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Bobo und Banfora

Montag, 25.07.
Die letzten Tage waren wenig ereignisreich. Aber heute Morgen geht es endlich los nach Bobo-Dioulasso, kurz auch Bobo genannt. Eigentlich wollten wir auf diese Tour schon vor drei Tagen aufbrechen, doch dudens Krankheit hielt uns davon ab.
Das frühe Aufstehen um 5.45 Uhr ist nach den Tagen der Erholung natürlich etwas gemein, aber gleichzeitig ist die Vorfreude, wieder etwas Abwechslungsreiches zu erleben, groß. Der befreundete Pastor soll uns um 6.30 Uhr abholen, denn um 7.30 Uhr fährt der Bus. Natürlich wird es aber etwas später, bis der Pastor da ist – das ist hier normal, dass man prinzipiell mindestens 15 Minuten zu spät kommt – trotzdem finden wir uns bereits um kurz nach 7 Uhr im Busbahnhof ein.
Der Busbahnhof von TCV, der wohl organisiertesten und komfortabelsten Busgesellschaft in Burkina Faso, ist ein mittelgroße Halle in der ein Bus steht. In mehreren Haufen stapelt sich in der Halle das unterschiedlichste Gepäck: ein Stapel scheint aus allem zu bestehen, was man in einem Haushalt so benötigt, angefangen beim Bettgestell, über ein paar Möbelstücke und dazwischen vieleTüten, vollgepackte Stoffbündel und Pappkisten. Das könnte ein Umzug sein, meint Hélène.
Unsere Mitreisenden geben ihr Gepäck auf: die Ticketnummer wird auf Kreppband geschrieben und an die Taschen geklebt.

Die Fahrt sollte für die 355 km fünf Stunden dauern. Die Straße ist zwar geteert und für burkinische Verhältnisse in recht gutem Zustand, aber die Geschwindigkeitsbegrenzung ist häufig bei 30 km/h. Dafür, dass diese in den bewohnten Gebieten einghalten wird, sorgen viele Speedbumps auf der Straße. Diese sind oft jedoch so hoch, dass sie einen dazu zwingen bei JEDEM Dorf, das an der Straße liegt, auf Schrittgeschwindigkeit zu drosseln.

Die Straßen sind nicht voll. Immer wieder sieht man Busse, Minivans, Autos und Eselkarren. Sie alle sind oft gut beladen. Oft transprotieren die Autos und Busse ihre Transportgüter kurzerhand auf dem Dach. Dabei sieht man manchmal Autos und Minibusse, deren Ladung aus Säcken, Mopeds, und allem was man laden kann, besteht und auf ihren Dächern doppelt so hoch ist wie die Fahrzeuge selbst. Auch lebende Ziegen und Schafe sieht man hin und wieder auf dem Dach verladen.
Immer wieder reist noch jemand daneben auf dem Dach mit. Auch an der Rückseite des Fahrzeugs halten sich häufig noch Leute an Leitern oder dem Dachaufbau fest. Das ist nicht ungefährlich. Auch Hélène erzählt, dass es immer wieder unfälle gibt. Die Leute riskieren ihr Leben um günstig mitfahren zu können.

Dörfer gibt es an der Strecke jede Menge. Manchmal sieht man ganze Familien, die ihre Äcker mit Hacken in den Händen bearbeiten, auch die kleinsten Kinder arbeiten mit. Bei der Hitze stehen sie mitten in der Sonne und arbeiten sich Stück um Stück vor – wir können nicht anders, als ihnen bewundernd zuzusehen und noch mehr Respekt vor dem Essen zu entwickeln, das wir hier bekommen. Nur selten sieht man einen Pflug, der von einem Esel gezogen wird.

Der Bus macht wenige Pausen auf der Strecke. Zweimal hält der Bus, weil jemand den Fahrer bittet, für eine Pinkelpause anzuhalten. Sofort strömt ein großer Teil des Busses in die Natur am Straßenrand, aber nicht zu weit, denn der Bus hält oft nur wenige Minuten. Schamhaft darf man hier wirklich nicht sein, wenn man längere Fahrten mit dem Bus unternehmen will.
Auch gut gekühlt ist der Bus. Wenn man der Temperaturanzeige im Bus glauben darf hat es zwichenzeitlich darin gerade einmal 13°C. Wir glaube es gerne und packen uns in unsere Pullis und Tücher ein, um nicht zu frieren. Sonst scheint das aber keinen im Bus zu stören.

Der dritte und letzte Halt findet in der einzigen größeren Stadt auf der Strecke statt.
Kaum hält der Bus auf dem Platz und öffnen sich die Türen, belagert bereits eine Horde von Frauen und Kindern den Bus, mit verschiedensten Nahrungsmitteln auf dem Kopf oder in den Händen. Auch gekühlte Getränke und Taschentücher sind im Angebot enthalten. Wir brauchen einen kurzen Moment bis wir uns in das Getümmel wagen und sind dann erstmal damit beschäftigt die Verkäufer zu ignorieren, denn ein „No“ interessiert sie nicht. Als Europäer sehen wir wohl auch kaufkräftig aus und so folgt und umringt uns eine Traube Menschen. Hélène und Gabriele beschließen, sich ein frittiertes Hähnchen zu teilen. Es kostet 3000 XOF (ca. 4,50 Euro), etwa so teuer wie in Deutschland.

Je weiter wir Richtung Osten fahren, desto grüner wird es. Während die Landschaft rund um Ouaga noch eher Steppe ist (und wohl nur im Moment wegen der Regenzeit durch das viele Gras sehr grün wirkt), liegt Bobo eher in einer grünen Oase. Viele Bäume und ab und an sogar kleinere Seen kann man hier sehen. Dafür kennt man es, erzählt uns Hélène. Obst und Gemüe sei deshalb hier auch viel biliger. Vor allem für seine vielen Mangoplantagen ist die Region um Bobo bekannt.

Gegen 14.00 Uhr kommen wir in Bobo an. Hélène will keine Zeit verlieren und gleich nachdem wir unsere Reservierung für die Rückfart gesichert haben, laufen wir zur Mission, in der ihre Schwester ein Zimmer für uns reserviert hat.
Die Zimmerzuweisung in der Mission gestaltet sich gar nicht so einfach. Erst finden wir niemanden, der hier zuständig ist und die Frau, die die Zimmerzuweisung dann übernimmt, weist uns Zimmer zu, die schon belegt sind. Die Zimmer, die wir zum Schluß bekommen, sind im hinteren Teil der Mission. Sie haben einen Bonus: Die Betten haben ein Mosquitonetz. Auch ansonsten ist alles vorhanden, aber vermutlich stamt die Einrichtung noch aus der Kollonialzeit, zumindest wirkt sie entsprechend abgenutzt:
Bei der Kommode sind von 6 Schubladen nur noch 2 nutzbar und die Klobrille liegt kaputt neben der Toilette. Auf der Veranda, mit Blick auf ein halb verrottetes Auto zwischen den grünen Bäumen, sind von 4 Stühlen immerhin noch 2 ohne Probleme nutzbar.

Zu Mittag essen wir ein einem Restaurant, welches ca. 3 Minuten mit dem Taxi entfernt ist.
Auf der Karte gibt es hier vor allem traditionelle Küche, das heißt: verschiedene Soßen mit Reis, Couscous oder Maisbrei. Dass das Restaurant eine Speisekarte hat bedeutet aber nicht, dass es auch alles auf der Karte gibt – das stellen wir immer wieder fest. Oft gibt es nur fünf oder sechs Gerichte von den zwanzig oder dreißig, die auf der Karte aufgeführt sind.

Auf dem Rückweg gehen wir zu Fuß, vorbei an zahlreichen Kunsthandwerksläden, die von der geschnitzen Maske bis zum Musikinstrument alles haben, was das Touristenherz begehrt. Wirklich alles, nur so gut wie keine Touristen. Seit dem Anschlag und der Geiselnahme Anfang des Jahres ist der Tourismus in Burkina zusammengebrochen. „White People“, wie sie die Afrikaner unserer bisherigen Erfahrung nach auch nennen, haben wir tatsächlich so gut wie keine gesehen. Sie lassen sich an zwei Händen abzählen.
Unterwegs kommen wir auch am alten Rathau vorbei. Auch dieses ist wie das Parlament bei den Unruhen im Oktober 2014 zerstört und angezündet worden.
Auch die Schwester von Hélène wäre um ein Haar betroffen gewesen. Sie ist die zweite Stellvertreterin des Bürgermeisters und war damals Stadträtin. Als die Unruhen waren zog auch ein Mob zu ihrem Haus, doch bevor sie es erreichen konnten, blockierten die Anwohner aus ihrem Viertel die Straßen und überzeugten den Mob, sie zu verschonen.

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In unmittelbarer Nähe vom Rathaus liegt auch eine der Haupttouristenatraktionen – eine alte Moschee. Vom Rathaus aus kann man sie schon sehen, doch noch bevor wir zu ihr kommen fängt uns ein Mann ab:
Wir müssen ein Ticket kaufen wenn wir die Moschee anschauen wollen. Auch für die Altstadt bräuchten wir ein Ticket, das sei aber kein Problem. Jedes Ticket kostet 1000 XOF pro Person und er kann sie uns auch direkt verkaufen.
Hélène diskutiert ein bisschen mit ihm rum. Duden schlägt vor, das wir erstmal zur Moschee gehen und gucken ob dort wirklich jemand ein Ticket verlangt. Doch der Mann ist hartnäckig, er winkt und prompt kommt jemand von hinten zur Moschee gelaufen, der darauf besteht, dass wir vorher Tickets kaufen.
Hélène verhandelt also nochmal mit dem Mann und schließlich zahlen wir 1000 XOF pro Person, dafür ist dank Hélènes Verhandlungsgeschick die Führung inklusive.

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Die Moschee ist beeindruckend. Sie ist komplett aus Lehm und Holz errichtet. 1880 wird sie das erste Mal erwähnt. Damals kamen die Kolonialherren und fanden diese Moschee bereits vor. Wie alt sie genau ist kann also keiner sagen. Die Hölzer, die an der Seite rausgucken sind austauschbar, sie dienen als Leiter um Ausbesserungsarbeiten an dem Gebäude vorzunehmen. In den zwei Minaretten sind Meditationsräume auf vier bzw. fünf Stockwerken, ein Minarett für die Damen, eines für die Herren.

