptstraße in Taxim
Bild 2: Die Galatabrücke, zu jeder Tages und Nachzeit sieht man hier dutzende Angler
Bild 3: Der bedeckte Bazar
Bild 4: Die Lisesi Schule in Istanbul
Bild 5: Einst war hier der Tier und Pflanzenmarkt, bis er wegen es James- Bond- Films abgerissen wurde, heute ist hier diesr Platz.

Malta!

(Dies war auch ein Livetest um zu gucken ob das mit dem Einstellen von Alben klapp!!!
Hat nach langem hin und her so eingermaßen geklappt…)

noch nicht Afrika, noch nicht beide zusammen – duden allein auf Malta!

mit einem schlechten Gewissen, da er Gabriele im Chaos zurückließ, stratete duden als Ausgleich zum Umzugsstress der letzten Tage am Dienstagmorgen erst mal nach Malta. Pünktlich, bevor das Wetter in Deutschland laut Wetterbericht wieder etwas schlechter werden sollte.
Auf die Idee gebracht hatte ihn vor ein Paar Wochen André, der ihm sagte, dass es dahin gerade noch günstige Flüge gibt! Kaum vorgeschlagen, schon gebucht! jetzt verbringt er vier Tage zusammen mit Claudia im sonnigen Malta!

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Dienstag 11.5.

Es ist herrlich hier! Das Wetter ist nicht ganz so schön wie erhofft, dafür macht die Eigenart des Landes und ihre damit verbundene Schönheit das Wetter zur Nebensache.
Bei der Landung morgens um 9.00 Uhr durfte ich erst mal André am Ankunftsterminal die Hand schütteln, der just in das Flugzeug einstieg, aus dem ich gerade kam. Nachdem mich Claudia dann am Flughafen eingesammelt hatte und ich meine Sachen in der Pension untergebracht, haben wir erst noch mal einen Geschäftstermin von Claudia wahrgenommen. (Hajoona für Malta ist ihr Ziel 😉 ). Gleich danach sind wir erstmal nach Valletta, in die maltsische Hauptstadt durchgestartet.

Die maltesische Landschaft ist in zunächst karg, felsiger Untergrund mit vereinzelten Weingütern und gelegentlichen Felden. Die Orte prägt oft der maltesische Sandstein, den Claudia sehr zutreffend als honigfarben bezeichnete, aus ihm sind so ziemlich alle Häuser errichtet. Die Häuser sind oft reich verziert, mit Säulchen, Balkonen und Heiligenfiguren.

Mein erster Eindruck: eine spannende Insel mit vielen Details.
und mein Fazit vom ersten Tag. eine bessere Fremendführerin als Claudia kann ich nicht bekommen.

Mittwoch 12.5.
unser Tag auf Gozo bestand zunächst aus zwei Geschäftsterminen von Claudia. Zwei Auswanderinnen nach Malta galt es zu besuchen. In Gozo selbst besuchten wir den Tempel Ggiantija der rund 5600 Jahre alt ist, und zu den ältersten Tempeln der Welt gehört. Mittwag gab es dann in einem kleinen Handwerkerdorf und anschließend betrachteten wir uns noch eine Wallfahrtskirche. 95% der Malteser sind Katholiken und die Kirchen hier sind zu jeder Zeit immer gut besucht (und damit meine ich nicht von Touristen). Skuril mutete vor allem eines in dieser Kirche an: die Leute scheinen hier gerne an diese Kirche zu spenden, aber nicht Geld, sondern div. was dann an den Kirchenwänden aufgehängt wird. Die seitengänge sind vollgehängt mit Bilder, Briefen, Taufkleidern, und sogar eine Beinprotese mit Miederware bekleidet (das ich euch gleich Mal fotographiert habe). Auch skurril war ein Ölbild mit einem Flugzeug an dieser Wand, was dem Tag gedachte, an dem der Papst mit seinem Flugzeug auf Malta notlanden musste…

Donnerstag 13.5.
war der Tag an dem wir einfach durch den südwesten von Malta gecruised sind und gerade die kleinen Dörfer haben auf uns wirken lassen. Mittags begegneten wir dann noch Bernadette einer sehr sympatischen Frau mit Papagei auf der Schulter- Sachen gibts… 😀
Der Abend bestand daraus, das Nachtleben auf Malta zu erkunden, davon gibts aber keine Bilder 😉

Freitag 14.5.
leider schon der letzte Tag! Morgen gehts zurück…
diesen nutzen wir heute noch mal um durch den Osten und Süden zu Cruisen. Aber erstmal ausschlafen und dann zur blauen Grotte, wo wir einen Freund und Vogelfreund von Claudia trafen, der Raubvögel züchtet (wenn ich auf gestern zurückblicke muss hier irgendwo ein Nest sein… 😀 ) Gerade sitzen wir am Hafen in Marsaxlokk, haben ein verspätetes Mittagessen gehabt und gucken auf die Fischerboote….

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