Die ersten Tage in Ghana

Freitag, 29.07.

Heute Morgen geht es weiter nach Ghana. Kofi, ein Freund der Freundin von Hélène, bei der wir in Accra ein paar Tage bleiben wollen, holt uns netterweise ab und fährt uns zum Busbahnhof, von dem aus die Busse nach Ghana fahren.

Der Abschied von Hélène fällt uns schwer. Sie hat viel für uns organisiert und uns unvergessliche Tage in Burkina Faso beschert. Wir beschließen einfach, dass wir irgendwann wiederkommen werden in dieses Land, dessen Armut immer wieder schwer anzusehen, aber das zugleich wunderschön ist. Wir fahren mit dem Gefühl, dass viele Menschen hier wenig Geld haben, sie sich aber auf eine tragfähige, solidarische und sehr loyale Gemeinschaft verlassen können, von der wir noch viel lernen können. Außerdem haben wir noch nie zuvor soviel pragmatische Kreativität beobachtet, mit der die Menschen irgendwie doch ihr Leben meistern. Trotz ihrer Armut strahlen die Menschen hier mehr Zufriedenheit und Lebensfreude aus, als die meisten Menschen in Deutschland. Wir würden uns sehr freuen, wenn sich die Gelegenheit bieten würde, Burkina Faso erneut zu bereisen.

Um den Bus nach Tamale zu erwischen, müssen wir bereits um 5:30 Uhr aufstehen, denn zwei Stunden später fährt er bereits los.
Der Busbahnhof ist in einem erbärmlichen Zustand. In Mitten einer gigantischen Schlammwüste stehen diverse Busse und LKWs, dazwischen versuchen Menschen, um die Schlammpfützen herum zu tanzen. Zwischendurch sieht man einen Kleinbus, dessen Fahrer gerade versucht, das Gefährt aus dem Schlammloch zu befreien, in dem er sich festgefahren hat.

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Wir sind schon spät dran, da Kofi durch den Verkehr etwas Verspätung hatte, müssen aber noch kurz zur Registrierung. Dort werden wir mit Name und Passnummer in eine schier endlose Liste eingetragen. Doch so genau nimmt er es nicht mit dem Eintragen. An den Stellen, an denen er nicht weiß, was er aus unseren Pässen übertragen soll, macht er einfach ein paar Kringel.

Der Bus ist komfortabler als all die Busse, mit denen wir bisher gefahren sind. Er hat odentliche Netze an den Sitzen für die Aufbewahrung des Nötigsten am Platz und ist angenehm klimatisiert. Das Innentermometer zeigt nicht 13°C wie neulich in dem Bus nach Bobo, sondern um die 26°C. Das einzige Manko: einer unserer beiden Sitze ist kaputt, die Rückenlehne rastet nicht mehr ein. So sackt duden mit seinem Gewicht immer Stück für Stück nach hinten, während Gabriele denselben Sitz ständig neu nach hinten stellen muss, da er immer wieder von alleine in die aufrechte Sitzposition zurück wandert – was doch 35 kg für einen Unterschied machen… 😉

Wir fahren mit einem ghanaischen Busunternehmen, das generell etwas besser sein soll. Dafür wird unser ausländischer Bus an 5 von 8 Polizeikontrollen angehalten und kontrolliert.
Nach welchem System die Kontrollen in Burkina verteilt sind, ist uns bis zum Schluss nicht klar. Manchmal stehen die Posten gerade einmal 5 Minuten voneinander entfernt, manchmal kommen wir über weite Strecken an keiner einzigen Kontrolle vorbei.
Zwischendurch halten wir vor einer Brücke, die noch nicht ganz fertig gestellt ist. Sie stellt ein skuriles Bild dar. Direkt daneben haben sie eine provisorische Brücke errichtet und rechts und links der Staße stehen mehrere eingewachsene und verrostete Baufahrzeuge. Warum man die Brücke nicht fertig gebaut hat ist uns schleierhaft. Vielleicht hat es auch etwas damit zu tun, dass wir hier auch auf eine Eskorte warten müssen. Der Busfahrer erklärt in burkinischem Französisch und ebenfalls stark akzentgeprägtem Eglisch irgendetwas, das wir nur halb verstehen. Bei uns kommt an, dass wir wegen des gefährlichen Gebietes, das wir durchqueren wollen, auf eine Eskorte warten müssen.