Der Weg zurück von der Moschee zur Mission ist nicht weit, sie befindet sich direkt in der Parallelstraße. Wir können den Weg durch eine kleine Gasse abkürzen. Sie ist nicht besonders sauber. In der Mitte fließt ein Rinnsaal, das zimelich stinkt. Zu allem Übel ist der Weg auch noch etwas matschig und dreckig und man muss genau gucken wo man hintritt. Dennoch stehen zahlreiche Gartenstüle in der Gasse auf denen Leute sitzen. Weitere Menschen stehen gerade vor den großen Haufen, die sich an der einen Seite des Weges aufstapeln. Sie sind Flaschensammler. Pfand gibt es hier nicht für Flaschen, aber sie werden wiederverwendet und können deshalb auch weiterverkauft werden. Sie sortieren nah Glas- und Plastikflaschen. Auch wir werden gefragt ob wir noch Flaschen für sie haben.

In der Misson laden wir erstmal ab. Zum Kauf mehrerer Musikinstrumente haben wir uns gerne breitschlagen lassen. Hélène hat uns angeboten, sie beim nächsten Mal mit nach Deutschland zu nehmen.
Es fängt an zu regnen und wir nutzen die Zeit, um auf der Veranda entspannt Löcher in die Luft zu starren. Kurz kommt noch Hélènes Schwester vorbei, die uns anschließend in ein Restaurant fährt, in dem wir den Abend verbringen, bevor wir in der Mission ins Bett fallen. Gerade noch rechtzeitig, bevor das große Gewitter los geht.

Dienstag, 26.07.
Die Straßenküche, welche direkt neben unserem Fenster liegt, schafft es heute, uns noch lange vor dem Wecker aus dem Schlaf zu reißen. Kurzerhand nutzen wir die Zeit, um weitere Reisedetails zu planen, bevor wir Hélène teffen, um gemeinsam Frühstücken zu gehen.

Das Restaurant, in dem wir frühstücken ist etwas größer und auch von hier aus kann man das ausgebrannte Rathaus sehen. Besonders auffällig sind hier wieder bettelnde Kinder, die uns in den Städten schon sehr oft aufgefallen sind. Sie tragen eine Dose am Band mit sich herum um betteln bei jedem.
Hélène erzählt uns, dass diese Kinder zu den muslimischen Gemeinden gehören. Früher hatte jede Moschee einen dazugehörigen Garten. Die Familien haben dann ihre Kinder zum Imam geschickt, damit sie bei diesem lernen und als Dienst am Islam bei ihm im Garten arbeiten sollten. Da Imame nicht bezahlt werden, waren die Ernteerlöse die einzige Einnahme- und Versogungsquelle der Imame. Heute haben aber die Moscheen in den Städten keine Gärten mehr und so schicken die Imame die Kinder zum Betteln. Einen Teil des Geldes dürfen diese Kinder für sich behalten, der Rest geht an den Imam. Die Familien unterstützen das System, weil es Tradition ist und obwohl die Familien es nicht nötig haben, die Kinder zum Betteln zu schicken.

Nach dem Früstück wollen wir die Altstadt besichtigen. Dieses Mal finden wir uns gleich bei dem Mann von gestern ein. Er hatte uns schon gestern angeboten, dass er uns auch durch die Altstadt führen kann. Die Länge wäre flexibel, etwas zwischen 45 Minuten und 2 Stunden würde sie wahrscheinlich dauern.
Unser Plan steht also: durch die Altstadt geführt zu werden ist bestimmt besser, als auf eigene Faust hindurch zu tapsen. Wir kaufen unsere „Eintrittstickets“ für die Altstadt zu 1000 XOF (1,50 €) pro Person.Der Guide ist im „Eintrittsticket“ nicht enthalten und wir sollen ihn am Ende nach eigenem Ermessen bezahlen. Das klingt gut und nicht zu teuer. Anschließend wollen wir dann unsere Sachen packen und mit dem Bus zu unserem nächsten Etappenziel fahren.

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Gleich zu Beginn der Altstadttour entdecken wir etwas, das wir probieren wollen – hier gibt es an einem Stand frittierte Raupen. Diese Raupen kommen vom Baobab-Baum und die Burkinabe lieben sie wohl. Frittiert, gebraten oder getrocknet, im Baguett oder einfach so zum knuspern. 25 XOF bezahlen wir für 7 Raupen. Gabriele braucht erst ein bisschen Überwindung, bevor sie reinbeißt, aber sie schmecken gut: Knusprig und sehr würzig, dennoch auch gehaltvoll. Nach drei Stück haben wir erstmal genug.

Der Guide führt uns durch zahlreiche kleine Gässchen. Die Altstadt ist aufgeteilt in Bezirke, erzählt uns unser Guide. Die Viertel sind nach Religionen und Professionen geordnet: es gibt das Animistenviertel (Naturreligionsangehörige), das muslimische Viertel, das Musikerviertel und die Schlosser. Noch bis heute leben die Menschen in der Altstadt nach diesen Maßstäben und heiraten in erster Linie innerhalb der Viertel. Animisten können auch Muslime heiraten und konvertieren, aber andersherum geht das wohl nicht.

Jedes Viertel hat seine Besonderheiten. Im Animistenviertel gibt es zum Beispiel einen besonderen Fetisch zum Schutz des Häuptlings. Nur ein paar Wenige in der Stadt dürfen die Straße zum Fetisch passieren, auch der Häuptling selbst und seine Familie nicht. Nur bei seiner Inthronisation wird er einmal in einem Sarg zu dem Fetisch und anschließend um die ganze Stadt getragen. Dabei stattfindende Opfer an den Fetisch sollen den Schutz des Häuptlings gewährleisten und ihm ein langes Leben bescheren.
In der Altstadt gibt es viele Fetische für die unterschiedlichsten Sachen, erzählt der Guide. Jede Familie hat wohl ihren eigenen Fetisch, an den sie opfert, wenn es Probleme in der Familie gibt. Einen anderen großen Fetisch zeigt er uns, der einfach wie ein großer Lehmhaufen etwa in der Form eine Termitenhügels aussieht. Bei ihm opfert man, wenn man als Einzelperson Sorgen hat. Früher wurden hier auch Menschen geopfert, dann hat man Hunden den gleichen Wert wie Menschen gegeben und von da an angefangen dort unter andere auch Hunde zu opfern. Ein paar Federn und einige alte Knochen sehen wir um den Fetisch.
Direkt daneben stehen an zwei Stellen zahlreiche Tonschalen aufgestapelt. Sie werden für die Gesundheit von neugeborenen Kindern geopfert. Die unteren sind schon längst zerbrochen und zerfallen, die oberen dagegen sehen noch sehr neu aus.

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Auch zu verschiedenen Handwerkern führt uns der Guide. Den Bierbrauern, dem Batiker, dem Schneider, dem Maskenschnitzer und noch einigen mehr.
Jeder Handwerker erklärt uns sein Gewerk (natürlich auch in der Hoffnung uns etwas verkaufen zu können). Zum Beispiel erklärt uns der Maskenschnitzer, dass die Masken einmal im Jahr bei einer großen Zeremonie getragen werden, um die bösen Geister zu vertrieben, oder dass eine bestimmte Maske nur zu den Totenzeremonien verwendet wird. Auch die Farben der Masken erklärt er uns: Schwarz steht für Leben, weiß für Glück und rot für Blut.
Der Schneider dagegen erklärt uns, wie er seine Stoffe färbt. Dafür verwendet er verschiedene natürliche Materialien, die er auskocht und die gewonnene Farbe anschließend verwendet. Zunächst wird der Stoff mit einem Sud aus Blättern komplett gelb gefärbt. Dann verwendet er eine bestimmte Rinde für den Braunton, beide zusammen mischt er zu einem Dunkelgelb. Tonerde verwendet er für die schwarze Farbe und was weiß werden soll bleicht er wiederum mit direkt aufgetragenem Chlor.

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Zum Bild: Der Schmied, sein Sohn hat Spaß dabei den Blasebalk zu betätigen

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zum Bild: Beim Hirsebier brauen

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zum Bild: Mit der Maske zur Beerdigung von Frauen

Im Stadtzentrum steht auch das älteste Haus der Stadt. Laut Wikipedia habe man bei Untersuchungen herausgefunden, dass es auf das 11. Jahrhunder zu datieren ist. Besonders auffällig ist es nicht. Wir wären vorbei gelaufen, ohne es zu bemerken, wenn uns unser Guide nicht darauf aufmerksam gemacht hätte. Die Bewohner erlauben es uns netterweise, einen Blick hinein zu werfen. Angeblich gehört dieses Haus seit dem Bau noch immer der gleichen Familie.
Es ist nicht sehr groß, dafür sind die Wände um so dicker: bestimmt einen Meter haben sie. Die Decke in dem Raum dahinter ist schwarz vom Ruß. Direkt hinter der Eingangstür befindet sich die „Küche“ in Form eines Topfes auf einem offenen Feuer und im hinteren Teil sieht man einen großen Topf, der wohl als Kleiderschrank dient – zumindest sind in ihn einfach zahlreiche Klamotten hinein geworfen worden.

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zum Bild: Auf dem Wagen ist eine Kleiderspende von einer Hilfsorganisation angekommen, die für kleines Geld verteilt wird.

Im hinteren Teil der Altstadt gibt es einen Bach, neben dem auch ein Brunnen ist. Dieser ist die Trink- und Waschwasserquelle der Altstadt. Der Bach ist heilig, oder besser gesagt die Fische in ihm, erklärt uns unser Guide. Der Bach ist dreckig und das Ufer unglaublich vermüllt. Er stinkt und an seinem Rand weidet das Vieh, welches nicht nur das verdreckte Bachwasser trinkt, sondern teilweise auch den Müll isst.
Die heiligen Fische im Bach sind riesig, sie messen locker zwischen 50 und 80 cm. Wenn sie sterben werden sie wie Menschen in weiße Tücher gewickelt und beerdigt. Denn, so erklärt unser Guide, dank ihnen haben sie hier Wasser. Nach Opfern und Gebeten bei einem entfernten Berg während eines Wassermangels entstand dieser Bach. Die Dorfbewohner versprachen, alles was in dem Fluß lebt, als heilig zu verehren und so wären die Fische gekommen und mit ihnen der Fluss. Gäbe es die Fische nicht, gäbe es auch den Bach nicht mehr, sind sie sich sicher.

