Archiv für den Monat Juli 2016

…unfreiwillige Tage in Ouaga…

Eigentlich wollten wir heute morgen um 6.30 Uhr von Ouaga aufbrechen, doch dudens Gesundheit ließ das nicht zu. Am Abend zuvor hatte er Fieber bekommen, ihm wurde schwindelig und mehr als schlafen war einfach nicht drin.

Schweren Herzens beschließen wir also, unsere Tour abzusagen und lieber zum Arzt zu gehen. Auch wenn das Fieber am Morgen ein bisschen nachgelassen hat, ist sein Husten gar nicht lustig und wir gehen hier lieber auf Nummer sicher.   

Hélène empfiehlt uns einen Arzt, der lange Zeit die meisten Europäer hier behandelt hat, bevor das französsche Krankenhaus aufgemacht wurde. Er betreibt eine kleine Klinik in einem der äußeren Stadtbezirke.   
Zur Klinik biegt man von der Asphaltstraße auf eine rote Sandpiste ab. Die Häuser in der Straße sind eher einfach und auf dem Platz in der Mitte spielen zwischen jeder Menge Müll die Kinder. In einer hinteren Ecke auf dem Platz befindet sich ein Brunnen.
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Es ist nicht schwer einen Parkplatz zu finden, sogar im Schatten ist noch einer frei. Die Klinik ist sehr gut ausgestattet, der Abauf des Arztbesuches ist im Grunde wie in Deutschland, nur dass die Geräte deutlich älter wirken. Die Waage zum Beispiel ist noch eine klassische Gegengewichtswaage, wie wir sie in Deutschland zuletzt als Kinder erlebt haben. Das Ergebnis der Untersuchung: eine Entzündung der oberen und unteren Atemwege.
Drei Mittel verschreibt der Arzt duden und zum Schluß macht er, nur um sicher zu gehen, einen Malaria-Schnelltest. Im Grunde ist es sehr unwahrscheinlich, dass er Malaria hat, weil die Inkubationszeit mindestens 6 Tage beträgt und wir die Prophylaxe nehmen, doch diese Erkrankung nimmt man hier sehr ernst.
Noch immer ist die Kindersterblichkeit in diesem Land sehr hoch und der Grund Nr. 1, klärt uns Hélène auf, ist Malaria. Rund 80% aller Mücken hier zu Lande tragen die Erreger in sich.

Circa eine Stunde dauert der Arztbesuch und kostet zum Schluß 14.000 XOF, das sind umgerechnet rund 21 Euro.
Mit ein bisschen konsequenter Ruhe sollte ich bis Sonntag wieder halbwegs auf den Beinen sein, sagt er Arzt. Montag könnten wir uns dann auf unsere Tour machen, denkt auch er.

Die Medikamente sind für hiesige Verhältnisse teuer. Drei verscheidene soll ich nehmen, darunter ein Antibiotikum. Zusammen kosten sie knapp 20.000 XOF, für Einheimische wären sie nahezu unbezahlbar. Dazu kommt, dass wir drei Apotheken abfahren müssen, bevor wir alle Medikamente beisammen haben, denn von den Antibiotika haben die Apotheken meist nur eine kleinere Menge auf Lager.

Unterwegs halten wir noch an einem Markt, demselben an dem Hélène und duden vor ein paar Tagen schon waren.
Dieses Mal steigen wir aus. Er besteht aus vielen Holzständen, die sich dicht an dicht über einen großen Platz aus der bloßen roten Erde erstrecken, die hier überall anzutreffen ist. Ihn als „überdacht“ zu bezeichnen wäre wohl zuviel gesagt. Ein paar der Stände sind zwar tatsächlich mit Wellblech überdacht, aber der größte Teil des „Daches“ besteht aus mehreren, zwischen den Ständen zusammengenagelten Leisten, auf die man alles gelgt hat, was in irgendeiner Form die Fläche abdeckt: von Strohmatten über kleine Dachpappenreste bis hin zu einfacher Pappe.
An manchen Stellen hängt das Dach sehr tief, sodass man hin und wieder Bedenken hat, mit ihm zusammenzustoßen und seinen Kopf lieber einzieht.
Die Stände sind einfach und von Gemüse, über Kochtöpfe bis hin zur Seife bekommt man hier fast alles. An einem Stand verkaufen sie auch gegrillte Insekten. Aber wir beschließen sie erst zu probieren, wenn es duden wider besser geht.
Allgegenwärtig ist auf dem Markt Maggi. Nicht nur die Brühwürfel kann man überall kaufen, auch die Werbung der Marke ist überall zu sehen.
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Um „Zahnputzhölzer“ zu finden wandern wir eine ganze Strecke in den Markt hinein und hoffen, unseren Rückweg auch wieder zu finden in diesem Gewirr aus Ständen und Gässchen. Die gesuchten Hölzer werden von bestimmten Bäumen geschnitten und werden traditionell zum Zähneputzen verwenden, indem man zunächst so lange an einem Ende kaut, bis es aufgefasert ist. Dann ist der Stock eine super Zahnbürste.
Wir haben nicht vor, in Zukunft hiermit unsere Zähne zu putzen. Aber duden hat dem Organisator des internationalen Zähneputzens der BdP Pfadfinder versprochen, Zahnpasta aus allen Ländern zu schicken, die irgendwie besonders ist. Und was kann schon mit Zahnputzhölzern mithalten? Die Kinder, die mit dieser Aktion zum Zähneputzen motiviert werden sollen, werden sicher ihren Spaß haben!

Die nächsten Tage machen wir quasi nichts. Langweilig wird es uns bei den Gesprächen mit Hélène nicht.
Wir bleiben die ganze Zeit in der Wohnung von Hélène. Duden kuriert sich aus und Gabriele nutzt die Zeit, um nach dem ganzen Masterarbeits- und Reisevorbereitungsstress wieder zu sich selbst zu kommen.

Am Samstag Abend kommt ein befreundeter Pastor von Hélène zu Besuch mit dem wir uns lange unterhalten. Er war früher Raucher und starker Alkoholiker und er erzählt, wie ihn der Ruf Gottes von Zigaretten und Alkohol weggeholt hat. Gegen seine Bestimmung als Pastor, wie er es beschreibt, hat er sich lange gewehrt, ist aber schließlich dem Ruf gefolgt und gerade in der praktischen Phase seiner Ausbildung.
Eigentlich wären wir am Sonntag gerne mit Hélène in die Kirche gegangen. Es wäre sicher spannend gewesen, aber uns geht es beiden noch nicht so gut, sodass wir beschließen, lieber auszuschlafen und uns noch einen Tag in der Wohnung zu erholen.

Erst Montag soll es weitergehen, wir freuen uns schon drauf.

Ein Arztbesuch wird für duden nötig und ist sehr ähnlich wie in Deutschland, abgesehen vom Alter der Geräte. Ein ausführlicher Besuch führt uns ins Innere eines Marktes. Die weiteren Tage kurieren wir uns und außer dem Besuch eines befreundeten Pastors passiert nicht viel.

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Ouagadougou – Burkina Faso

Unsere ersten vier Tage in Burkina Faso, Ouagadougou. Für die unter euch, die nicht so viel Zeit haben, den ganzen Text zu lesen, fügen wir in fettgedruckt immer wieder kurze Zusammenfassungen der Absätze ein. Aber erst am Ende der beschriebenen Tage, um die Spannung für die anderen nicht zu nehmen. 😉 Viel Spaß beim Lesen!


Sonntag 17.07.

Unser erstes gemeinames Etappenziel ist Burkina Faso.
Schon vor einem Jahr haben wir im äthiopischen Restaurnt in Göttingen Hélène und Vero kennengelernt. Eigentlich waren wir mit Gabrieles Cousin und seiner Lebensgefährtin da, aber am Ende haben wir uns bestimmt genauso viel mit Hélène und Vero unterhalten. Hélène ist eigentlich aus Burkina und war nur gerade bei ihrer Tochter zu Besuch, die in Deutschland wohnt. Aus dem Abend erwächst eine gute Freundschaft, von der wir hoffen, dass sie noch ewig anhält. Hélène lud uns noch am selben Abend ein, sie gerne in ihrem Heimatland Burkina Faso zu besuchen, wenn wenn wir mal die Möglichkeit haben.
Der Einladung wollen wir nun folgen und Hélène nimmt sich extra zwei Wochen Urlaub für uns.