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Die Eskorte steigt schließlich zu: sie besteht aus einem mit Maschinengewehr bewaffneten Mann, der eine schusssichere Weste trägt und im Bus den Schutzhelm anzieht. Es ist ein komisches Gefühl, durch ein Gebiet zu fahren, in dem solche Vorkehrungen anscheinend notwendig sind. Erst kurz vor der ghanaischen Grenze steigt er wieder aus. 

Drei Stunden, meinte Hélène zuerst, würde die Fahrt nach Tamale in Ghana dauern. Das war wohl sehr optimistisch geschätzt, denn am Morgen an der Busstation bringt sie in Erfahrung, dass wir wohl erst um 17 Uhr, also nach 8,5 Stunden ankommen sollen. Nach 3,5 Stunden sind wir also gerade einmal an der Grenzen zu Ghana.
Die Grenzstation auf der burkinischen Seite ist ein blankes Chaos. Zahlreiche LKWs (zumeist Tanklaster) warten hier auf einem gigantischen Parkplatz vor dem Zoll. Einige haben sich hier schon häuslich eingerichtet, waschen und trocknen ihre Wäsche oder ihren LKW, manche kochen sogar: sie alle scheinen hier schon länger zu warten. Es dauert bestimmt eine Stunde, bis sich alle auf der zugestellten Durchfahrtsstraße so arrangiert haben und der Weg frei genug ist, dass wir mit dem Bus unter viel Gewinke und Gelotse durchfahren können.
Hinter dem Zoll erwartet uns die eigentliche Grenze. Alle müssen aus dem Bus raus und ein Grenzbeamter sammelt beim Aussteigen alle Pässe ein. Die Passkontrolle findet schließlich unter einem verrosteten Unterstand statt. Die Namen werden einzeln aufgerufen und die Pässe mit Ausreisestempel zurück gegeben.
Dann schickt man uns die Straße entlang, an der wir nach 50 Meter die ghanaische Grenzstelle vorfinden. Dazwischen treffen wir auf zahlreiche Leute, die Geld wechseln wollen. Sie laufen mit dicken Geldbündel in der Hand herum und bieten uns als Touristen einen Kurs von 10.000 XOF zu 50 ghanaischen Cedis (GHS) an. Als ein Wechsler in der Diskussion merkt, dass wir den aktuellen Kurs kennen, lässt er sich auf einen Wechselkurs von 10.000 XOF zu 63 GHS hoch handeln. Der Kurs kommt uns immer noch eher schlecht vor. Überhaupt wirken die Wechsler alle nicht sehr seriös und da das auswertige Amt empfiehlt, nur in den offiziellen Wechselstuben zu wechseln, beschließen wir, uns hier lieber nicht auf die Wechselgeschäfte einzulassen. 

Zuerst lotst man uns unter ein Dach und wir bekommen nach etwas Schlange stehen Zettel in die Hand, die sich als Gesundheitsfragebögen entpuppen. Im Hintergrund hängt ein großes Plakat mit den Hinweisen: „Wie wird Ebola übertragen und was sind Anzeichen auf eine Erkrankung“. Nachdem wir den Bogen ausgefüllt haben, misst ein Beamter mit einer Infrarotpistole unsere Temperatur und wir bekommen einen weiteren Gesundheitsfragebogen in die Hand gedrückt. Dieses Mal geht es um unsere im Impfpass eingetragenen Impfungen und Einreisedetails.
Erst nachdem all diese Formulare ausgefüllt sind, dürfen wir weiter zur eigentlichen Einreisestelle.
Aus irgendeinem Grund werden unsere Pässe besonders gründlich geprüft. Wir sollen nochmal an der Seite Platz nehmen und warten.
Bis wir die Pässe mit den Einreisestempeln in den Händen halten, sind wir die Letzten im Bus.

Bereits nach den ersten Kilometern fallen uns ein paar Unterschiede zwischen Burkina Faso und Ghana auf, die sich später bestätigen. So gibt es auf einmal z.B. wesentlich mehr gemauerte Häuser im westlichen Stil, wesentlich weniger Hausruinen und dafür viele Neubaustellen. Allerdings sehen wir auch mindestens genausoviele Bauruinen: halb fertig gestellte Häuser, bei deren Bau wohl plötzlich das Geld ausgegangen zu sein scheint.
Auch die Bauweise der Häuser unterscheidet sich. Wir sehen seit langem erstmals bunt angemalte Hauswände, farbige Wellblechdächer und die meisten Häuser haben eine Veranda, deren stützende Säulen bei fast jedem Haus mit Verzierungen versehen sind. Hier fällt uns noch eine Sache auf, die wir in Burkina Faso nicht ein einziges Mal bewusst wahrgenommen haben: wir entdecken Satellitenschüsseln an den Häusern.
Auch die Infrastruktur ist in den Orten augenscheinlich besser, zumindest sehen wir überall betonierte Abwassergräben, wodurch wir auch keine so großen Schlammwüsten auf den erdigen Seitenstraßen sehen. Eselskarren sehen wir in Ghana leider gar nicht mehr.