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Das absolute Highlight für uns ergibt sich sehr unerwartet. Im muslimischen Stadtviertel ist unglaublicher Trubel. Mehrere Zelt sind aufgestellt und der Platz im Stadtteil quillt über vor Menschen, die ihre schönsten Kleider hervor geholt haben. Sie feiern die Thronerhebung ihres neuen Stammeshäuptlings. Den westentlichen Teil haben wir leider schon verpasst, als wir ankommen. Doch das Fest ist noch in vollem Gange, es wird getanzt und getrommelt. Die Männer tanzen außen herum im Kreis, die Frauen in der Mitte und dazwischen laufen die Trommler. Der Tanz scheint anstrengend zu sein, einigen rinnt förmlich der Schweiß während sie mit ihren Füßen aufstampfen und dabei die Fußschellen erklingen lassen.
Schließlich ziehen sie als eine Art Umzug los, um in ihrer Freude durch die ganze Stadt zu tanzen.

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Statt einer dreiviertel Stunde dauert unsere Stadtführung fast 5 Stunden.
Am Ende geben wir unerem Guide noch mal 3000 XOF. Das ist wohl sehr viel für ihn, zumindest empfiehlt er uns gleich seinem Kollegen weiter. Dieser bietet uns an, uns nach Banfora zu fahren und unser Guide für die Tour zu sein, die wir uns vorgenommen haben.
Er habe ein eigenes Auto und könne uns dort entlang fahren. Er will nur 40.000 XOF pro Tag, umgerechnet etwa 60 € plus Sprit dafür. Auch unseren Eintritt müssten wir noch extra zahlen. Also kämen wir zusammen vermutlich auf etwa 90.000 XOF, das sind 135 € für die eineinhalb Tage.
Zu viel finden wir, das ist in unserem Budget nicht drin und wir lehnen ab.
Wieviel sind wir bereit zu zahlen, fragt er. – Natürlich, das war zu erwarten: verhandelt wird hier bei allem, außer im Restaurant mit fester Speisekarte.
Wir sagen, dass unsere Preisvorstellungen zu weit auseinander liegen, als dass wir eine Einigung finden würden.
Wir sollen einen Preis sagen.
Ok, denken wir uns: „15.000 XOF“ (denn beim Verhandeln muss man ja irgendwo anfangen)
Zu wenig sagt er. 15.000 muss er alleine schon dafür zahlen, wenn er sein Auto wieder nach Bobo abschleppen lässt. Leider sind wir in dem Moment nicht so schlagfertig, sonst wäre wohl die beste Antwort gewesen, dass wir dann lieber gar nicht erst in sein Auto steigen, wenn er damit rechnet, es abschleppen zu müssen.
Am Ende werden wir uns also nicht handelseinig. Sein letztes Angebot sind 70.000 inklusive Kraftstoff. Das ist immer noch zu viel für uns.

Wir gehen schließlich wieder zurück zur Mission, packen unsere Sachen und machen uns nach einem kurzen Essen auf den Weg zum Bus nach Banfora und folgen somit unserem ursprünglichen Plan.
Auch diesmal ist wieder einiges los an der Bushaltestelle. Das Busunternehmen ist dieses Mal nicht ganz so luxoriös wie das erste. An der Busstation prangt noch der Schriftzug: Frohe Weihnachten und ein Frohes neues Jahr 2014.
Das Gepäck der Reisdenden beinhaltet wenige Reisetaschen, wie sie in Deutschland üblich wären. Stattdessen stehen hier ein paar Pappkisten bereit, die in erster Linie nur noch aus Klebeband zu bestehen scheinen, das sie zusammenhält.

Cirka eine Stunde, so sagt Hélène, soll die Fahrt dauern. Doch am Ende werden es rund zweieinhalb, unter anderem weil wir unterwegs drei Mal von der Polizei kontrolliert werden und alle unsere Pässe vorweisen müssen. Als wir die Grenze zur orangenen Zone passieren, müssen wir zur Passkotrolle sogar alle einmal aussteigen.
Die orangene Zone beschreibt die Gefahrenstufe des Gebietes – in Deutschland würden wir in der heutigen Zeit wohl sagen, die Farbe beschreibt den Grad der Terrorgefahr in dem Gebiet. Neben der Orangenen gibt es auch eine rote Zone, in die man dann nicht ohne Eskorte fahren sollte, erklärt uns Hélène.

Als wir in Banfora ankommen ist es schon dunkel und wir beschließen direkt vom Busbahnhof zu der Herberge zu fahren, die wir reserviert haben. Doch das ist leichter gesagt als getan. Als wir ankommen kennt erstmal keiner die Herberge und statt Taxis sind gerade nur Motorrikschas (drei Räder mit Ladefläche) vor Ort. Doch wie findige Burkinabe so sind, fragt der Motorrikschafahrer einfach herum. Keine fünf Minuten später kommt jemand mit ihm zu uns, der sagt, dass er die Herberge nicht nur kennt, sondern als Guide auch zu der Herberge gehöre. Er bietet sich an, unserem Fahrer mit dem Motorrad vorauszufahren, damit dieser den Weg auch findet. Die Fahrt mit der Motorikscha soll aber 1500 XOF, das ist etwas viel. Kurz darauf kommt ein weiterer Mann dazu und stellt sich als derjenige vor, der die Herberge gebaut hat. Er beitet uns dieselbe Fahrt für 1000 XOF an und wir steigen zufrieden ein.

Das Taxi ist ziemlich marode. Die Türen lassen sich nur noch von außen öffnen, die Fensterheber gibt es großteils nicht mehr. Immerhin ist das Fahrgestell nicht tiefergelegt, wie wir es dagegen in Bobo öfter erlebt haben – dabei hatten wir oft das Gefühl, schon halb auf dem Boden zu sitzen. D
Während der Fahrt unterhält sich Hélène mit dem Fahrer. Er erzählt, dass die Herberge von einem Mann mit englischer Frau geplant und bezahlt wurde. Aber alle Verträge wären auf seinen Namen gelaufen und er habe sich um die Abwicklung des Baus gekümmert. Schließlich habe sich der Bauherr aber mit einigen am Projekt Beteiligten zerstritten und auch er habe sich daraufhin aus dem Projekt zurück gezogen. Inzwischen wohne der Eigentümer in England und habe nur noch einen Verwalter eingesetzt.
Interessiert hören wir zu, sodass wir gar nicht bemerken, dass wir längst die befestigten Straßen verlassen haben.
Sie werden immer unwegsamer und wir fragen uns ernsthaft, wo uns der Taxifahrer hinfährt. Schließlich bleibt er stehen, mitten in der Pampa und vor uns liegt etwas, das vielleicht einmal eine Straße gewesen sein könnte, jetzt aber mehr dem gleicht, was man als ehemaliges Bachbett zwischen Feldern bezeichnen könnte.

Er kann nicht witerfahren und den Rest des Weges müssen wir laufen.
Wir fragen uns kurz, ob es wirklich sein kann, dass hier eine Herberge gelegen ist. Da kommt der Mann vom Bubahnhof von unten entgegen. Er hat uns wohl unterwegs überholt und will uns beim Tragen der Koffer helfen. Die Herberge sei von hier aus noch ungefähr 50 Meter den Hügel runter.
Als wir zurückblicken fragen wir uns, wie der Taxifahrer bei den schlechten Straßenverhältnissen überhaupt so weit gekommen ist.

Den Taxifahrer werden wir mogen wiedersehen. Er hat uns angeboten, dass er uns den ganzen Tag zu unseren Zielen fahren kann, dafür will er nur 15.000 XOF inklusive Kraftstoff haben.

Der Weg zur Herberge erinnert nicht nur an einen Bachlauf, sondern wird weiter unten auch zu einem kleinen Rinnsal. Einige Sandsäcke auf dem Weg lassen darauf schließen, dass der Bach ab und an etwas reißender sein könnte.
Die Herberge liegt tatsäclich etwa 50 Meter abwärts in einer kleinen Senke. Irgendwo dahinter muss ein großer Teich oder etwa ähnlichs sein, denn man hört mit einer ohrenbetäubenden Lautstärke die Frösche quaken.

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Ein Foto der Straße vor der Herberge am nächsten Tag

Im Grunde interessiert uns das alles nicht mehr so sehr. Wir sind in erster Linie hungrig. Netterweise wartet der Taxifahrer und fährt uns in ein nahe gelegenes Restaurant.
Das Essen ist gut, die Stromversorgung nicht. Im ganzen Viertel fällt in regelmäßigen Abständen der Strom aus. Insgesammt bestimmt eine halbe Stunde lang spielen wir Dunkelbar. zum Glück hat Gabriele ihre Stirnlampe eingepackt, sodass wir zumindest ein bisschen was sehen. Der Nachteil davon ist jedoch, das wir nun die Lichtquelle sind, zu der alles fliegt, was Flügel hat.

Als wir in der Herberge eintreffen sind wir platt vom Tag und wollen nur noch schlafen. Auch die kleineren Stromausfälle, die an dem Abend auch in der Herberge zwischendurch auftreten, halten uns nicht davon ab, uns fertig zu machen und nur noch ins Bett zu fallen.

Mittwoch, 27.07.

Am Morgen haben wir erstmals die Gelegenheit unsere Unterkunft näher zu inspizieren. Die Herbege ist eine geschlossene Anlage mit ca. 6 Zimmern, die auf den hinteren Innenhof hinaus gehen. Die Häuser sind mit Stroh gedeckt. Die Toilette befindet sich für die günstigeren Zimmer am Eingang, sie wird gemeinschaftlich genutzt. Eine Toiletentüre gibt es nicht, dafür schützt ein Vorhang vor fremden Blicken, den man aber nicht zu feste zuziehen darf, sonst liegt er am Boden. Ähnlich kompliziert ist es mit der Toilettenspülung: um zu spülen muss man dan Spülkastendeckel anheben und dann die Spülung betätigen.
Die Zimmer sind nicht sehr groß: ein Bett und ein Beistelltisch stehen in unserem. Außerdem trennt eine halbe Mauer den Duschbereich vom restlichen Zimmer.
Der Frühtücksbereich liegt am vorderen Innenhof der Herberge. Es gibt Weißbrot, Omelett und Tee oder Instantkaffee.
Drei Schilder weisen uns darauf hin, dass dies tatsächlich die Herberge ist, in die wir wollten. Allerdings wurden diese im Innenhof provisorisch an die Wand gelehnt.