Nun ist es also soweit. Gegen 9 Uhr fährt uns netterweise dudens Mutter zum Flughafen Frankfurt, unser Flieger geht um 12.20 Uhr. Unsere zwei große Kisten kommen problemlos mit: 40 kg Freigepäck haben wir pro Person und deshalb mit Hélène vereinbart, dass wir dieses soweit als möglich mit Altkleidern und allem was man so gebrauchen kann ausnutzen, damit sie es als „Hilfsgüter“ weitergeben kann. Fast ohne Probleme kommen wir auch durch die Sicherheitskontrollen, nur den Kulturbeutel zerpflücken sie besonders gründlich und schließlich fällt der Kontrolle unser Deo zum Opfer.

Einmal müssen wir umsteigen, in Tunis.
Insgesammt 4 Stunden geplante Umsteigezeit haben wir hier . Die erste Zeit verbringen wir in einem Cafe, bevor wir uns 15 Min vor dem Boarding ins Gate setzten. Um 17.00 ist Boarding –  doch nichts passiert, obwohl mittlerweile sogar Boarding ansteht. Auch um 17.30 Uhr, die Zeit zu der wir eigentlich fliegen sollten, passiert immer noch nichts. Doch keinen scheint das hier zu stören. Alle sitzen entspannt und warten, selbst Gabriele. Nur duden ist merklich unentspannt, doch Gabriele beschwichtigt ihn mit der Aussage: „Wir haben die Uhren, die haben die Zeit“. Den Satz hatte sie von ihrer letzten Namibiareise mitgebracht, wo sie ihn häufig anders herum zu hören kriegte: „You have the watches, we have the time“.
Um 17.45 steht schließlich an, dass der Flug Verspätung hat und erst gegen 18.00 Uhr fliegt. Die Zeit wird später nochmal auf 18.50 Uhr korrigiert, eine Durchsage wird deshalb aber nicht gemacht.
Am Gate erfahren wir außerdem, dass der Flug nicht nur nach Ouagadougou, sondern auch nach Abidjan in der Elfenbeinküste fliegt, in welcher Reihenfolge ist aber irgendwie keinem klar. Gegen 19.30 Uhr heben wir schlußendlich ab.


Wir folgen Hélène’s Einladung nach Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Heute geht unser Flug ab Frankfurt mit unerwartet langem Zwischenstopp in Tunis. Auch unser „Zusatzgepäck“ kommt problemlos mit.


Montag, 18.07.

Wir landen doch erst in Abidjan, ein Umweg von zwei Stunden. Warum das Flugzeug erst so herum fliegt, bleibt nicht nur uns, sondern auch dem Fluggast der neben uns sitzt ein Rätsel. Als wir in Ouagadougou gegen 2.00 Uhr morgens (4.00 Uhr deutscher Zeit) ankommen, hat es wieder ein bisschen Verpätung eingeholt, dennoch sind wir fast zwei Stunden zu spät.
Der Flughafen hat hier eine Besonderheit, er liegt in der Mitte der Stadt, sodass wir die Hälfte von Ouagadougou schon mal von oben betrachten dürfen –  wenn auch nur im Dunkeln…
Beim Aussteigen aus dem Flugzeug schlägt uns sofort das tropische Klima entgegen – fast wie im Gewächshaus. Auch nachts sind es hier gerade um die 28°C, bei etwa 70% Luftfeuchtigkeit. Das heißt, man schwitzt schon bei dem Gedanken daran, die klimatisierten Räume zu verlassen. Außerdem ist Regenzeit. 
Im Flughafen ist erstmal Händedesinfektion angesagt. In einer Schlange stehen wir für zwei Desinfektionsspender direkt an der Eingangstür an.
Das Visum ist unerwartet teuer. Visa on arrival sind ohne Probleme möglich, stand immer wieder im Internet. in Deutschland bei der Botschaft hätte es 15 Euro pro Person gekostet – was wir nicht wussten ist, dass es hier on arrival gleich nahezu das zehnfache kostet! Fast 300 Euro müssen wir für uns beide bezahlen. Natürlich können auch keine Euromünzen angenommen werden, sodass der Preis um 3 € aufgerundet wird, eine nette zusätzliche Einnahmequelle für den Beamten. Im Gegenzug bekommen wir einen Wisch, mit dem wir vorläufig in das Land dürfen und morgen auch wieder unsere Pässe mit Visum abholen können. 

Draußen wartet bereits Hélène auf uns. Etwa 2 Monate ist es her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben und die Freude über das Wiedersehen riesengroß.

Die erste Nacht verbringen wir in einer evangelischen Mission, die relativ zentral in Ouaga (wie Ouagadougou auch kurz genannt wird) liegt. Der Weg ist relativ unspektakulär, die Straßen zu so später Stunde wie leer gefegt. Einzig die Reinigungskräfte sind noch auf den Straßen, um diese mit ihren Strohhandfegern zu säubern.

Das Zimmer in der Mission ist recht komfortabel. Es hat so ziemlich alles, sogar einen Kühlschrank und eine Klimaanlage. Zwei Betten gibt es, ein Doppel- und ein Einzelbett. Sogar eine Aufhängung für das Mosquitonetz ist schon vorhanden.  Als Krönung hat uns Hélène in dem Zimmer sogar schon Wasser, Bananen und Mangos zurechtgestellt. Das Obst ist richtig reif und wahnsinnig lecker.

Doch lange sind wir nicht mehr wach, bevor wir ins Bett fallen. Auch Hélène fährt nach Hause, sie muss noch einen Tag arbeiten, bevor ihr Urlaub losgeht.

Am Morgen klopft es gegen 10 Uhr an der Zimmertür: Joshua stellt sich vor und bringt uns in den Gemeinschaftsraum, in dem uns der Koch der Mission bereits Frühstück bereitet hat. Französisch nennen sie das Frühstück mit Weißbrot, Marmelade und besonders leckerem Omelette.
Unser Zimmer liegt direkt neben dem Gemeinschaftsraum in einem kleinen Flachbau am Ende des Grundstücks. Die Mission vermietet die Zimmer regelmäßig an verschiedenste Reisende. Beim Eintragen ins Anwesenheitsbuch sehen wir, dass wir in diesem Jahr die ersten Deutschen sind. Die meisten Gäste kommen aus den umliegenden Ländern und aus den USA.
Den Tag wollen wir entspannt angehen. Gabriele hat auch noch ein paar letzte Sachen zu erledigen, bevor sie entspannt in die Reise starten kann. Dafür will sie diesen Tag nutzten.
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Den Tag über machen wir also nicht viel. Die meiste Zeit regnet es eh.
Nur zweimal lässt sich Gabriele von ihrer Arbeit an den Mails ablenken:
Einmal nach dem Mittagessen, als wir uns das Kunsthandwerk von einem Herrn angucken, der vor der Türe des Gemeinschaftsraumes seine Sachen ausgebreitet hat. Ein Spiel hat es uns angetan – Awalé und wir werden gleich unter Tipps der Vorbeikommenden in die Regeln eingewiesen. Das Spiel ist hier wohl gut verbreitet: Man hat 2 x 6 Felder, die sich gegenüberliegen und in denen jeweil 4 Spielsteine liegen. Ziel ist es, im Spiel möglichst viele Spielsteine zu ergattern.
Ein zweites Mal lässt Gabriele sich ablenken, als duden die Gitarre im Gemeinschaftraum auspackt. Im Nu gesellen sich Joshua und der Koch dazu und zum Teil allein, zum Teil gemeinsam singen wir sowohl ihre als auch unsere Lieder. Schon jetzt sind wir froh, die Gitarre dabei zu haben und stellen fest: Musik verbindet.

Gegen 9 Uhr am Abend treffen wir schließlich Hélène wieder.
Zusammen fahren wir erstmal zum Flughafen, um unsere Pässe mit den Visa abzuholen. Vor Ort bemerken wir, dass es eigentlich schon zu spät ist. Wir haben auf dem Zettel übersehen, das die Abholzeiten zwischen 15.00  und 18.00 Uhr sind. Doch das ist kein Problem: Zwar ist der Schalter nicht besetzt, aber der Herr an der Information ruft den Kollegen kurzerhand via Handy herbei. Wir bekommen nochmal ein paar mahnende Worte, dass die Pässe normalerweise nicht mehr so spät ausgegeben werden und dass dies das letzte Mal sein wird, dass sie das machen.