Natürlich ist auch eine wesentliche Sache in Ghana anders: die Sprache. Neben den zahlreichen Stammessprachen spricht man hier Englisch als Amts- und Schulsprache. Für uns hat das einen entscheidenden Vorteil: duden kann jetzt endlich mitreden. Zwar hat er vorher noch einen Französisch-Crashkurs gemacht, aber zu mehr als den grundlegenden Sätzen reicht es bei ihm leider noch nicht.

Als wir schließlich gegen 19.00 Uhr am STC Busbahnhof in Tamale ankommen, ist es schon dunkel. Eine weitere Besonderheit fällt uns in dieser Stadt auf: Es gibt Tuk-tuks!
Leider haben wir immer noch keine ghanaischen Cedis und entgegen dem, was uns gesagt wurde, funktionioniert das Internet unserer burkinischen Simkarte hier nicht mehr. Unsere Bleibe für die nächsten zwei Nächte soll das „Central Guesthouse“ sein. Im Internet hat jemand als Bewertung geschrieben:
„The Central Guesthouse is indeed very central as it lies about 5 minutes from the shared taxi station or 10 minutes from the STC station. Take the road left of the taxi station away from the main road, then the third to the left and again the second after the small mosque. If in doubt ask anybody for Papa (the owner) of the guesthouse. They will all know it.“
Doch so ganz scheint die Beschreibung nicht zu stimmen. Wir fragen mehrere Leute nach dem Guesthouse, doch keiner kennt es. Stattdessen beschreiben uns mehrere Leute den Weg zu verschiedenen alternativen Guesthouses. Im Internet können wir unseren Weg leider nicht nachgucken, dieses geht ja nicht.
Geld um uns eine neue Simkarte zu kaufen haben wir auch noch nicht.

An einer Ecke finden wir jemanden, der das Guesthouese kennt. Er könne es uns aber nicht beschreiben, stattdessen will er uns hinführen. Nach etwa 15 Minuten Suche nach jemandem, der es überhaupt kennt, sind wir froh und folgen ihm. Es ist nicht weit dorthin, tatsächlich liegt es nur knapp 10 Minuten von der STC-Busstation entfernt. In einem einfachen Viertel, welches in erster Linie aus Holzhäusern besteht, finden wir unser Ziel. Die schmalen Straßen in dem Viertel sind nicht aspaltiert und schlammig durch den Regen.
Auf dem Weg zum Guesthouse stellt sich der Mann, der uns netterweise dorthin führt, kurz vor: er heißt Prosper und handelt mit Kühlschränken und Fernsehern.
Das Gesthouse selbst ist ein einstöckiges, in gelb gestrichenes Bauwerk. Es wirkt etwas herunter gekommen. Wir haben die Wahl zwischen Ventilator- oder Aircondition-Zimmern, sowie zwischen neuen und alten Zimmern.
Prosper besteht darauf, dabei zu bleiben, um zu sehen, ob unser Zimmer auch in einem ordentlichen Zustand ist. Ein bisschen komisch kommt es uns vor, aber er besteht darauf. Da das Guesthouse einen Nachwächter hat, haben wir aber auch keine Bedenken.
Wir entscheiden uns für eine neues, ventilliertes Zimmer. Es kostet 40 GHS, für uns umgerechnet 10 Euro. Es ist nicht sehr groß und den Titel „neu“ verdient es nicht wirklich. Es enthält eine Spiegelkommode, die auf der einen Seite zusammengerochen ist und nur noch aus losen Brettern besteht. Das Bett entpuppt sich als eine Matratze auf einem Lattenrost, um die man auf drei Seiten die Reste eines Bettgestells drappiert hat. Eine Mauer trennt das Bad vom Raum ab: dahinter befinden sich die Dusche, ein Waschbecken, das man besser nicht anfasst, weil es ansonsten droht, endgültig von der Wand zu fallen und eine Toilette, deren Spülung man nur noch mit Gewalt und viel Geschick betätigen kann.
Obwohl uns Prosper davon abrät und meint, er kenne noch ein besseres Hotel, beschließen wir, einfach das Zimmer zu nehmen.