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Das Programm heute ist Natur pur! Unser Taxifahrer holt uns um 9.00 Uhr mit der obligatorischen Verspätung in dem maroden Taxi ab. Gestern meinte er noch, er habe ein Auto mit dem wir fahren könnten und wir dachten, er hätte ein weiteres, fitteres Fahrzeug.
Auch der andere Typ von gestern, welcher zur Herberge gehören soll, ist dabei. Auch er will uns begleiten, deshalb sollen wir uns zu dritt auf die Rückbank quetschen. Wir beschließen ihn mitkommen zu lassen, ihm aber am Ende nichts dafür zu geben, falls er der Meinung sein sollte, er könne damit etwas verdienen, dass er einfach unabgesprochen mitkommt.

Insgesamt geht es zu drei Naturattraktionen in der Gegend: zu einem See, einer spannenden Felsformation und einem Wasserfall. Mit den Felsformationen fangen wir an.
Der Weg dahin führt uns durch zahlreiche Lehmdörfer und vorbei an großen Zuckerrohrplantagen. Zuckerrohr dominiert auch die meiste Zeit das Straßenbild. Es wird hier im großen Stil für die Zuckerrohrfabrik in der Gegend angebaut und die umliegenden Dörfer leben fast ausschließlich von der Arbeit auf den Feldern, bekommen wir erklärt. Zuckerrohr ist eines der Hauptexportgüter von Burkina Faso.

Die Straßen sind in sehr schlechtem Zustand und bestehen gefühlt in erster Linie aus aneinandergereihten Schlaglöchern. Wie das Auto die Strecke bis zum Ende und wieder zurück überleben soll ist uns schleierhaft, es fällt ja schon beim Angucken fast auseinander.
Mitten auf dem Weg befindet sich rechts irgendwann eine kleine marode Steinhütte. Vor ihr lehnt an einem Baum ein verrostetes Blechschild, das ankündigt, dass man sich ab jetzt bei einem Nationalen Naturdenkmal befindet. Vor der Hütte schläft ein Mann im Liegestuhl, der scheinbar nicht darauf vorbereitet war, dass heute Touristen vorbeikommen. Bei ihm sollen wir den Eintritt zum Naturdenkmal bezahlen – 1000 XOF pro Person. Eine Eintrittskarte gibt es nicht, die seien ausgegangen und er habe noch keine neuen von der Verwaltung bekommen, darauf warte er schon lange.
Dômes de Fabedougou heißen die Felsformationen. Sie sind eine vom Wind zerklüftete Berglandschaft, deren einzelne Kuppen wie Finger zum Teil fast schnurgerade hervorragen. Sie wären bestimmt ein hervorrangendes Kletterpardies.
Wir nutzen die Gelegenheit, eine Kuppe zu erklimmen, um den Ausblick zu genießen und ein Selfie vor einem spektakulären Panorama zu machen.

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Unsere nächste Station sind die Cascades de Karfiguela. Diese sind Teil eines Flusslaufes, der sich in mehreren unterschiedlich großen Wasserfällen ergießt. Der Weg dahin ist noch schlechter als der erste Teil zu den Felsformationen. Durch den Regen sind die Wege Schlammpisten mit Schlaglöchern, die so tief sind, dass wir später selbt einen Geländewagen sehen, der steckengeblieben ist. Wie unser Fahrer das mit seinem Kombi schaffen will ist uns schleierhaft. Auch andere Burkinabe machen sich auf den Weg über ihn lustig und erklären ihn für verrückt, dass er mit diesem Auto eine solche Strecke fahren möchte. Dennoch: er schafft es ohne größere Probleme und unser Respekt vor unserem Fahrer wächst von einem schlammgefüllten Schlagloch zum nächsten, das er mit aufheulendem Motor und geschickten Lenkmanövern hinter sich lässt.

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Der Weg zu den Wasserfällen führt uns weg von den Zuckerrohrplantagen. Die Gegend hier ist mittlerweile von einem satten Grün geprägt, das darauf schließen lässt, dass hier wohl das ganze Jahr über reichlich Wasser vorhanden ist.
Das letzte Stück des Weges säumt eine Allee riesiger alter Mangobäume, die eine traumhafte Kulisse ergeben.
Hier parken wir und laufen zu Fuß weiter. Schon von unten kann man den ersten Wasserfall sehen.
Ein Trampelpfad mit einigen kleineren Klettereinlagen, der aber sogar markiert ist, führt uns an den Fluss oberhalb des ersten Wasserfalls. Es lohnt sich sehr! Circa 1,5 Studen lang laufen wir aufwärts am Fluss entlang, von einem Wasserfall zum nächsten. Die Landschaft ist schön und für das sonst wohl so trockene Burkina fast schon unwirklich grün.
Gabriele lässt es sich auch nicht nehmen oben unterhalb eines Wasserfalls baden zu gehen und genießt das erfrischende Nass in vollen Zügen.

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Immer dabei ist der Typ, den wir nicht eingeladen haben und der wohl auch zur Herberge gehört. Er ist ständiger Begleiter und verhält sich wie ein Tourguide. Warscheinlich in der Hoffnung, dass zum Schluss ein Trinkgeld für ihn rausspringt.

Insgesamt an die 3 Stunden halten wir uns hier auf, bevor wir uns erstmal wieder auf den Rückweg Richtung Banfora machen. Mittag ist schon lange durch und wir haben Hunger. In Banfora wollen wir uns eine günstige Möglichkeit suchen, Mittagessen zu gehen.
Der Fahrer schlägt eine kleine Straßenküche vor. Solche Küchen haben wir hier schon öfter gesehen. Sie bestehen meistens aus einer kleinen Bude, in der eine Küche ist, und einem überdachten und umgitterten Bereich davor, der zumeist Platz für 6 – 8 Gäste bietet. In dieser Straßenküche – und auch in denen, die wir später besuchen – gibt es standardmäßig um die drei verschiedene Gerichte, die alle Teil der klassisch regionalen Küche sind: Reis, Maisbrei oder Couscous mit einer der drei zur Auswahl stehenden Soße(n): Tomatensauce, Erdnussauce oder Palmölsauce. Die Saucen bestehen im Wesentlichen aus verschiedenem zerkochten Gemüse. Ein bisschen Fleisch gibt es immer als Einlage darin. Auch Zumbalareis (zumindest so gesprochen) gibt es meist, bei dem der Reis mit diesem Gewürz gekocht ist.
Die Fleischeinlage der Gerichte wird allerdings verschwiegen, es findet meistens auch auf den Speisekarten gar keine Erwähnung, es gehört einfach dazu. Tatsächlich vegetarische Küche gibt es hier so gut wie gar nicht.
Das Essen ist lecker, serviert wird es in Plastiktellern und weil Touristen im Lokal sind wischen sie vorher auch nochmal den Tisch. Es kostet am Ende pro Peron gerade mal 400 XOF.

Nach dem Essen fahren wir weiter. Unser Ziel ist der Lac de Tengrela.
Er liegt vergleichsweise nah an der Stadt und wir fahren nur etwa 15 Minuten.
Am Wegesrand gibt es auch dieses Mal wieder eine Bude an der uns ein verblichenes Schild darauf hinweist, dass wir ab jetzt im Bereich eines Naturdenkmals sind. Der Mann hier scheint Touristen mehr gewöhnt zu sein und er fragt uns; ob wir die Nilpferd-Tour mit dem Schiff machen wollen. 3000 XOF pro Person soll sie kosten.
Bis eben wussten wir nichts von Nilpferden und 6000 XOF mehr passen leider nicht mehr in unser kalkuliertes Budget. Außerdem haben wir schon etwas Sonnenbrand und mitten in der Mittagshitze sind wir nicht so scharf auf 1.5 Stunden in der prallen Sonne. Um Nilpferde zu sehen, wird unsere Reise noch genügend Möglichkeiten bieten.
Dennoch versuchen alle, uns dazu zu überreden: unser Taxifahrer, der „Typ den wir nicht eingeladen haben ständig an uns zu kleben“ und der Mann am Wärterhäuschen.
Dass wir darauf nicht eingehen irritiert ihn, er kennt das scheinbar gar nicht. Als wir das Angebot mit Nachdurck ablehnen, beträgt der angeblich vom Staat festgelegte Preis für die Nilpferdtour statt 3000 nur noch 2000 XOF mit Eintritt zu dem See. Dennoch passt es nicht mehr in unser Budget für Burkina. Wir lehnen es auch weiterhin ab und wollen nur an den See. Auf die Eintritskarten bestehen wir. Vorher, sagen wir dem Taxifahrer, soll er nicht weiterfahren. Denn oft werden Quittungen und Eintrittstickets unterschlagen, um das Geld in die eigene Tasche wandern zu lassen.
Ungemut geht der Mann zu seinem Häuschen und sucht die Karten heraus. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit bis er diese gefunden hat. Dass Touristen die Nilpferd-Boots-Tour nicht machen wollen haben sie wohl nicht sehr oft.

Zugegeben: Der See ist nicht sehr spektakulär. Obwohl: Ein See in einem sonst so trockenem Land wie Burkina ist natürlich doch schon wieder spektakulär. Dennoch kann man nicht drumherum laufen. Dafür ist aber am Ende der Straße ein kleines Dorf, das mehrere Hängematte in der Nähe des Sees aufgestellt hat und auch Getränke anbietet. Wir bestellen uns eine Cola und genießen es, entspannt über eine Stunde lang in den Hängematten mit Blick auf den See zu dösen.

Am Spätnachmittag fahren wir noch auf den Markt, um ein bisschen einzukaufen und lassen schließlich den Abend in einem Straßenrestaurant ausklingen. Hier gibt es wieder genau drei Gerichte: die gleichen wie heute Mittag.

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Donnerstag, 28.07.

Heute geht es zurück nach Ouaga.
Derselbe Taxifahrer, dessen Dienste wir auch schon in den letzten Tage in Anspruch genommen haben, holt uns auch heute morgen von der Herberge ab und fährt uns gegen 08.45 Uhr zum Busbahnhof. Entgegen unseren Erwartungen ist er überpünktlich. Das ist selbst Hélène von den Burkinabe nicht gewöhnt.

In Ouagadougou wollen wir noch eine Nacht bleiben, bevor es weiter geht. Dafür müssen wir einmal in Bobo umsteigen.
Unser Bus nach Bobo besteht stellenweise aus mehr Nieten, als Blech. Dennoch ist er komfortabler als der Bus auf der Hinfahrt, da er statt 5 Sitzen in einer Reihe nur 4 hat und diese dadurch auch breiter sind. Dafür ist er überbelegt. Zwei Leute mehr sind eingestiegen, als es im Bus Sitzplätze gibt. Sie quetschen in irgendeiner Reihe noch dazu.