Schon auf dem Weg zum Flughafen hat uns Hélène darauf hingewiesen, dass sie in einem sehr guten Restaurant gegrilltes Huhn für uns bestellt hat. Dort fahren wir nun endlich hin, immerhin ist unser Mittagessen zu dem Zeitpunkt auch schon fast 9 Stunden her.
Das Resaurant ist eine kleine Btretterbude auf einem Platz. Daneben stehen zahlreiche Tische mit Stühlen. Das bestellte Essen lässt nicht lange auf sich warten: zwei Hähnchen und zweimal Pommes, dazu trinken wir lokale Biersorten. Die leichteren beiden Biermarken lassen sich mit mitteldeutschem Bier vergleichen.
Es ist schon dunkel und so richtig sehen wir nicht gut, was wir da vor uns auf dem großen Teller in der Mitte haben, aber es schmeckt sehr gut. Das Hähnchen ist leicht pikant gewürzt und auf dem Grill gut durchgebraten. Anders als wir es in Deutschland kennen wird das Huhn einfach im ganzen zerhackt und man darf später vorsichtig die Knochen und Knochensplitter aus den Einzelteilen herausfischen.
Noch etwas ist anders, muss duden feststellen: In ein Teil kann er erst nicht so recht beißen, erkennen kann er es auch nicht in dem Licht. Es ist schließlich recht knusprig und innen schmeckt es fast nur nach Fett. Es stellt sich am Ende heraus, dass es der Hähnchenkopf ist und das was nach Fett schmeckte war das Hirn. Alles vom Huhn wird hier mitgebraten erklärt Hélène, schlicht zum Beweis, dass man auch wirklich das ganze Huhn, das man bestellt hat, bekommen hat.

Ab jetzt übernachten wir bei Hélène. Sie wohnt in sehr guter, zentraler Lage in Ouaga. Ein Zimmer hat sie extra für uns hergerichtet. Leider, sagt sie, ist das Bett vor kurzem zusammengebrochen, deshalb ist es „nur“ eine Matratze am Boden. Doch wir vermissen nichts, außer vielleicht der Klimaanlage – sie war schon sehr komfortabel. Dennoch schlafen wir sehr gut und schnell ein.

Ankunft in Ouagadougou mit erschrenkend teurem Visum on arrival. Der erste Tag in einer evangelischen Mission vergeht mit letzten Erledigungen von Gabriele, etwas Musik machen und Awalé spielen, während Gabriele auf das Versenden der Mails wartet. Abends hält das Essen mit Hélène in einem Straßenrestaurant Überraschungen bereit.


Dienstag, 19.07.

Am nächsten Morgen schlafen wir erstmal aus, weil vor allem Gabriele noch viel Schlaf nachzuholen hat. Als wir um 11 Uhr aufstehen, hat Hélène bereits den Wohnzimmertisch reichlich gedeckt und wir frühstücken gemütlich.

Hélène hat eine Drei-Zimmer-Wohnung mit einem Wohnzimmer, zwei Schlafzimmern, Küche und Bad, die in unseren Augen als gehobener Mittelstand von Burkina einzuordnen ist. Man merkt, dass sie sich viele Gedanken ums Detail gemacht hat. Unter anderem hat sie in einigen Räumen durch farbige Wände Akzente gesetzt. Das scheint in Burkina etwas unüblich zu sein, zumindest hat sie wohl für die rote Wand in der Toilette von ihrer Familie Spott geerntet.
Die Küche sieht mit ihren gemauerten Küchenunterschränken genauso aus, wie duden sich eine bessere afrikanische Küche vorgestellt hat. Das Bad ist rundum gefließt, eine Vertiefung mit fest montiertem Duschkopf, der kaltes Wasser von sich gibt, ist die Dusche. Wenn wir möchten, können wir auf dem Herd Wasser zum Duschen warm machen, aber bei den Temperaturen hier haben wir keinen Bedarf, uns warm zu waschen. Ein Aufsatz auf dem Ausguss der Dusche verhindert, dass Tiere wie Kakerlaken, Ratten oder Spinnen in die Wohnung gelangen können. In allen Räumen sind auch die Fenster durch Mückengaze gut verschlossen. Die dadurch entstehende Spinnenfreiheit beglückt Gabriele mit ihrer Spinnenphobie.

Heute wollen wir zuallererst unsere Visa bei der ghanaischen Botschaft beantragen. Schon vor zwei Wochen hat uns Hélène darauf aufmerksam gemacht, dass es damit Probleme geben könnte. Aber das sei lösbar, sie kenne da jemanden. Etwa eine Stunde später schrieb sie uns, dass sie alles geklärt hätte und wir von der Leiterin einer bekannten ghanaischen Schule eine Einladung nach Ghana bekommen hätten und dass wir somit ohne Probleme an das Visum kommen sollten.
So läuft das scheinbar hier: man kennt jemanden, der jemanden kennt und alles lässt sich regeln.

Tatsächlich haben wir in der Botschaft keine Probleme. Statt einer Woche Bearbeitungszeit können wir unser Visum bereits in zwei Tagen wieder abholen. Bis wir aus der Botschaft raus sind ist es bereits halb 3 und wir beschließen, etwas essen zu gehen.
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Auf dem Weg zum Restaurant bestaunen wir die vielen Obststände am Straßenrand und unser Blick bleibt an einem wackligen Holzregal hängen. Darin stehen mehrere gelblich gefüllte Glasflaschen und ein Trichter hängt an der Seite – eine tyische Tankstelle, wie wir erfahren. Klassische Tankstellen gibt es auch, aber nur in den größeren Städten.
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Hélène’s Wahl fällt auf ein Restaurant in der Innenstadt, das man von außen am Anfang gar nicht als solches ausmachen kann. Durch ein Tor in einer hohen Mauer müssen wir erstmal durch einen Security Check, bevor wir im Hof Platz nehmen können. Das Restaurant gehört einem Franzosen, der wohl schon länger in Burkina lebt und mit einer Burkinabe verheiratet ist. Da es schon spät ist, hat die Küche schon weitgehend zu, aber es gibt noch Pizza.

Auf dem Rückweg vom Restaurant fahren wir einkaufen. An einem kleineren Markt in den Straßen von Ouaga, dessen Stände unter mehreren Sonnenschirmen untergebracht sind, halten wir. Sofort kommen mehrere Frauen angerannt, die uns ihr Gemüse und ihr Obst anbieten. Hélène ist durch das offene Fenster fleißig am Verhandeln, während die Frauen zwischen den Ständen und dem Auto hin- und herlaufen und wir schon längst den Überblick verloren haben. Immer wieder reicht sie Tüten nach hinten und eigentlich haben wir keine Ahnung, von welcher der Frauen sie jetzt was gekauft hat.
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Die Einkäufe und Gabriele setzen wir kurz zu Hause ab. Gabriele ist müde und nach einem kurzen Kampf mit der Wohnungstüre fällt sie auch sofort ins Bett. Hélène und duden fahren noch weiter zu einem anderen Markt und um das Zimmer in der Mission zu bezahlen.

Der Markt unterscheidet sich von dem vorherigen: er ist etwas außerhalb auf einem Platz und anstelle der Sonnenschirme stehen hier lauter Holzbuden und -tische. Hier kann man alles rund ums Essen kaufen. Auf mehreren Tischen an der Straße liegt unter anderem das Fleisch in der Sonne und wartet darauf, dass es jemand kauft, der es hoffentlich gut durchbrät.
Auch dieses Mal halten wir wieder nur am Straßenrand und sofort kommen mehrere Frauen angelaufen, um uns ihre Ware anzubieten. Wieder einmal vollbringt Hélène eine Meisterleistung, indem sie den Überblick darüber behält, von wem sie was gekauft hat und wer wieviel bekommt, denn bezahlt wird immer erst zum Schluss. Am Ende drückt sie einer Frau 5.000 Francs CFA (abgekürzt XOF) in die Hand. Diese rennt mit dem Geld erst einmal in den Markt und wir hoffen, dass sie mit dem Wechselgeld wieder kommt.
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Das mit dem Geld ist hier so eine Sache. Die Preise für Lebensmittel variieren in Ouaga zwischen 50 und 70 % im Vergleich zu Deutschland. Dennoch sind die Gehälter nicht sehr hoch. Ein Straßenarbeiter, erfahren wir, verdient etwa 50.000 XOF im Monat, das sind umgerechnet etwa 75 €. Ein Arzt verdient am Anfang etwa 200.000 XOF, also umgerechet etwa 300 €.