Als duden den Mann vom Guesthouse fragt, ob es OK ist, dass wir morgen bezahlen, klinkt sich Prosper ein und drückt dem Mann kurzerhand die 40 GHS für die erste Nacht in die Hand. Dieser Mann ist davon offenbar genauso verwirrt wie wir. Wir lehnen sein Geld dankend ab und sagen, dass es nicht nötig sei. Er aber besteht darauf und drückt uns weitere 40 GHS in die Hand mit den Worten „You might want to buy something today“. Wir lehnen das Geld erneut ab, doch er bleibt eisern und will es nicht zurück haben. Stattdessen sagt er, dass er er eine gute Wechselstube kenne, die er uns morgen zeigen möchte. Er würde uns dafür morgen früh abholen und wir beschließen also, dass wir ihm dann morgen sein Geld zurückgeben werden.

Als die beiden weg sind, setzten wir uns in den Innenhof vom Guesthouse. Essen ein paar Früchte, trinken eine Cola und wundern uns über die offensichtliche Freizügigkeit der ghanaischen Frauen, die in dem Innenhof sehr knapp bekleidet herumlaufen. Teilweise tragen sie nur ein langes Hemd über dem Bikini, manche haben eindeutige Anmachaufschriften auf ihre Shirts gedruckt.

Samstag, 30.07.

Ein bisschen kommisch kommt uns die Sache mit Prosper vor. Unsere Gefühle schwanken zwischen überwältigender Dankbarkeit ob dieser selbstlosen Hilfe und Skepsis hin und her. Ob da wohl eine Masche dahinter steckt, fragen wir uns.
Entweder ist er wirklich unglaublich hilfsbereit und nett oder der dicke Hammer kommt erst noch. Verschiedene Szenarien fallen uns, bei unserer Phantasie, schnell ein:
Vielleicht könnte er morgen sagen, er habe uns mehr Geld geliehen und könnte dieses dann zurückfordern.
oder:
Er will mit dabei sein, wenn wir Geld wechseln, um uns dann auszurauben oder ausrauben zu lassen.
oder:

Na, wie auch immer, unsere Phantie war in dem Fall gigantisch und die Frage, ob wir ihm tatsächlich vertrauen können, groß.

Wir beschließen, auf Nummer sicher zu gehen, alle Wertsachen im Guesthouse zu lassen und nur einen geringen Betrag an Geld zum Wechseln mitzunehmen. Später, wenn wir wissen, wo die Wechselstube ist, wollen wir noch mal wiederkommen und den Rest des Geldes wechseln.

Um 8.30 Uhr morgens steht Prosper bereits vor unserer Zimmertür. Wir schlafen noch.

„Good morning this ist Prosper!“ hören wir durch das Fenster zum Flur.
Dass er so früh kommt nach dem langen vorangegangenen Tag hatten wir wirklich nicht gehofft.
„Oh! Good morning! Yes! Give us 5 minutes!“

Er ist mit seinem Roller gekommen. Den nehmen wir aber nicht. Er stellt ihn ab und stattdessen laufen wir zu Fuß.
Tatächlich sind wir direkt im Zentrum der Stadt, überall gibt es buntes Markttreiben und viel Verkehr. Er geht mit uns nur ein paar Straßen weiter. Bei einer Gruppe Leute, die unter einem Vordach sitzen, bleibt er stehen.
„How many dollars do you whant to change?“, fragt er.
„Oh we want to change at the exchange office.“ antwortet duden.
„He ist the office“ sagt Prosper und einer der Männer aus der Gruppe mit einem Geldbündel in der Hand lächelt freundlich.
„Oh! We don´t want to change dollars, we want to change Francs CFA from Burkina“ sagt duden
„Oh! Then I have to call somebody else.“
„We would prefer to change in an exchange office.“ sagt Gabriele
„There are no exchange offices in Tamale“ antwortet Prosper.