Die Rückfahrt bleibt recht unspektakulär.
Am Busbahnhof in Bobo gehen wir, wie in Banfora, in einem kleinen Straßenrestaurant essen – irgendwie haben wir Gefallen dran gefunden und die Preise sind auch sehr angenehm. Es gibt auch hier drei Gerichte. Es sind, wie schon zu erwarten war, genau die gleichen wie in den Retaurants gestern.
Kurz darauf treffen wir noch Hélènes Schwester wieder, die ihren Mann zum Bus bringt. Er fährt zufällig mit demselben Bus nach Ouaga wie wir.
Um etwa 21.00 Uhr kommen wir in Ouaga an. Der mit Hélène befreundete Pastor wartet schon vor dem Busbahnhof um uns abzuholen. Der Motor läuft, da das Auto nicht mehr zuverlässig startet. Er meint, dass wohl die Lichtmaschine kaputt sei.

Den Abend verbringen wir schließlich mit dem Packen für unsere morgige Abreise und mit einem schnell von Hélène gezauberten Abendessen.

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…unfreiwillige Tage in Ouaga…

Eigentlich wollten wir heute morgen um 6.30 Uhr von Ouaga aufbrechen, doch dudens Gesundheit ließ das nicht zu. Am Abend zuvor hatte er Fieber bekommen, ihm wurde schwindelig und mehr als schlafen war einfach nicht drin.

Schweren Herzens beschließen wir also, unsere Tour abzusagen und lieber zum Arzt zu gehen. Auch wenn das Fieber am Morgen ein bisschen nachgelassen hat, ist sein Husten gar nicht lustig und wir gehen hier lieber auf Nummer sicher.   

Hélène empfiehlt uns einen Arzt, der lange Zeit die meisten Europäer hier behandelt hat, bevor das französsche Krankenhaus aufgemacht wurde. Er betreibt eine kleine Klinik in einem der äußeren Stadtbezirke.   
Zur Klinik biegt man von der Asphaltstraße auf eine rote Sandpiste ab. Die Häuser in der Straße sind eher einfach und auf dem Platz in der Mitte spielen zwischen jeder Menge Müll die Kinder. In einer hinteren Ecke auf dem Platz befindet sich ein Brunnen.
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Es ist nicht schwer einen Parkplatz zu finden, sogar im Schatten ist noch einer frei. Die Klinik ist sehr gut ausgestattet, der Abauf des Arztbesuches ist im Grunde wie in Deutschland, nur dass die Geräte deutlich älter wirken. Die Waage zum Beispiel ist noch eine klassische Gegengewichtswaage, wie wir sie in Deutschland zuletzt als Kinder erlebt haben. Das Ergebnis der Untersuchung: eine Entzündung der oberen und unteren Atemwege.
Drei Mittel verschreibt der Arzt duden und zum Schluß macht er, nur um sicher zu gehen, einen Malaria-Schnelltest. Im Grunde ist es sehr unwahrscheinlich, dass er Malaria hat, weil die Inkubationszeit mindestens 6 Tage beträgt und wir die Prophylaxe nehmen, doch diese Erkrankung nimmt man hier sehr ernst.
Noch immer ist die Kindersterblichkeit in diesem Land sehr hoch und der Grund Nr. 1, klärt uns Hélène auf, ist Malaria. Rund 80% aller Mücken hier zu Lande tragen die Erreger in sich.

Circa eine Stunde dauert der Arztbesuch und kostet zum Schluß 14.000 XOF, das sind umgerechnet rund 21 Euro.
Mit ein bisschen konsequenter Ruhe sollte ich bis Sonntag wieder halbwegs auf den Beinen sein, sagt er Arzt. Montag könnten wir uns dann auf unsere Tour machen, denkt auch er.

Die Medikamente sind für hiesige Verhältnisse teuer. Drei verscheidene soll ich nehmen, darunter ein Antibiotikum. Zusammen kosten sie knapp 20.000 XOF, für Einheimische wären sie nahezu unbezahlbar. Dazu kommt, dass wir drei Apotheken abfahren müssen, bevor wir alle Medikamente beisammen haben, denn von den Antibiotika haben die Apotheken meist nur eine kleinere Menge auf Lager.

Unterwegs halten wir noch an einem Markt, demselben an dem Hélène und duden vor ein paar Tagen schon waren.
Dieses Mal steigen wir aus. Er besteht aus vielen Holzständen, die sich dicht an dicht über einen großen Platz aus der bloßen roten Erde erstrecken, die hier überall anzutreffen ist. Ihn als „überdacht“ zu bezeichnen wäre wohl zuviel gesagt. Ein paar der Stände sind zwar tatsächlich mit Wellblech überdacht, aber der größte Teil des „Daches“ besteht aus mehreren, zwischen den Ständen zusammengenagelten Leisten, auf die man alles gelgt hat, was in irgendeiner Form die Fläche abdeckt: von Strohmatten über kleine Dachpappenreste bis hin zu einfacher Pappe.
An manchen Stellen hängt das Dach sehr tief, sodass man hin und wieder Bedenken hat, mit ihm zusammenzustoßen und seinen Kopf lieber einzieht.
Die Stände sind einfach und von Gemüse, über Kochtöpfe bis hin zur Seife bekommt man hier fast alles. An einem Stand verkaufen sie auch gegrillte Insekten. Aber wir beschließen sie erst zu probieren, wenn es duden wider besser geht.
Allgegenwärtig ist auf dem Markt Maggi. Nicht nur die Brühwürfel kann man überall kaufen, auch die Werbung der Marke ist überall zu sehen.
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Um „Zahnputzhölzer“ zu finden wandern wir eine ganze Strecke in den Markt hinein und hoffen, unseren Rückweg auch wieder zu finden in diesem Gewirr aus Ständen und Gässchen. Die gesuchten Hölzer werden von bestimmten Bäumen geschnitten und werden traditionell zum Zähneputzen verwenden, indem man zunächst so lange an einem Ende kaut, bis es aufgefasert ist. Dann ist der Stock eine super Zahnbürste.
Wir haben nicht vor, in Zukunft hiermit unsere Zähne zu putzen. Aber duden hat dem Organisator des internationalen Zähneputzens der BdP Pfadfinder versprochen, Zahnpasta aus allen Ländern zu schicken, die irgendwie besonders ist. Und was kann schon mit Zahnputzhölzern mithalten? Die Kinder, die mit dieser Aktion zum Zähneputzen motiviert werden sollen, werden sicher ihren Spaß haben!

Die nächsten Tage machen wir quasi nichts. Langweilig wird es uns bei den Gesprächen mit Hélène nicht.
Wir bleiben die ganze Zeit in der Wohnung von Hélène. Duden kuriert sich aus und Gabriele nutzt die Zeit, um nach dem ganzen Masterarbeits- und Reisevorbereitungsstress wieder zu sich selbst zu kommen.

Am Samstag Abend kommt ein befreundeter Pastor von Hélène zu Besuch mit dem wir uns lange unterhalten. Er war früher Raucher und starker Alkoholiker und er erzählt, wie ihn der Ruf Gottes von Zigaretten und Alkohol weggeholt hat. Gegen seine Bestimmung als Pastor, wie er es beschreibt, hat er sich lange gewehrt, ist aber schließlich dem Ruf gefolgt und gerade in der praktischen Phase seiner Ausbildung.
Eigentlich wären wir am Sonntag gerne mit Hélène in die Kirche gegangen. Es wäre sicher spannend gewesen, aber uns geht es beiden noch nicht so gut, sodass wir beschließen, lieber auszuschlafen und uns noch einen Tag in der Wohnung zu erholen.

Erst Montag soll es weitergehen, wir freuen uns schon drauf.

Ein Arztbesuch wird für duden nötig und ist sehr ähnlich wie in Deutschland, abgesehen vom Alter der Geräte. Ein ausführlicher Besuch führt uns ins Innere eines Marktes. Die weiteren Tage kurieren wir uns und außer dem Besuch eines befreundeten Pastors passiert nicht viel.

Ouagadougou – Burkina Faso

Unsere ersten vier Tage in Burkina Faso, Ouagadougou. Für die unter euch, die nicht so viel Zeit haben, den ganzen Text zu lesen, fügen wir in fettgedruckt immer wieder kurze Zusammenfassungen der Absätze ein. Aber erst am Ende der beschriebenen Tage, um die Spannung für die anderen nicht zu nehmen. 😉 Viel Spaß beim Lesen!


Sonntag 17.07.

Unser erstes gemeinames Etappenziel ist Burkina Faso.
Schon vor einem Jahr haben wir im äthiopischen Restaurnt in Göttingen Hélène und Vero kennengelernt. Eigentlich waren wir mit Gabrieles Cousin und seiner Lebensgefährtin da, aber am Ende haben wir uns bestimmt genauso viel mit Hélène und Vero unterhalten. Hélène ist eigentlich aus Burkina und war nur gerade bei ihrer Tochter zu Besuch, die in Deutschland wohnt. Aus dem Abend erwächst eine gute Freundschaft, von der wir hoffen, dass sie noch ewig anhält. Hélène lud uns noch am selben Abend ein, sie gerne in ihrem Heimatland Burkina Faso zu besuchen, wenn wenn wir mal die Möglichkeit haben.
Der Einladung wollen wir nun folgen und Hélène nimmt sich extra zwei Wochen Urlaub für uns.

Nun ist es also soweit. Gegen 9 Uhr fährt uns netterweise dudens Mutter zum Flughafen Frankfurt, unser Flieger geht um 12.20 Uhr. Unsere zwei große Kisten kommen problemlos mit: 40 kg Freigepäck haben wir pro Person und deshalb mit Hélène vereinbart, dass wir dieses soweit als möglich mit Altkleidern und allem was man so gebrauchen kann ausnutzen, damit sie es als „Hilfsgüter“ weitergeben kann. Fast ohne Probleme kommen wir auch durch die Sicherheitskontrollen, nur den Kulturbeutel zerpflücken sie besonders gründlich und schließlich fällt der Kontrolle unser Deo zum Opfer.