Unser Wechselgeld kommt schließlich wieder, aber nicht ohne dass jede der Marktfrauen es noch einmal in der Hand gehabt hat, um sich ihre Bezahlung zu nehmen.

Bei Hélène’s Wohnung wartet bereits ein Bekannter von ihr. Er hat einen Ventilator organisiert, den er ihr verkaufen möchte. 40.000 XOF will der Besitzer dafür, ein kleiner Anteil davon geht für die Vermittlung an den Bekannten. Wir sind happy über das Angebot und voll stolz, aber nicht ohne zu verhandeln, wird Hélène Eigentümerin eines neu erworbenen Ventilators, der soviel Kraft hat, dass er selbst auf kleinster Stufe innerhalb kürzester Zeit alles im Wohnzimmer durcheinander wirbelt. Wir genießen die Neuanschaffung und setzen uns voll in den Wind Doch die Freude ist nur von kurzer Dauer – nach etwa 10 Minten ist Stromausfall.
Voll Sehnsucht starren Hélène und duden etwa zwei Stunden lang den Ventilator an, während sie in der dunklen Wohnung schwitzen und Gabriele seelig schläft.

Den Abend verbringen wir mit einem leckeren Salat und tollen Gesprächen. Auch ein Plan für einen Ausflug am nächsten Tag entsteht.

Ab jetzt wohnen wir mit Hélène in ihrer Wohnung in der Innenstadt. Beim Beantragen des Visums für Ghana zeigt sich: Kontakte sind hier wichtig. Wir stellen danach fest: auch hier gibt es Pizza und das Einkaufen auf den Märkten ist für uns gewöhnungsbedürftig. Und: Ventilatoren sind bei den Temperaturen hier sehr empfehlenswert!


Mittwoch, 20.07.

Die ganze Nacht schon hat es heftigst geregnet, es hörte sich an, als würden ununterbrochen riesige Eimer voll Wasser auf das Dach entleert. Auch am Morgen hält der starke Regen noch an. Unser Plan früh aufzustehen, um einen Ausflug zu machen, fällt damit wohl buchstäblich ins Wasser.
Zu Hause herumsitzen wollen wir auch nicht und das Studium des Wetterberichtes zeigt, dass es wohl mittags kurz aufklaren soll. Wir beschleßen also unsere Tour doch zu unternehmen und dafür erst später loszufahren. Statt um 8.30 Uhr fahren wir also erst um 12.00 Uhr los. Unser Ziel liegt etwa 45 km außerhalb der Stadt in Richtung Osten.
Bevor wir die Stadt verlassen, kaufen wir auf dem Weg noch 3 Ananas für das Mittagessen. Sie sind sehr günstig und kosten gerade einmal 1.000 XOF, weil wir sie direkt bei einem „Großhändler“ mit einem großen Berg Ananas am Straßenrand kaufen.

Auf dem Weg aus Ouagadougou heraus kommen wir immer wieder an überschwemmten Gebieten vorbei – der Regen hat seine Spuren hinterlassen. Auch das das Straßenbild verändert sich allmählich. Die Hauptstraße, die aus Ouaga führt ist eine asphaltierte Straße, die Seitenstraßen werden immer häufiger einfache Sandpisten, von denen einige durch den Regen kaum passierbar sind.
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Viele von diesen Außenbezirken, so erzählt Hélène, sind weder registriert noch kartographiert – die Leute haben einfach auf freies Land gebaut. Ganze Stadtteile sind so entstanden, die deshalb auch so gut wie keine Infrastruktur haben. So kann das Wasser auf den Straßen nicht ablaufen, weil es keinerlei Art von Kanalisation gibt.
Diese Stadtbereiche schlagen sich auch in den Einwohnerzahlen von Ouaga nieder: offiziell hat die Stadt 1,18 Mio. registrierte Einwohner, doch Hélène erklärt uns, dass man inzwischen von 2 Mio. Einwohnern spricht.

Je weiter wir uns vom Stadtzentrum entfernen, desto einfacher werden die Häuser. Während in der Innenstadt oft gemauerte Häuser anzutreffen sind, sind hier die meisten Häuser bereits aus Lehm gebaut oder einfache Bretterbuden. Auch die Verkaufsstände am Straßenrand werden weniger, dafür aber größer und auch die feilgebotene Ware verändert sich. Während in der Innenstadt in erster Linie Lebensmittel und „Luxusartikel“ wie Schuhe verkauft werden, so werden hier vermehrt Möbel oder andere Handwerkserzeugnisse angeboten.

Bevor wir Ouaga ganz verlassen, tauchen am Straßenrand mehrere Lagerhallen und bewachte Betriebsgelände auf. Ausländische Firmen, wie CAT haben hier ihre Dependancen. Auch zahlreiche Handwerker finden sich in dieser Gegend, so unter anderem ein Schreiner, der aus hölzernen Transportkisten – die er möglicherweise direkt bei CAT gegenüber bezieht – Markttische baut. Dies ist nur eines von vielen Beispielen, das die Kreativität der Menschen in der Erschließung neuer Einnahmequellen zeigt.

Dass wir endgültig an der Stadtgrenze von Ouaga angelangt sind, zeigen die Mauthäuschen und die Polizeikontrolle. Wir haben Glück – die Mauteintreiber streiken heute, nicht aber die Polizei, die alle Pässe und Fahrzeugpapiere kontrolliert. Unsere Pässe liegen noch in der Botschaft von Ghana, doch zum Glück haben wir von der Botschaft einen kleinen Wisch bekommen, dass wir die Pässe dort erst morgen wieder abholen können und wir können ohne Probleme weiterfahren.

Außerhalb der Stadt besteht die Landschaft in erster Linie aus Steppe, die nur durch die Regenzeit aktuell in einem satten grün erstrahlt. Immer wieder sieht man kleinere Gruppen von Kindern an der Straße, die die Früchte des Sheabaumes verkaufen. Aus den Kernen der Früchte wird die bekannte Sheabutter hergestellt. Bei einer Gruppe halten wir an. Zwei volle Schalen mit etwa 30 Früchten kosten gerade einmal 200 XOF. Die Früchte sind grün, etwa feigengroß, schmecken aber bitter und sauer – für uns sind sie nichts. Hélène schmecken sie dafür umso besser – sie liebt diese Früchte regelrecht.

Zwar sind es nur 45 km bis zu unserem Ziel, dennoch brauchen wir etwas mehr als 1,5 h bis wir bei dem Skulpturenpark mit dem Namen „Sculptures de Laongo“ mitten im Nirgendwo ankommen.
Wir sind das einzige Auto auf einem riesigen Parkplatz, auf dem locker 20 Busse Platz hätten. Allgemein scheint in dem Park gerade nicht viel los zu sein.
Als wir ankommen, ist niemand da und wir müssen erstmal jemanden suchen, der uns weiterhelfen kann. Einen Guide gibt es gerade nicht, dennoch schafft es Hélène, jemanden zu organisieren, der uns zumindest durch den Park führen kann.

An diesem Ort liegen zahlreiche Granitbrocken verteilt, die wie ein Felsenmeer den Boden bedecken.
Ganz Burkina, erfahren wir, liegt auf einem riesigen Granitsockel. In viele der Felsen haben zahlreiche internationale Künstler seit 1989 Masken, Körper und Skulpturen gehauen. Circa 2 h lang wandern wir durch den Park und bestaunen die verschiedenen Skulpturen, die sich meistens sehr harmonisch in die Natur einfügen. Es ist beeindruckend, wieviele Kunstwerke seit 1989 in diesem Park geschaffen wurden.
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Wir erfahren, dass gar nicht weit von hier ein Dorf mit dem Namen „Operndorf“ liegt, welches Schlingensief 2010 begründet hat. Auch dieses beschließen wir, uns anzusehen – aber erst nachdem wir unsere Ananas zum „Mittagessen“ (gegen 4 Uhr nachmittags) verzehrt haben.