Wir beschließen, uns trotzdem darauf einzulassen, um ihm das Geld von gestern zurück zu geben. Er führt uns wieder einige Straßen weiter durch den Markt, vorbei an zahlreichen Schlachtereien, die eine komplette Ziege oder Rinderhälfte vor sich auf einen Tisch liegen haben und nach Bedarf davon abschneiden. Manchmal sieht man auch ganze Tierköpfe oder Rinderhufe zum Verkauf auf den Schlachttischen liegen. Hier wird einfach alles verwertet. Schließich bringt er uns an dieselbe Stelle, an der wir ihm gestern begegnet sind.
Als ein Auto vorgefahren kommt, bittet er uns in den Hinterhof.
Ein bisschen mulmig ist uns, von jemandem, von dem wir nicht genau wissen, mit welcher Intention er so nett ist, in einen uneinsichtigen Hinterhof geführt zu werden.
Der Mann, der das Geld wechselt, fährt ein sehr schickes Auto. Er hat sein kleines Kind dabei und auf dem Rücksitz offen mehr Geld liegen, als wir bei jedem Anderen zum Wechseln gesehen haben. Sein Kurs ist 10:000 XOF zu 62 GHS. Damt ist er 1 GHS schlechter, als an der Grenze. Wir bekommen somit umgerechnet für 1 Euro 4 GHS statt dem offiziellen Kurs von 4,35 CHS pro Euro.
Wir wechseln trotzdem 55.000 XOF und beschließen, nach dem Mittagessen nach einer vernünftigen Wechselstube Ausschau zu halten.
Das Wechseln geht tatsächlich unproblematisch vonstatten. Der Mann, bei dem wir wechseln, zählt nicht einmal nach. Dafür besteht er darauf, dass wir das erhaltene Geld als Letzte nochmal nachzählen. Der Betrag stimmt, wir unterhalten uns noch ein paar Takte und verabschieden uns.

Prosper begleitet uns schließlich noch in unser Guesthouse. Das Geld will er immer noch nicht zurück haben, egal wie sehr wir darauf bestehen. Zur Annahme unseres Dankeschöns in Form von Geschenken können wir ihn aber überreden und so bekommt er von uns eine große Flasche Weißwein und mehrere Päckchen Gummibärchen, über die er sich sichtlich freut. Unsere Befürchtungen sind zerstreut und wir sind überwältigt davon, dass er uns wohl wirklich aus Nächstenliebe helfen wollte.
Zum Abendessen will er nicht eingeladen werden, er habe keine Zeit und außerdem seien wir quitt. Wir tauschen noch kurz unsere Nummern aus und schließlich verabschieden wir uns endgültig. Wir sind gerührt von soviel Hilfsbereitschaft.

Waser gibt es gerade keines im Guesthouse. Tatsächlich hat die ganzen Stadt wohl kein Wasser. Öfters am Tag oder manchmal auch für mehrere Tag fällt hier wohl die Wasserversorgung komplett aus. Ausgiebiges Duschen und Wäsche waschen sind also Fehlanzeige. Zum Glück haben wir gestern in weiser Voraussicht den Eimer im Bad noch mit Wasser gefüllt, sodass zumindest eine Katzenwäsche möglich ist.

Wir frühstücken quasi direkt neben den Guesthouse. Der Früstückststand ist ein Metallregal am Straßenrand, auf dem Eier und verschiedene Tees stehen. Daneben ist eine Art „Grillvorrichtung“ angebracht, auf der die Frau, die den Stand leitet, bereits Wasser aufgesetzt hat. Ihr Stand befindet sich in unmittelarer Nachbarschaft zu einem Simkartenstand und einem liegen gebliebenen und halb verroteten Taxi. Neben dem Simkartenstand und nur leicht versetzt zum Taxi ist ihre kleine Sitzecke zum Essen untergebracht.
Zum Glück sind wir beide noch etwas verschnupft, sodass es recht lange braucht, bis der bestialische Gestank, der von dem Bereich hinter dem Taxi ausgeht, zu uns vordringt. Scheinbar wird der Sichtschutz des Fahrzeuges wohl gerne für die morgendliche oder auch sonstige Toilette ausgenutzt. Der Boden ist mit allerlei Flüssigkeiten bedeckt und es riecht wie in einer nie geputzten Toilette. Aber zum Glück sind unsere Nasen ja weitgehend zu und der Hunger ist größer.

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Es gibt Brot mit Ei und Tee, das kostet für uns beide zusammen 7 GHS. Die Gelegenheit, gleich neue Simkarten kaufen zu können, nutzen wir auch.
Wir flüchten dann aber doch bald wieder zurück ins Guesthouse, zum einen wegen des Gestanks und zum Anderen beginnt Gabriele wiederholt von einer nicht so freundlich aussehenden Spinne belästigt zu werden, die es sich abwechselnd auf ihren Beinen gemütlich machen möchte.