Einmal müssen wir umsteigen, in Tunis.
Insgesammt 4 Stunden geplante Umsteigezeit haben wir hier . Die erste Zeit verbringen wir in einem Cafe, bevor wir uns 15 Min vor dem Boarding ins Gate setzten. Um 17.00 ist Boarding –  doch nichts passiert, obwohl mittlerweile sogar Boarding ansteht. Auch um 17.30 Uhr, die Zeit zu der wir eigentlich fliegen sollten, passiert immer noch nichts. Doch keinen scheint das hier zu stören. Alle sitzen entspannt und warten, selbst Gabriele. Nur duden ist merklich unentspannt, doch Gabriele beschwichtigt ihn mit der Aussage: „Wir haben die Uhren, die haben die Zeit“. Den Satz hatte sie von ihrer letzten Namibiareise mitgebracht, wo sie ihn häufig anders herum zu hören kriegte: „You have the watches, we have the time“.
Um 17.45 steht schließlich an, dass der Flug Verspätung hat und erst gegen 18.00 Uhr fliegt. Die Zeit wird später nochmal auf 18.50 Uhr korrigiert, eine Durchsage wird deshalb aber nicht gemacht.
Am Gate erfahren wir außerdem, dass der Flug nicht nur nach Ouagadougou, sondern auch nach Abidjan in der Elfenbeinküste fliegt, in welcher Reihenfolge ist aber irgendwie keinem klar. Gegen 19.30 Uhr heben wir schlußendlich ab.


Wir folgen Hélène’s Einladung nach Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Heute geht unser Flug ab Frankfurt mit unerwartet langem Zwischenstopp in Tunis. Auch unser „Zusatzgepäck“ kommt problemlos mit.


Montag, 18.07.

Wir landen doch erst in Abidjan, ein Umweg von zwei Stunden. Warum das Flugzeug erst so herum fliegt, bleibt nicht nur uns, sondern auch dem Fluggast der neben uns sitzt ein Rätsel. Als wir in Ouagadougou gegen 2.00 Uhr morgens (4.00 Uhr deutscher Zeit) ankommen, hat es wieder ein bisschen Verpätung eingeholt, dennoch sind wir fast zwei Stunden zu spät.
Der Flughafen hat hier eine Besonderheit, er liegt in der Mitte der Stadt, sodass wir die Hälfte von Ouagadougou schon mal von oben betrachten dürfen –  wenn auch nur im Dunkeln…
Beim Aussteigen aus dem Flugzeug schlägt uns sofort das tropische Klima entgegen – fast wie im Gewächshaus. Auch nachts sind es hier gerade um die 28°C, bei etwa 70% Luftfeuchtigkeit. Das heißt, man schwitzt schon bei dem Gedanken daran, die klimatisierten Räume zu verlassen. Außerdem ist Regenzeit. 
Im Flughafen ist erstmal Händedesinfektion angesagt. In einer Schlange stehen wir für zwei Desinfektionsspender direkt an der Eingangstür an.
Das Visum ist unerwartet teuer. Visa on arrival sind ohne Probleme möglich, stand immer wieder im Internet. in Deutschland bei der Botschaft hätte es 15 Euro pro Person gekostet – was wir nicht wussten ist, dass es hier on arrival gleich nahezu das zehnfache kostet! Fast 300 Euro müssen wir für uns beide bezahlen. Natürlich können auch keine Euromünzen angenommen werden, sodass der Preis um 3 € aufgerundet wird, eine nette zusätzliche Einnahmequelle für den Beamten. Im Gegenzug bekommen wir einen Wisch, mit dem wir vorläufig in das Land dürfen und morgen auch wieder unsere Pässe mit Visum abholen können. 

Draußen wartet bereits Hélène auf uns. Etwa 2 Monate ist es her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben und die Freude über das Wiedersehen riesengroß.

Die erste Nacht verbringen wir in einer evangelischen Mission, die relativ zentral in Ouaga (wie Ouagadougou auch kurz genannt wird) liegt. Der Weg ist relativ unspektakulär, die Straßen zu so später Stunde wie leer gefegt. Einzig die Reinigungskräfte sind noch auf den Straßen, um diese mit ihren Strohhandfegern zu säubern.

Das Zimmer in der Mission ist recht komfortabel. Es hat so ziemlich alles, sogar einen Kühlschrank und eine Klimaanlage. Zwei Betten gibt es, ein Doppel- und ein Einzelbett. Sogar eine Aufhängung für das Mosquitonetz ist schon vorhanden.  Als Krönung hat uns Hélène in dem Zimmer sogar schon Wasser, Bananen und Mangos zurechtgestellt. Das Obst ist richtig reif und wahnsinnig lecker.

Doch lange sind wir nicht mehr wach, bevor wir ins Bett fallen. Auch Hélène fährt nach Hause, sie muss noch einen Tag arbeiten, bevor ihr Urlaub losgeht.

Am Morgen klopft es gegen 10 Uhr an der Zimmertür: Joshua stellt sich vor und bringt uns in den Gemeinschaftsraum, in dem uns der Koch der Mission bereits Frühstück bereitet hat. Französisch nennen sie das Frühstück mit Weißbrot, Marmelade und besonders leckerem Omelette.
Unser Zimmer liegt direkt neben dem Gemeinschaftsraum in einem kleinen Flachbau am Ende des Grundstücks. Die Mission vermietet die Zimmer regelmäßig an verschiedenste Reisende. Beim Eintragen ins Anwesenheitsbuch sehen wir, dass wir in diesem Jahr die ersten Deutschen sind. Die meisten Gäste kommen aus den umliegenden Ländern und aus den USA.
Den Tag wollen wir entspannt angehen. Gabriele hat auch noch ein paar letzte Sachen zu erledigen, bevor sie entspannt in die Reise starten kann. Dafür will sie diesen Tag nutzten.
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Den Tag über machen wir also nicht viel. Die meiste Zeit regnet es eh.
Nur zweimal lässt sich Gabriele von ihrer Arbeit an den Mails ablenken:
Einmal nach dem Mittagessen, als wir uns das Kunsthandwerk von einem Herrn angucken, der vor der Türe des Gemeinschaftsraumes seine Sachen ausgebreitet hat. Ein Spiel hat es uns angetan – Awalé und wir werden gleich unter Tipps der Vorbeikommenden in die Regeln eingewiesen. Das Spiel ist hier wohl gut verbreitet: Man hat 2 x 6 Felder, die sich gegenüberliegen und in denen jeweil 4 Spielsteine liegen. Ziel ist es, im Spiel möglichst viele Spielsteine zu ergattern.
Ein zweites Mal lässt Gabriele sich ablenken, als duden die Gitarre im Gemeinschaftraum auspackt. Im Nu gesellen sich Joshua und der Koch dazu und zum Teil allein, zum Teil gemeinsam singen wir sowohl ihre als auch unsere Lieder. Schon jetzt sind wir froh, die Gitarre dabei zu haben und stellen fest: Musik verbindet.

Gegen 9 Uhr am Abend treffen wir schließlich Hélène wieder.
Zusammen fahren wir erstmal zum Flughafen, um unsere Pässe mit den Visa abzuholen. Vor Ort bemerken wir, dass es eigentlich schon zu spät ist. Wir haben auf dem Zettel übersehen, das die Abholzeiten zwischen 15.00  und 18.00 Uhr sind. Doch das ist kein Problem: Zwar ist der Schalter nicht besetzt, aber der Herr an der Information ruft den Kollegen kurzerhand via Handy herbei. Wir bekommen nochmal ein paar mahnende Worte, dass die Pässe normalerweise nicht mehr so spät ausgegeben werden und dass dies das letzte Mal sein wird, dass sie das machen.

Schon auf dem Weg zum Flughafen hat uns Hélène darauf hingewiesen, dass sie in einem sehr guten Restaurant gegrilltes Huhn für uns bestellt hat. Dort fahren wir nun endlich hin, immerhin ist unser Mittagessen zu dem Zeitpunkt auch schon fast 9 Stunden her.
Das Resaurant ist eine kleine Btretterbude auf einem Platz. Daneben stehen zahlreiche Tische mit Stühlen. Das bestellte Essen lässt nicht lange auf sich warten: zwei Hähnchen und zweimal Pommes, dazu trinken wir lokale Biersorten. Die leichteren beiden Biermarken lassen sich mit mitteldeutschem Bier vergleichen.
Es ist schon dunkel und so richtig sehen wir nicht gut, was wir da vor uns auf dem großen Teller in der Mitte haben, aber es schmeckt sehr gut. Das Hähnchen ist leicht pikant gewürzt und auf dem Grill gut durchgebraten. Anders als wir es in Deutschland kennen wird das Huhn einfach im ganzen zerhackt und man darf später vorsichtig die Knochen und Knochensplitter aus den Einzelteilen herausfischen.
Noch etwas ist anders, muss duden feststellen: In ein Teil kann er erst nicht so recht beißen, erkennen kann er es auch nicht in dem Licht. Es ist schließlich recht knusprig und innen schmeckt es fast nur nach Fett. Es stellt sich am Ende heraus, dass es der Hähnchenkopf ist und das was nach Fett schmeckte war das Hirn. Alles vom Huhn wird hier mitgebraten erklärt Hélène, schlicht zum Beweis, dass man auch wirklich das ganze Huhn, das man bestellt hat, bekommen hat.

Ab jetzt übernachten wir bei Hélène. Sie wohnt in sehr guter, zentraler Lage in Ouaga. Ein Zimmer hat sie extra für uns hergerichtet. Leider, sagt sie, ist das Bett vor kurzem zusammengebrochen, deshalb ist es „nur“ eine Matratze am Boden. Doch wir vermissen nichts, außer vielleicht der Klimaanlage – sie war schon sehr komfortabel. Dennoch schlafen wir sehr gut und schnell ein.

Ankunft in Ouagadougou mit erschrenkend teurem Visum on arrival. Der erste Tag in einer evangelischen Mission vergeht mit letzten Erledigungen von Gabriele, etwas Musik machen und Awalé spielen, während Gabriele auf das Versenden der Mails wartet. Abends hält das Essen mit Hélène in einem Straßenrestaurant Überraschungen bereit.


Dienstag, 19.07.

Am nächsten Morgen schlafen wir erstmal aus, weil vor allem Gabriele noch viel Schlaf nachzuholen hat. Als wir um 11 Uhr aufstehen, hat Hélène bereits den Wohnzimmertisch reichlich gedeckt und wir frühstücken gemütlich.