Das Dorf ist unspektaktulärer, als wir es uns erhofft haben. Es besteht aus einer Schule, einer Krankenstation und mehreren Häusern in denen Küche, Vorräte und Unterkünfte für Lehrer und Gäste untergebracht sind. In der Mitte, wo wir den Dorfplatz erwartet hätten, liegt ein riesiger Berg aus Metallschrott. Von buntem Treiben kann man in dem Dorf nicht wirklich sprechen.
Vielleicht hätten wir uns vorher den Wikipedia-Artikel zu dem Dorf durchlesen sollen und wären dann etwas mehr beeindruckt gewesen.
Architektonisch aber ist dieses Dorf sehr auffällig. Nicht nur die Dachform der Wohnhäuser ist sehr ungewöhnlich, auch die Krankenstation ist mit ihren vielen kleinen versetzten Fenstern ein architektonisches Highlight.
Das Dorf bildete damit einen ziemlichen Kontrast zu den anderen Dörfern, die wir auf unserer Rückfahrt mehrfach sehen können.
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Normale Dörfer scheinen hier meistens aus fünf bis zwanzig Häusern zu bestehen, die in traditioneller Lehmbauweise errichtet sind.
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An einem größeren Dorf halten wir an. Hier sind unter einem Baum zahlreiche Menschen versammelt, die Hirsebier trinken. Für die Herstellung des Bieres wird das Sorgum erst gekeimt, getrocknet und die grob zerkleinerte Hirse wird anschließend etwa 48 h ununterbrochen gekocht. Am dritten Morgen wird die Flüssigkeit abgeseit, sie schmeckt jetzt noch süßlich. Dann wird Hefe untergemengt und bis zum Mittag ist das Bier fertig fermentiert und kann getrunken werden.
In der Mitte der Menschenmenge steht ein großes Faß, aus dem in Kürbischalen das Bier ausgeschenkt wird.
Natürlich lassen auch wir es uns nicht nehmen eine Schale davon zu trinken. Es schmeckt ungewohnt, wir schmecken noch die Gärungsprodukte und esprickelt etwas auf der Zunge, aber es schmeckt sehr gut, vor allem ziemlich erfrischend leicht.
Natürlich sind wir die Attraktion – Touristen die sich in diese Menschenmenge verirren gibt es hier wohl nicht oft. Viele wollen mit uns reden und die anderen haben einfach nur Spaß dabei sich über „die Weißen, die Hirsebier trinken“ zu amüsieren. Schade, dass wir nicht die Sprache der Mossi sprechen, die die größte Bevölkerungsgruppe in Burkina ausmachen. „Barka“, danke, hat Gabriele davor immerhin schon erfragt und kann sich zumindest bedanken.
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Auf dem Rückweg gehen wir noch schnell auf einem Markt in der Vorstadt von Ouaga Gemüse und Reis einkaufen. Es herscht wie immer buntes Treiben. Zahlreiche Menschen preisen ihre Waren an, Andere transportieren sie in Schalen auf ihrem Kopf oder noch andere Weisen: Beonsders fällt uns ein Mann auf, der zwei Ziegen trägt. Er hat sie an den Füßen zusammengebunden. Sie hängen nun kopfüber an seinen Händen, während er sie durch den Markt trägt. Unterdessen schreien die Ziegen ohrenbetäubend.

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Dieses Mal steigen wir auch aus um einzukaufen und verhandeln nicht nur vom Auto aus. Dennoch, mehr als 10 Meter gehen wir nicht in den Markt hinein und lange dauert der Einkauf nicht. Da es auch schon spät am Tag ist, beschließen, wir lieber ein anderes Mal wirklich auf einen Markt zu gehen. Wir fahren nur noch nach Hause und lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Regenzeit bedeutet hier wirklich Regen und überschwemmte Gebiete. Die Stadt hat viele Gesichter und wandelt sich mit zunehmender Entfernung vom Stadtzentrum deutlich. Einen Skulpturenpark besichtigen wir und erfahren, das Granit in Burkina weit verbreitet ist. Das Operndorf von Schlingensief überrascht uns. Auf dem Rückweg stellen wir fest: auch traditionelles Hirsebier schmeckt und ist eine spannende Erfahrung!


Donnerstag, 21.07.

Ein für uns ist es ein ganz normaler Morgen in Burkina, etwa gegen 8 Uhr steht duden auf. Zu dem Zeitpunt ist Hélène schon lange wach und hat bereits bei irgendeinem Marktstand frisches Baguette geholt. Heute ist Waschtag für unsere Klamotten, denn morgen wollen wir im Bus sitzen und zusammen mit Helene weiterreisen. Vorraussichtlich ist es unser letzter Tag in Ouaga. Gabriele steht schließlich so gegen 10 Uhr auf und wir frühstücken.

Auf dem Programm steht für den Tag nicht viel. Das Visum will abgeholt werden und wir müssen unsere Sachen packen, damit wir morgen früh aufbrechen können.

An der ghanaischen Botschaft kommen wir gegen 11.30 Uhr an. Unsere Pässe warten schon auf uns und nachdem wir uns in das Abholungsbuch eingetragen haben, bekommen wir sie mit unserem neuen Visum, das für 30 Tage gültig ist.

Auf dem Rückweg passieren wir eine Straße, die schon öfter unser Interesse geweckt hat. Dieses Mal halten wir auch an. An ihr liegt die Brandruine des alten Parlaments.

Im Oktober 2014 hat es hier einen Volksaufstand gegeben. Tausende Zivilpersonen drangen in das Parlament ein, in dem gerade getagt wurde, plünderten es und setzten es in Brand. Die Abgeordneten flohen über die Mauern. Auch im Hotel nebenan versteckten sie sich, weshalb die Aufständischen auch dieses in Brand setzten. Wie durch ein Wunder wurde im Parlament niemand getötet, dennoch starben an diesem Tag ettliche Menschen.
Auf diese Weise setzte die Bevölkerung eine völlig korrupte Regierung ab, welche in erster Linie sich selbst bereichert und nur wenige Gelder an die Bevölkerung weitergegeben hatte.
Die Ruine des Parlaments steht noch heute unverändert. Lediglich Bretter wurden in der Zwischenzeit vor die Eingangstüre geschraubt, damit nicht mehr jeder einfach so hineingehen kann. Fotos können wir auch nur von außen machen.

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Hélène will uns auch den krassen Unterschied zwischen arm und reich zeigen. Deshalb fahren wir im Anschluss noch in ein Viertel der Reichen, das „Ouaga 2000“ heißt. Es liegt etwas außerhalb und formiert sich um den Präsidentenpalast. Zahlreiche Villen reihen sich hier nebeneinander. Im Vergleich zu der Armut, die wir in dieser Stadt bisher an vielen Stellen sehen konnten, wirkt diese Gegend für uns wie ein Kulturschock.
Mitten im Viertel liegt der erste Supermarkt, den wir sehen. Hier ist alles um einiges teurer, dafür bekommt man hier sogar importierte Produkte wie Nutella, jedoch zu Preisen, die für normle Burkinabe unbezahlbar sind.

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Da es duden etwas schwindelig ist, fällt der Besuch dann doch etwas kürzer aus. Bei Hélène zu Hause legt er sich erstmal etwas hin. Wärenddessen schreibt Gabriele Blog und Hélène verchwindet zum Frisör. Erst spät kommt sie mit frisch geflochtenen Haaren wieder.

Wir haben unser Visum für Ghana! Das alte Parlament ist von dem Volksaufstand 2014 als Brandruine übrig geblieben. Ouaga 2000, ein Reichenviertel, bildet einen starken Kontrast zum Rest der Stadt. Leider geht es duden nicht so gut und wir machen eine längere Pause in der Wohnung.