Den Tag wollen wir frei machen, um die letzten Tage zu verarbeiten, Wäsche zu waschen und einfach erstmal anzukommen. Zudem hat duden immer noch mit seiner Lunge zu kämpfen und Gabriele hat seit Tagen wieder mit ihrer Verdauung und einer beginnenden Erkältung zu tun. Die vielen Klimaanalagen und Ventilatoren zeigen ihre Auswirkungen.
Wir setzen uns also in den Innenhof vom Guesthouse und verbringen die Zeit damit, Blog zu schreiben und zu lesen. Unsere Wäsche haben wir an der Rezeption abgegeben, um sie waschen zu lassen. Da gerade Wasserausfall ist, müssten wir das Wasser jedes Mal aus den Tanks schöpfen und herbei tragen. Sie waschen zu lassen, kostet uns umgerechnt 4 – 5 Euro, die wir uns diesmal gönnen. Eine Frau wäscht für uns und hängt die Sachen im Nebenhof auf, an dem auch unser Zimmer liegt.

Am frühen Nachmittag beginnt es schließlich zu regnen. Nachdem wir unsere Wäsche gerettet und umgehängt haben, verlagern wir unseren Aufenthaltsort zum weiteren chillen ins Zimmer. Erst am späten Nachmittag hört es auf zu regenen und wir können in die Stadt gehen, um den Rest unseres Geldes zu wechseln. Wir haben im Internet nachgeguckt, wo sich eines der offiziellen Forex Büros zum Wechseln befindet.
Doch an der angegebenen Stelle ist keine Spur davon zu finden, weder sehen wir ein Schild des Wechselbüros, noch die Bank, die an der Stelle sein soll. Dafür finden wir diverse andere Banken, die aber an diesem Samstagnachmittag schon alle geschlossen haben.

Wir beschließen schließich bei einer Bank einen der Sicherheitsleute zu fragen, wo wir die Wechelstube finden können.
Seine Antwort:
„It is in this direktion, but it’s far, I can call you a taxi.“
Ein Taxi wollen wir erstmal nicht, er soll uns beschreiben, wo die Wechselstube ist. Doch das kann er nicht. Schließlich hat er eine andere Idee.
„I can´t show it to you, but I will call a friend, he will bring you to the place“

Von der Idee lässt er sich auch nicht mehr abbringen.
Also warten wir vor der Bank auf diesen Freund. Als der Freund schließlich ankommt fragt er uns:
„Do you want to go with me to another place, or do you want to change here?
Wir geben auf, eine echte Wechselstube zu finden, wenn selbst die Sicherheitsleute von Banken einen illegalen Geldwechsler für uns organisieren. Im Wachzimmer des Sicherheitsbeamten tauschen wir schließlich unser restliches burkinisches Geld zu demselben Kurs um, den wir auch schon am Morgen bekommen haben.

Den Abend verbringen wir schließelich in einem Dachrestaurant. Die Empfehlung haben wir von einem Amerikaner bekommen, den wir kurz zuvor im (wahrscheinlich einzigen) Supermarkt getroffen hatten. Doch seine Empfehlung entpuppt sich als Restaurant der gehobenen und ewas teureren Klasse mit der schlechtesten Bedienung, die wir je erlebt haben. Die Bedienungen sitzen zu dritt an einem Tisch und jedes Mal wenn man sie ruft, reagieren sie entweder gar nicht oder mit einem Gesicht das sagt: „Warum holst du mich von meinem Handy weg, du Arsch.“

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Etwa gegen 21.00 Uhr sind wir wieder im Guesthouse.
Jetzt verstehen wir auch, warum hier so viele Frauen in knapper Bekleidung herumlaufen. Direkt gegenüber von unserem Guesthouse ist ein „Sportsclub“ gelegen, in dem der Begriff „Sport“ wohl mehr aktiv in Interaktion interpretiert wird. Auf jeden Fall scheint unser Gesthouse wohl der Entspannungs-Aufenthalts-Ort der Damen zu sein, die dort arbeiten.

Als wir zu unserem Zimmer wollen begrüßt uns der Nachwächter.
„Your friend Mr Prosper was here, two times“

Komisch finden wir, hatte er uns doch gesagt, dass er heute Abend keine Zeit hat und sich von uns verabschiedet. Warum sollte er jetzt wieder versuchen, uns zu treffen?
Wir sagen dem Nachtwächter, dass wir jetzt schlafen gehen und schreiben Prosper auch eine SMS:

„Dear Prosper, we just came back and heard that you tried to find us here. We are so sorry that we missed us… Yet we are so tired of the last days, that we will sleep right away.“

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