Hélène hat eine Drei-Zimmer-Wohnung mit einem Wohnzimmer, zwei Schlafzimmern, Küche und Bad, die in unseren Augen als gehobener Mittelstand von Burkina einzuordnen ist. Man merkt, dass sie sich viele Gedanken ums Detail gemacht hat. Unter anderem hat sie in einigen Räumen durch farbige Wände Akzente gesetzt. Das scheint in Burkina etwas unüblich zu sein, zumindest hat sie wohl für die rote Wand in der Toilette von ihrer Familie Spott geerntet.
Die Küche sieht mit ihren gemauerten Küchenunterschränken genauso aus, wie duden sich eine bessere afrikanische Küche vorgestellt hat. Das Bad ist rundum gefließt, eine Vertiefung mit fest montiertem Duschkopf, der kaltes Wasser von sich gibt, ist die Dusche. Wenn wir möchten, können wir auf dem Herd Wasser zum Duschen warm machen, aber bei den Temperaturen hier haben wir keinen Bedarf, uns warm zu waschen. Ein Aufsatz auf dem Ausguss der Dusche verhindert, dass Tiere wie Kakerlaken, Ratten oder Spinnen in die Wohnung gelangen können. In allen Räumen sind auch die Fenster durch Mückengaze gut verschlossen. Die dadurch entstehende Spinnenfreiheit beglückt Gabriele mit ihrer Spinnenphobie.

Heute wollen wir zuallererst unsere Visa bei der ghanaischen Botschaft beantragen. Schon vor zwei Wochen hat uns Hélène darauf aufmerksam gemacht, dass es damit Probleme geben könnte. Aber das sei lösbar, sie kenne da jemanden. Etwa eine Stunde später schrieb sie uns, dass sie alles geklärt hätte und wir von der Leiterin einer bekannten ghanaischen Schule eine Einladung nach Ghana bekommen hätten und dass wir somit ohne Probleme an das Visum kommen sollten.
So läuft das scheinbar hier: man kennt jemanden, der jemanden kennt und alles lässt sich regeln.

Tatsächlich haben wir in der Botschaft keine Probleme. Statt einer Woche Bearbeitungszeit können wir unser Visum bereits in zwei Tagen wieder abholen. Bis wir aus der Botschaft raus sind ist es bereits halb 3 und wir beschließen, etwas essen zu gehen.
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Auf dem Weg zum Restaurant bestaunen wir die vielen Obststände am Straßenrand und unser Blick bleibt an einem wackligen Holzregal hängen. Darin stehen mehrere gelblich gefüllte Glasflaschen und ein Trichter hängt an der Seite – eine tyische Tankstelle, wie wir erfahren. Klassische Tankstellen gibt es auch, aber nur in den größeren Städten.
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Hélène’s Wahl fällt auf ein Restaurant in der Innenstadt, das man von außen am Anfang gar nicht als solches ausmachen kann. Durch ein Tor in einer hohen Mauer müssen wir erstmal durch einen Security Check, bevor wir im Hof Platz nehmen können. Das Restaurant gehört einem Franzosen, der wohl schon länger in Burkina lebt und mit einer Burkinabe verheiratet ist. Da es schon spät ist, hat die Küche schon weitgehend zu, aber es gibt noch Pizza.

Auf dem Rückweg vom Restaurant fahren wir einkaufen. An einem kleineren Markt in den Straßen von Ouaga, dessen Stände unter mehreren Sonnenschirmen untergebracht sind, halten wir. Sofort kommen mehrere Frauen angerannt, die uns ihr Gemüse und ihr Obst anbieten. Hélène ist durch das offene Fenster fleißig am Verhandeln, während die Frauen zwischen den Ständen und dem Auto hin- und herlaufen und wir schon längst den Überblick verloren haben. Immer wieder reicht sie Tüten nach hinten und eigentlich haben wir keine Ahnung, von welcher der Frauen sie jetzt was gekauft hat.
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Die Einkäufe und Gabriele setzen wir kurz zu Hause ab. Gabriele ist müde und nach einem kurzen Kampf mit der Wohnungstüre fällt sie auch sofort ins Bett. Hélène und duden fahren noch weiter zu einem anderen Markt und um das Zimmer in der Mission zu bezahlen.

Der Markt unterscheidet sich von dem vorherigen: er ist etwas außerhalb auf einem Platz und anstelle der Sonnenschirme stehen hier lauter Holzbuden und -tische. Hier kann man alles rund ums Essen kaufen. Auf mehreren Tischen an der Straße liegt unter anderem das Fleisch in der Sonne und wartet darauf, dass es jemand kauft, der es hoffentlich gut durchbrät.
Auch dieses Mal halten wir wieder nur am Straßenrand und sofort kommen mehrere Frauen angelaufen, um uns ihre Ware anzubieten. Wieder einmal vollbringt Hélène eine Meisterleistung, indem sie den Überblick darüber behält, von wem sie was gekauft hat und wer wieviel bekommt, denn bezahlt wird immer erst zum Schluss. Am Ende drückt sie einer Frau 5.000 Francs CFA (abgekürzt XOF) in die Hand. Diese rennt mit dem Geld erst einmal in den Markt und wir hoffen, dass sie mit dem Wechselgeld wieder kommt.
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Das mit dem Geld ist hier so eine Sache. Die Preise für Lebensmittel variieren in Ouaga zwischen 50 und 70 % im Vergleich zu Deutschland. Dennoch sind die Gehälter nicht sehr hoch. Ein Straßenarbeiter, erfahren wir, verdient etwa 50.000 XOF im Monat, das sind umgerechnet etwa 75 €. Ein Arzt verdient am Anfang etwa 200.000 XOF, also umgerechet etwa 300 €.

Unser Wechselgeld kommt schließlich wieder, aber nicht ohne dass jede der Marktfrauen es noch einmal in der Hand gehabt hat, um sich ihre Bezahlung zu nehmen.

Bei Hélène’s Wohnung wartet bereits ein Bekannter von ihr. Er hat einen Ventilator organisiert, den er ihr verkaufen möchte. 40.000 XOF will der Besitzer dafür, ein kleiner Anteil davon geht für die Vermittlung an den Bekannten. Wir sind happy über das Angebot und voll stolz, aber nicht ohne zu verhandeln, wird Hélène Eigentümerin eines neu erworbenen Ventilators, der soviel Kraft hat, dass er selbst auf kleinster Stufe innerhalb kürzester Zeit alles im Wohnzimmer durcheinander wirbelt. Wir genießen die Neuanschaffung und setzen uns voll in den Wind Doch die Freude ist nur von kurzer Dauer – nach etwa 10 Minten ist Stromausfall.
Voll Sehnsucht starren Hélène und duden etwa zwei Stunden lang den Ventilator an, während sie in der dunklen Wohnung schwitzen und Gabriele seelig schläft.

Den Abend verbringen wir mit einem leckeren Salat und tollen Gesprächen. Auch ein Plan für einen Ausflug am nächsten Tag entsteht.

Ab jetzt wohnen wir mit Hélène in ihrer Wohnung in der Innenstadt. Beim Beantragen des Visums für Ghana zeigt sich: Kontakte sind hier wichtig. Wir stellen danach fest: auch hier gibt es Pizza und das Einkaufen auf den Märkten ist für uns gewöhnungsbedürftig. Und: Ventilatoren sind bei den Temperaturen hier sehr empfehlenswert!


Mittwoch, 20.07.

Die ganze Nacht schon hat es heftigst geregnet, es hörte sich an, als würden ununterbrochen riesige Eimer voll Wasser auf das Dach entleert. Auch am Morgen hält der starke Regen noch an. Unser Plan früh aufzustehen, um einen Ausflug zu machen, fällt damit wohl buchstäblich ins Wasser.
Zu Hause herumsitzen wollen wir auch nicht und das Studium des Wetterberichtes zeigt, dass es wohl mittags kurz aufklaren soll. Wir beschleßen also unsere Tour doch zu unternehmen und dafür erst später loszufahren. Statt um 8.30 Uhr fahren wir also erst um 12.00 Uhr los. Unser Ziel liegt etwa 45 km außerhalb der Stadt in Richtung Osten.
Bevor wir die Stadt verlassen, kaufen wir auf dem Weg noch 3 Ananas für das Mittagessen. Sie sind sehr günstig und kosten gerade einmal 1.000 XOF, weil wir sie direkt bei einem „Großhändler“ mit einem großen Berg Ananas am Straßenrand kaufen.

Auf dem Weg aus Ouagadougou heraus kommen wir immer wieder an überschwemmten Gebieten vorbei – der Regen hat seine Spuren hinterlassen. Auch das das Straßenbild verändert sich allmählich. Die Hauptstraße, die aus Ouaga führt ist eine asphaltierte Straße, die Seitenstraßen werden immer häufiger einfache Sandpisten, von denen einige durch den Regen kaum passierbar sind.
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Viele von diesen Außenbezirken, so erzählt Hélène, sind weder registriert noch kartographiert – die Leute haben einfach auf freies Land gebaut. Ganze Stadtteile sind so entstanden, die deshalb auch so gut wie keine Infrastruktur haben. So kann das Wasser auf den Straßen nicht ablaufen, weil es keinerlei Art von Kanalisation gibt.
Diese Stadtbereiche schlagen sich auch in den Einwohnerzahlen von Ouaga nieder: offiziell hat die Stadt 1,18 Mio. registrierte Einwohner, doch Hélène erklärt uns, dass man inzwischen von 2 Mio. Einwohnern spricht.

Je weiter wir uns vom Stadtzentrum entfernen, desto einfacher werden die Häuser. Während in der Innenstadt oft gemauerte Häuser anzutreffen sind, sind hier die meisten Häuser bereits aus Lehm gebaut oder einfache Bretterbuden. Auch die Verkaufsstände am Straßenrand werden weniger, dafür aber größer und auch die feilgebotene Ware verändert sich. Während in der Innenstadt in erster Linie Lebensmittel und „Luxusartikel“ wie Schuhe verkauft werden, so werden hier vermehrt Möbel oder andere Handwerkserzeugnisse angeboten.

Bevor wir Ouaga ganz verlassen, tauchen am Straßenrand mehrere Lagerhallen und bewachte Betriebsgelände auf. Ausländische Firmen, wie CAT haben hier ihre Dependancen. Auch zahlreiche Handwerker finden sich in dieser Gegend, so unter anderem ein Schreiner, der aus hölzernen Transportkisten – die er möglicherweise direkt bei CAT gegenüber bezieht – Markttische baut. Dies ist nur eines von vielen Beispielen, das die Kreativität der Menschen in der Erschließung neuer Einnahmequellen zeigt.