Riga

Montag, 04.07.
Um 02:35 geht mein Flug mit Azerbaijan Airline via Baku. Ich muss feststellen, dass der Flughafen Baku sehr modern ist und wohl der schönste, den ich bisher gesehen habe. Ungefähr zwei Stunden aufenthalt habe ich hier und bereits meine erste halbe Stunde Zeitverschiebung.
Wo das erste Flugzeug noch ziemlich voll war, ist das zweite zemlich leer. Mit gerade mal etwa 20 Leuten teile ich mir eine Boing 747, fast jeder hat eine Dreierreihe für sich. Gegen 9:00 Uhr kommt der Flieger am Flughafen Riga an. Der Flughafen ist ebenfall nicht groß, kleiner als manche Regionalflughäfen im Iran. Obwohl ich beim Aussteigen gemütlich mache, als einer der letzten aus dem Flieger komme und so ziemlich der einzige bin der nicht hetzt, bin ich als erster aus der Passkontrolle raus und auch mein Rucksack liegt schon direkt bereit.
Obwohl mir das Hostel empfohlen hat mit dem Bus zu fahren bin ich zu müde dafür und nehme ein Taxi.
Von vorne herein sieht man die Unteschiede zwischen dem Iran und Lettland, nichts ist gleich: Hier it alles satt grün und Gradlinig. Die Taxifahrer prügeln sich nicht um dich, sondern der Erste den ich frage schickt mich weiter, er ist nicht der Erste in der Schlange ich solle den Vordersten nehmen. Schade denke ich mir als ich im Ersten im Taxi sitze, den diesen unterscheidet nichts von den Taxifahrern im Iran. Ich fühle mich fast wieder wie in den Iran zurückversetzt.
Der Taxifahrer macht eher einen schmierigen Eindruck, zieht ständig die Nase hoch und als wir losfahren stellt er das Taxameter an und fährt erstmal rechts ran um in Seelenruhe sein Navi einzuschallten. Als ich ihn dann höflichst bitte das Taxameter für die Zeit auszuschalten, versteht er plötzlich kein Englisch mehr, also betätige ich selbst den Knopf. Das gefällt ihm nicht, aber auf eine Diskusion will er sich dann dochnicht einlassen. Am Ende zahle ich etwa 13 Euro.

Eigentlich wollte ich noch für ein paar Tage nach Klaipeda in Litauen fahren. Genauso wie für Lettland hatte ich dafür ebenfalls in Couchsurfing annonchiert, die Rückmeldungen waren jedoch mau. Ein Couchsurfer hatte sich zurück gemeldet und mir angeboten mich zu hosten, doch einen Tag vor dem Flug kam wiederum seine Absage. Aus Lettland bekam ich wiederum gar keine Rükmeldung. Also fing ich schon wärend des Fluges an mir auszumalen, womit ich wohl 1 Woche Riga totschlagen kann…

Für alle Fälle hatte ich schon vor einer Woche ein Hostel in Riga für die erste Nacht gebucht.
Das Hostel in dem ich unterkomme trägt den drolligen Namen Teddybear Hostel.
Es liegt in einem Hinterhofgebäude in den obern Stockwerken. Schon auf dem Weg die Treppe hoch, schmücken die Wände unzählige Zeichnugnen von Teddybären.
Ich schlafe wieder mal im Dorm. Die Betten sind unbequemer als in Tehran, dafür ist die Nacht hier noch günstiger nur etwa 9 Euro kostet sie. Mein ständiger Zimmerprtner in den Tagen die ich hier bin ist ein junger Israeli. Er fragt mich wo ich herkomme und ist von meiner Antwort nicht begeistert. Kein Wunder Iran und Israel sind erklärte Erzfeinde. Er versteht es nicht, wie man in den Iran fahren kann. Die Sachen zwischen uns beiden scheint gelaufen zu sein, ich überlge noch wie ich die Sache retten kann, immerhin ist es mein Ziel sich untereinander im Zimmer gut zu verstehen und biete ihm ein paar Datteln an, die ich aus Ahwaz mitgebracht hatte. Mehdi hatte sie netterweise noch kurzfristig für mich organisiert.
Gerettet! er mag die Datteln nicht nur, er sagt, das sein die Besten Datteln der Welt und es fühlt ich gerade wie bei seiner Oma an, die habe auch immer was zum naschen für ihn. Ich scherze noch, dass das Okey ist, so lange er mich jetzt nicht Oma nennt. Ab jetzt sind wir wohl Freunde.
Er heißt Yaron und ist nun schon seit über einem Monat in diesem Hostel. Er will mir auf jedenfall etwas Zeigen, worauf ich i Hostel achten soll: Die Teddybären, ich soll auf jeden Fall auf die Teddybären achten, sie führen ein Eigenleben. Es ist als würde es hier spuken. zum Beweiß zeigt er mir ein Bild in der Küche. Auf dem Bidl ist eine Cafelandschaft in einer Stadt abgebildet, zahlreiche Stühle und ein Fahrrad stehen auf einem Platz, auf dem Fahrad und einem der Stühle sitzen Teddybären. Ich soll besonders auf den auf den Stühlen achten, er sitz jeden Tag auf einem anderen, er wechselt, dabei kann das nicht sein – es ist ein Ölbild. Auch das Mädchen welches auf die Wand im Treppenhaus gemalt ist, guckt dir hinterher…

… und ich hatte schon Sorge, das Riga ein etwas langweiliger Teil meiner Reise werden kann…

Er hat außerdem noch einen Tip: „Lass dich nicht von Frauen anquatschen“
Auch auf der Seite vom auswärtigen Amt hatte ich es auch schon gelesen: diese Stadt ist bekannt dafür, dass hier den Männern K.O.-Tropfen untergemischt und sie anschließend ausgeraubt werden, eine beliebte Masche…

Schlafen kann ich nicht mehr, also nutze ich die Zeit um mir einen ersten Eindruck von der Stadt zu verschaffen.
Sie hat sich verändert. Zu letzt war ich vor ungefähr 15 Jahren hier, damals sind wir mit den Pfadfindern durch den Gauya-Nationalpark gewandert.
Die Stadt war damals noch wesentlich verfallener und man erkannte noch gut die Spuren aus der Zeit des Sozialismus. Jetzt gibt es hier kaum noch verfallene Häuser, die Altstadt sieht sehr gut aus, überwiegend erstrahlt sie in einem tatsächlich jugendlichem Jugendstil-Charm. Auch das Klientel der Stadt hat sich verändert, mittlerweile spricht hier nahezu jeder Englisch und man sieht in der Stadt mehr Touristen als Einheimische.
Von dem traditionellen Lettland, dass ich von vor 15 Jahren in Errinnerung habe sehe ich hier nix mehr und ich frage mich, wie klar noch meine Erinnerung an damals ist, oder ob es sich wirklich so sehr verändet hat.

Den späten Nachmittag lege ich mich hin, die Nacht hat mich doch geschlaucht. Als ich wieder aufwache ist es schon fast 9 Uhr und ich beschließe doch noch mal raus zu gehen um mir das Nachtleben von Riga anzugucken, denn Riga ist mittlerweile dafür bekannt. Da Montag ist, ist in den Clubs nicht so viel los, dafür zeigt sich Riga bei Nacht nicht ganz so verschlafen, sondern aus jeder Ecke kommt Musik, überall in der Altstadt sind die Clubs verteilt. Die Stadt pusliert, obwohl nicht so viel los ist, dennoch macht sie ihrem jüngeren Ruf als Bangkok des Balkans alle ehre. Der Sextourismus in der Stadt ist spürbar und immer wieder sieht man die „Gentelmenclubs“ in den Staßen.

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Dienstag, 05.07.

Die Nacht ist nicht gerade sehr Komfortabel gewesen, denn die betten sind sehr unbequem, so dass der Schlaf nicht sonderlich erholsam ist. Auch das Frühstück lässt zu wünschen über, es gibt Toast und Marmelade, beides von der billigsten Sorte.
Dazu kommt, dass ich heute umziehen muss. Ich habe nun doch für alle Fälle für die ganze Woche geblockt, aber heute früh müssen wir bis um 11 das Zimmer wechseln, in den großen Dorm mit sechs Betten, da der kleine anderweitig gebraucht wird.
Vormittags bespreche ich mich erstmal mit Gabriele, um sie auf dem Laufenden zu halten und um zu besprechen, wann wir uns wiedersehen um dann gemeinsam auf Reise zu gehen. Schließlich beschließen wir meinen Aufenthalt hier zu verkürzen, denn so wirklich weiß ich auch nicht, was ich eine Woche lang in Riga anstellen, so ganz bin ich nicht der Städteurlauber, ich brauche da doch mehr Action – mich langweilt diese Stadt jetzt schon. Also verkürzen wir spontan den Aufenthalt um drei Tage, die ich eher nach Deutschland komme.