Dass wir endgültig an der Stadtgrenze von Ouaga angelangt sind, zeigen die Mauthäuschen und die Polizeikontrolle. Wir haben Glück – die Mauteintreiber streiken heute, nicht aber die Polizei, die alle Pässe und Fahrzeugpapiere kontrolliert. Unsere Pässe liegen noch in der Botschaft von Ghana, doch zum Glück haben wir von der Botschaft einen kleinen Wisch bekommen, dass wir die Pässe dort erst morgen wieder abholen können und wir können ohne Probleme weiterfahren.

Außerhalb der Stadt besteht die Landschaft in erster Linie aus Steppe, die nur durch die Regenzeit aktuell in einem satten grün erstrahlt. Immer wieder sieht man kleinere Gruppen von Kindern an der Straße, die die Früchte des Sheabaumes verkaufen. Aus den Kernen der Früchte wird die bekannte Sheabutter hergestellt. Bei einer Gruppe halten wir an. Zwei volle Schalen mit etwa 30 Früchten kosten gerade einmal 200 XOF. Die Früchte sind grün, etwa feigengroß, schmecken aber bitter und sauer – für uns sind sie nichts. Hélène schmecken sie dafür umso besser – sie liebt diese Früchte regelrecht.

Zwar sind es nur 45 km bis zu unserem Ziel, dennoch brauchen wir etwas mehr als 1,5 h bis wir bei dem Skulpturenpark mit dem Namen „Sculptures de Laongo“ mitten im Nirgendwo ankommen.
Wir sind das einzige Auto auf einem riesigen Parkplatz, auf dem locker 20 Busse Platz hätten. Allgemein scheint in dem Park gerade nicht viel los zu sein.
Als wir ankommen, ist niemand da und wir müssen erstmal jemanden suchen, der uns weiterhelfen kann. Einen Guide gibt es gerade nicht, dennoch schafft es Hélène, jemanden zu organisieren, der uns zumindest durch den Park führen kann.

An diesem Ort liegen zahlreiche Granitbrocken verteilt, die wie ein Felsenmeer den Boden bedecken.
Ganz Burkina, erfahren wir, liegt auf einem riesigen Granitsockel. In viele der Felsen haben zahlreiche internationale Künstler seit 1989 Masken, Körper und Skulpturen gehauen. Circa 2 h lang wandern wir durch den Park und bestaunen die verschiedenen Skulpturen, die sich meistens sehr harmonisch in die Natur einfügen. Es ist beeindruckend, wieviele Kunstwerke seit 1989 in diesem Park geschaffen wurden.
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Wir erfahren, dass gar nicht weit von hier ein Dorf mit dem Namen „Operndorf“ liegt, welches Schlingensief 2010 begründet hat. Auch dieses beschließen wir, uns anzusehen – aber erst nachdem wir unsere Ananas zum „Mittagessen“ (gegen 4 Uhr nachmittags) verzehrt haben.

Das Dorf ist unspektaktulärer, als wir es uns erhofft haben. Es besteht aus einer Schule, einer Krankenstation und mehreren Häusern in denen Küche, Vorräte und Unterkünfte für Lehrer und Gäste untergebracht sind. In der Mitte, wo wir den Dorfplatz erwartet hätten, liegt ein riesiger Berg aus Metallschrott. Von buntem Treiben kann man in dem Dorf nicht wirklich sprechen.
Vielleicht hätten wir uns vorher den Wikipedia-Artikel zu dem Dorf durchlesen sollen und wären dann etwas mehr beeindruckt gewesen.
Architektonisch aber ist dieses Dorf sehr auffällig. Nicht nur die Dachform der Wohnhäuser ist sehr ungewöhnlich, auch die Krankenstation ist mit ihren vielen kleinen versetzten Fenstern ein architektonisches Highlight.
Das Dorf bildete damit einen ziemlichen Kontrast zu den anderen Dörfern, die wir auf unserer Rückfahrt mehrfach sehen können.
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Normale Dörfer scheinen hier meistens aus fünf bis zwanzig Häusern zu bestehen, die in traditioneller Lehmbauweise errichtet sind.
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An einem größeren Dorf halten wir an. Hier sind unter einem Baum zahlreiche Menschen versammelt, die Hirsebier trinken. Für die Herstellung des Bieres wird das Sorgum erst gekeimt, getrocknet und die grob zerkleinerte Hirse wird anschließend etwa 48 h ununterbrochen gekocht. Am dritten Morgen wird die Flüssigkeit abgeseit, sie schmeckt jetzt noch süßlich. Dann wird Hefe untergemengt und bis zum Mittag ist das Bier fertig fermentiert und kann getrunken werden.
In der Mitte der Menschenmenge steht ein großes Faß, aus dem in Kürbischalen das Bier ausgeschenkt wird.
Natürlich lassen auch wir es uns nicht nehmen eine Schale davon zu trinken. Es schmeckt ungewohnt, wir schmecken noch die Gärungsprodukte und esprickelt etwas auf der Zunge, aber es schmeckt sehr gut, vor allem ziemlich erfrischend leicht.
Natürlich sind wir die Attraktion – Touristen die sich in diese Menschenmenge verirren gibt es hier wohl nicht oft. Viele wollen mit uns reden und die anderen haben einfach nur Spaß dabei sich über „die Weißen, die Hirsebier trinken“ zu amüsieren. Schade, dass wir nicht die Sprache der Mossi sprechen, die die größte Bevölkerungsgruppe in Burkina ausmachen. „Barka“, danke, hat Gabriele davor immerhin schon erfragt und kann sich zumindest bedanken.
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Auf dem Rückweg gehen wir noch schnell auf einem Markt in der Vorstadt von Ouaga Gemüse und Reis einkaufen. Es herscht wie immer buntes Treiben. Zahlreiche Menschen preisen ihre Waren an, Andere transportieren sie in Schalen auf ihrem Kopf oder noch andere Weisen: Beonsders fällt uns ein Mann auf, der zwei Ziegen trägt. Er hat sie an den Füßen zusammengebunden. Sie hängen nun kopfüber an seinen Händen, während er sie durch den Markt trägt. Unterdessen schreien die Ziegen ohrenbetäubend.

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Dieses Mal steigen wir auch aus um einzukaufen und verhandeln nicht nur vom Auto aus. Dennoch, mehr als 10 Meter gehen wir nicht in den Markt hinein und lange dauert der Einkauf nicht. Da es auch schon spät am Tag ist, beschließen, wir lieber ein anderes Mal wirklich auf einen Markt zu gehen. Wir fahren nur noch nach Hause und lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Regenzeit bedeutet hier wirklich Regen und überschwemmte Gebiete. Die Stadt hat viele Gesichter und wandelt sich mit zunehmender Entfernung vom Stadtzentrum deutlich. Einen Skulpturenpark besichtigen wir und erfahren, das Granit in Burkina weit verbreitet ist. Das Operndorf von Schlingensief überrascht uns. Auf dem Rückweg stellen wir fest: auch traditionelles Hirsebier schmeckt und ist eine spannende Erfahrung!


Donnerstag, 21.07.

Ein für uns ist es ein ganz normaler Morgen in Burkina, etwa gegen 8 Uhr steht duden auf. Zu dem Zeitpunt ist Hélène schon lange wach und hat bereits bei irgendeinem Marktstand frisches Baguette geholt. Heute ist Waschtag für unsere Klamotten, denn morgen wollen wir im Bus sitzen und zusammen mit Helene weiterreisen. Vorraussichtlich ist es unser letzter Tag in Ouaga. Gabriele steht schließlich so gegen 10 Uhr auf und wir frühstücken.

Auf dem Programm steht für den Tag nicht viel. Das Visum will abgeholt werden und wir müssen unsere Sachen packen, damit wir morgen früh aufbrechen können.

An der ghanaischen Botschaft kommen wir gegen 11.30 Uhr an. Unsere Pässe warten schon auf uns und nachdem wir uns in das Abholungsbuch eingetragen haben, bekommen wir sie mit unserem neuen Visum, das für 30 Tage gültig ist.

Auf dem Rückweg passieren wir eine Straße, die schon öfter unser Interesse geweckt hat. Dieses Mal halten wir auch an. An ihr liegt die Brandruine des alten Parlaments.

Im Oktober 2014 hat es hier einen Volksaufstand gegeben. Tausende Zivilpersonen drangen in das Parlament ein, in dem gerade getagt wurde, plünderten es und setzten es in Brand. Die Abgeordneten flohen über die Mauern. Auch im Hotel nebenan versteckten sie sich, weshalb die Aufständischen auch dieses in Brand setzten. Wie durch ein Wunder wurde im Parlament niemand getötet, dennoch starben an diesem Tag ettliche Menschen.
Auf diese Weise setzte die Bevölkerung eine völlig korrupte Regierung ab, welche in erster Linie sich selbst bereichert und nur wenige Gelder an die Bevölkerung weitergegeben hatte.
Die Ruine des Parlaments steht noch heute unverändert. Lediglich Bretter wurden in der Zwischenzeit vor die Eingangstüre geschraubt, damit nicht mehr jeder einfach so hineingehen kann. Fotos können wir auch nur von außen machen.

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Hélène will uns auch den krassen Unterschied zwischen arm und reich zeigen. Deshalb fahren wir im Anschluss noch in ein Viertel der Reichen, das „Ouaga 2000“ heißt. Es liegt etwas außerhalb und formiert sich um den Präsidentenpalast. Zahlreiche Villen reihen sich hier nebeneinander. Im Vergleich zu der Armut, die wir in dieser Stadt bisher an vielen Stellen sehen konnten, wirkt diese Gegend für uns wie ein Kulturschock.
Mitten im Viertel liegt der erste Supermarkt, den wir sehen. Hier ist alles um einiges teurer, dafür bekommt man hier sogar importierte Produkte wie Nutella, jedoch zu Preisen, die für normle Burkinabe unbezahlbar sind.

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Da es duden etwas schwindelig ist, fällt der Besuch dann doch etwas kürzer aus. Bei Hélène zu Hause legt er sich erstmal etwas hin. Wärenddessen schreibt Gabriele Blog und Hélène verchwindet zum Frisör. Erst spät kommt sie mit frisch geflochtenen Haaren wieder.

Wir haben unser Visum für Ghana! Das alte Parlament ist von dem Volksaufstand 2014 als Brandruine übrig geblieben. Ouaga 2000, ein Reichenviertel, bildet einen starken Kontrast zum Rest der Stadt. Leider geht es duden nicht so gut und wir machen eine längere Pause in der Wohnung.