Ich mache mir neue Pläne, was ich unternehmen kann hier in Riga und gucke bei der app „Party with a lokal“ als ich in Shiraz Tinder instaliet habe fiel mir auch diese App auf und ich habe sie gleich installiert. Viele sind nicht bei dieser App, vlt 30 Leute, von denen die hälfte keine Letten sind, sondern vermutlich Touristen wie ich auch. Ich schreibe 3 von ihnen an um möglichst Kontakte zu knüpfen zu Leuten die vlt. Lust haben mir mal ein bisschen was vom lettischen Livestyle zu zeigen. Außerdem warte ich noch auf die Rückmeldung von einem von den lettischen Pfadfindern, ob auch wir uns treffen können.
Außerdem hat uns Helene schon die erste Programplanung für Burkina Faso zugeschickt. Wir sind begeistert und es verspricht echt eine spanende Reise zu werden. Dennoch scheinen schon die ersten Schwierigkeiten aufzutreten. Das Visum für Ghana können wir nicht so beantragen wie wir es dachten. Zum Glück kennt sie da wen von der Botschaft und innerhalb von wenigen Minuten hat sie eine Lösung organisiert.
Zur Sicherheit checke ich nochmal die weitern Visabedingungen der Länder auf unseren ersten Streckenetappen.

Mittags gehe ich mit Yaron essen und anschließend mache ich mir ein genaueres Bild von der Stadt. Gehe in jedes Museum auf dem Weg und genieße die Cafekultur, die es im iran während des Ramadans nicht gab.
Am Abend habe ich das Gefühl, alles von Riga gesehen zu haben. Natürlich nicht, aber so langsam wiederholen sich die Häuserbilder des Jugendstils und die für mich so richtig spannende Ecke konnte ich noch nicht entdecken.

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Den Abend lasse ich in einer Weinbar ausklingen. Mittlerweile habe ich auch zwei Rückmeldungen, eine von Gunnar dem Pfadifnder aus Riga, wir wollen uns am Donenrstag treffen und er will mir Pfadfinderische Aspekte der Stadt zeigen und zum anderen ein Junger Mann via Party with a lokal, er ist 33 Jare alt und hat Lust sich mit mir morgen den Tag über zu treffen.

Mittwoch, 06.07.

Der Versuch auszuschlafen schlägt fehl – zu unbequem ist das Bett und mein Rücken macht mir auch immernoch von meinem Sturz in Ahwaz Probleme. Bis ca. 10 Uhr wälze ich mich krampfhaft im Bett hin und her, auf so manchem Fußboden im Iran habe ich wesentlich besser schlafen können.

Den Morgen über versuche ich mich also im Entspannen, oder viel mehr darin, ruckartige Bewegungen zu vermeiden, da alles so verspannt ist. Erst gegen 13.00 Uhr, so ist es geplant, treffe ich mich mit dem Lokal zur Party.
An einer Uhr im Norden der Altstadt haben wir uns verabredet.
Das Wetter ist, wie auch schon die letzten Tage vielversprechend unbeständig. Schon die letzten Tage waren immerwieder durchsetzt von Schauern bei um die 18°C. Doch noch scheint die Sonne und in ihr sind es gefühlte warme 22°C, kein Vergleich mit dem Iran, aber das kann ich jetzt auch nicht ändern.

13.00 Uhr und niemand ist am vereinbarten Treffpunkt. Erst gegen 13.15 Uhr erreicht mich die Nachricht:

Sorry I will be late. 10min

Na gut, immerhin scheint es nicht wie in Shiraz, wo ich ganz versetzt wurde.
gegen 13.30 Uhr kommt schließlich eine junge Frau auf mich zu:

„Hi! I´m Elina, nice to meet you“

Ich bin verwirrt, denke an die Vorwarnung, von meinem Zimmerkollegen und des auswärtige Amts vr den „KO-Tropfen-Frauen“ und sage ihr:

„sorry I am not interessted“

eine Betretene Paue tritt ein. Schließlich sagt sie, fast entschuldigend:

„We wrote in the app. Party with a lokal, sorry that I am not a guy“

Ich schreibe an die nummer von dem Party with a Lokal Kontakt via SMS:

„Realy, why?

Sie guckt auf ihr Handy, lacht und schreibt zurück:

„I tell you later“

Sie ist wirklich der Kontakt von dort…

Gemeinsam beschließen wir erstmal Essen zugehen, später sagt sie mir, kann sie mir noch ein paar coole Plätze in Riga zeigen, die eher einheimisches Insiderwissen sind. Leider hat sie nur Zeit bis um 6 Uhr, da sie dannach noch Arbeiten muss. Wir gehen etwas außerhalb der Altstadt in ein Dachcafe auf einem Einkaufszentrum. Man fährt hier mit dem Fahrstuhl aufs Dach über dass man dann ca. 50 Meter Läuft, bevor man im hinteren Bereich das Cafe sieht. Mehrere Tische und eine Art Beachbar, machen das Cafe aus, man sitzt in der Sonne und nur ein kleiner Teil ist mit einer Art Zeltdach überdacht. Von hieraus hat man einen herrlichen Blick über die ganze Stadt. Das Essen ist gut und die Gespräche mit Elina spannend.

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Sie erzählt, dass es gar nicht so einfach ist als Frau in dieser Stadt, da der Sextourismus sehr stark ist, bekommt man als Frau wohl ständig komische Angebote in den Apps. Deshalb habe sie jetzt ein Männerprofil, da würden wenigstens nur ehliche Anfragen kommen, von solchen Leuten die wirklich nur weggehen wollen, ohne hintergedanken.
Wir sind fast fertig mit Essen, als es ziemlich schnell recht dunkel wird und anfängt zu regnen. Wir flüchten unter das Zeltdach. Da es so aussieht, dass es noch länger regnet bestellen wir uns noch was. Runter kommen wir vom Dachcafe eh nicht, ohne dass wir 50 Meter bis zum Fahrstuhl durch den strömenden Regen müssten, um dann im Regen vor dem Fahrstuhl zu warten…

Sie Fragt mich, was ich meine, wass sich hier seit meinem Letzten Besuch am meisten verändet hat. Meine Antwort kann sie nicht bestätigen, Spuren des Früheren Kommunismuss, seien zwar für Touristen nicht mehr so sichtbar, aber sobald man nur ein bisschen Raus kommt seien sie noch sehr spürbar. Sie kompensieren das jetzt alles, sagt sie. Sie bauen in der Stadt Protzbauten die keiner will, erzählt sie weiter: Eine Brücke für mehrere Millionen zum Beispiel, die an der Stelle keiner nutzt, aber es war ein berühmter Architekt, und die Stadt wollte ein Bauwerk von ihm haben.
Ich erzähle, dass man es vor 15 Jahren auch noch auf dem Markt gemerkt hat, so habe man damals auf dem Markt zwischen Äpfeln und Birnen auch alte Maschienengewähre und andere Schußwafen kaufen können.
Sie guckt mich verwirrt an.

„Where else if not on the market? Thats normal, children love to look at this kind of stall.“

Das man in Deutschland keine Waffen auf dem Markt so kaufen kann und man eine Lizenz zum erwerb braucht, mag sie kaum glauben.

So viel scheint sich nicht verändert zu haben ist ihre Quintessenz, nur der Sexturismus. Die Männer seien ja auch so Flach und nur auf das eine aus, aber ich sei da ja ganz anders. Schade, dass ich eine Verlobte zuhause habe, sagt sie, so emotionale Männer wie mich gäbe es sonst nicht so viele in Lettland, dabei würde sie schon so lange nach einem suchen.
Ich rücke auf der Chouch erstmal in die Ecke und frage sie ob ich ihr schon mal ein Bild von meiner Verlobten gezeigt habe, die ich ja so abgöttisch liebe?

Sie „no, but tell me more about you, how long are you in Riga?“

Ich „only until tomorow.“

„Oh realy than we have to meet together after work. what are you doing tonight?“

Sag sie und rückt mir noch ein Stückchen näher.

„Oh I already promissed the guy from the hostel, that we will do something together“

Log ich.
Ich gucke auf die Uhr, es ist jetzt kurz anch 5, zum Glück hat es schon aufgehört zu regnen, so kann ich mich rausreden und sagen das wir zahlen müssen, damit sie nicht zuspät zur Arbeit kommt. Ich stehe auf und wende mich zu Kellnerin zum bezahlen.
Sichtlich enttäuscht, git sie mir recht und so bringe ich sie nur noch zu Bushaltestelle.

Den Abend verbringe ich schließlich wieder in der Weinbar beim Blogschreiben, sie hat sich einfach als dafür gut erwiesen.
Zwischendurch schreibt mir noch einmal Elina via SMS:

„you are an amazing guy, don´t you want to meet me again tonight?“

Ich beschließe diese SMS einfach zu ignorieren und genieße den Abend allein, ein tolle Gefühl ist es aber schon für das Ego so eine SMS zu bekommen.

Donnertag, 07.07.

Meinen letzten Tag in Riga habe ich mich mit Gunnar von den Pfadfindern verabredet. Er holt mich zusammen mit seiner Freundin gegen 11 Uhr am Hostel ab. Alles gepackt habe ich schon um die Zeit, so dass ich einfach bei ihm ins Auto springen kann.
Er spricht fast fließend Deutsch, nicht nur Deutsch, sondern auch mehrere andere Sprachen. Gelernt hat er die, so erzählt er, schon als Kind durch das Fernsehen, da hier alle Filme nur mit Untertiteln laufen.
Gemeinsam fahren wir aus Riga raus, er will mit das Pfadfindermuseum von Lettland zeigen, welches ca. 40 Minuten von der Stadt Richtung Westen entfernt ist.
Das Museum ist für ein pfadfinderisches Museum recht groß. Besonders beeindruckt mich die Museumsabteilung der lettischen Pfadfinder im Exil, sie ist unerwartet Groß.
Als die Russen 1945 Lettland besetzten flohen viele vor der Russen nach Westen. Unter der dann kommenden kommunistischen Herrschaft waren Pfadfinder verboten. Dennoch grüdeten sie sich, nicht in Lettland, sondern da, wo die Letten hingeflüchtet sind, am Meisten in Deutschland. Über 150 lettische Exil-Pfadifndergruppen gab es hier bereits 1946. Ihr Archivmaterial hat es zum Großteil hierher geschafft.

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Die Zeit zwischen Museum und meinem Weiterflug lassen wir mit einem ausgeprägten Lunch verstreichen. Vorspeise, Hauptgang und Nachspeise kosten für uns alle drei zusammen gerade mal um die 30 Euro.
Schließlich fährt er mich noch zum Flughafen.
Am Flughafen läuft auch dieses mal alles recht reibungslos, bis auf eines: In der Sicherheitskontrolle besteht der Beamte darauf, dass ich alle Metallischen Sachen ausziehe, auch den Verlobungsring. Schnell soll ich den Platz am Ende wieder frei machen alles rausnehmen au der Schale und die Sachen weiter hinten am Tisch wieder anlegen.
Als ich feststelle das mein Verlobungsring weg ist, ist es schon zu spät, gefunden wurde er auch nicht.

Gegen 18.30 Uhr lande ich schließlich in München und Gabriele holt mich am Flughafen ab.
Jetzt stehen erst Mal 10 Tage Pause an, bevor wir zusammen weiterreisen.

zurück in Tehran – Mein Fazit aus dem Iran

Samstag, 02.07.

Der Flug verläuft ohne zwischenfälle, abgesehen von der Verspätung von über einer Stunde. Flüge sind hier echt billig, zwischen 15,- und 40,- Euro kosten sie hier.  Von diesem Flug bin ich echt erstaunt, es ist ein Großer Jumbo mit drei Reihen sitzen und er ist wirklich voll. kurz vor dem Assteigen komme ich noch mit meinem Nachbarn in Kontakt. bis dahin dachte er noch ich sei Iraner, doch als er mich etwas fragte kam meine touristische Identität dann doch raus…
Er ist wohl Professor an der Universität, hat in Edinburgh in England studiert und ist Tiermediziner spezialisiert auf Kühe und Pferde. Wir unterhalten uns belendend und schließlich bietet er mir sogar an, mich zum Hostel zu fahren. Ich bin sehr froh darüber, dann muss ich nicht die überteuerten Taxis um die Zeit bezahlen.
Wir tauschen noch die Telefonnummern aus und er verspricht sich in einer woche zu melden, dann sei er aus Frankreich wieder da.

Gegen 2 Uhr Nachts bin ich am Hostel, gleich schlafen lege ich mich nicht, sondern tasche mich noch mit den anderen Gästen aus. Viele neue spannende Menchen sind dort, zwei Deutsche, die seit 8 Monaten durch die Welt reisen, ein Mädel, das gerade von 9 Monaten Süd-Ost-Asien nach Iran gekommen ist und hier ihren Freund trift, ein Engänder, der in sechs Monaten mit seinem Motorad um die Welt will und zwei deusche Mädels im alter um die 25 die beide Journalisten für die Zeit-online sind, aber gerade hier Urlaub machen.
Bis ich im Bett lieg ist es bestimmt 4 Uhr.

Auch Ali, der Leiter vom Hostel ist da, er freut sich mich weider zu sehen.
Nach einer Mütze von Schlaf erzählt er mir, dass die Zukunft des Hotels gerade unklar ist, er versucht es legal als Hotel an zu melden und es gibt nu zwei Optionen: entweder es klappt, oder er kann den Laden dicht machen und das investierte Geld ist weg.

Ich versche den Tag zu nutzen um Blog zu schreiben, aber so recht kann ich mich nicht aufraffen. Viel raus will ich auch nicht. Schon bei dem Gedanken in die Stadt zu gehen schmecke ich den gedanklichen Aschenbecher im Mund.
Am vormittag ist außerdem ein koreanisches Mädel aufgetaucht, sie ist 23 und völlig aufgelöst, weil ihr Koffer weg ist. Sie erzählt viel unteranderem, dass sie noch nie im Ausland war außer bei ihrere Arbeitsstelle: Sie arbeitet bei einer koreanischen Entwicklunghilfestelle in der Botschaft in Pakistan.

Abends gehe ich schließlich mit ihr noch in der Stadt etwas essen, wirklich viel passiet bei mir an dem Tag aber nicht.

Auch am

Sonntag, 03.07.

passiet nun wirklich nichts, außer das ich ich endlich aufraffen kann um Blog zu schreiben.

Gegen 11.30 Uhr holt mcih schließlich der Fahrer vom Hostel ab um mich zum Flughafen zu fahren. Ali, der Leiter vom Hostel kommt noch mit raus um mich zu verabschieden, wir tauschen noch die FB-Kontakte aus und versprechen uns gegenseitig im Kontakt zu bleiben. Auch mit ihm war es eine wirklich schöne Zeit und wir haben uns sehr gut verstanden.

Mein Fazit vom fast 4 Wochen Iran:

Zusammengefast war der Iran eine Tolle Zeit, mit höhen und tiefen.

Es ist das erste Mal, dass ich mit Couchsurfing unterwesg bin.
Die Masse der Angebote, die ich für den Iran bekommen habe ist überältigend. An die 60 Angebote habe ich aus dem Iran innerhalb von kürzester Zeit erhalten. Sehr unterschiedliche Angebote. Dabei kam die eigentliche Idee erst durch das gleichnamige Buch Couchsurfing im Iran von Stephan Orth.

Die Idee sich den Iran jetzt nochmal anzugucken bestand dagegen schon länger. Eigentlich entstand sie bei dem Blick auf die Karte mit der Frage: „in welche Gegenden der Welt bin ich bisher noch gar nicht gekommen  – die nicht so weit weg sind und in die wir auch nicht auf unserem gemeinsamen Reiseteil reisen werden und zu teuer sollte es auch nicht sein! Dann kam die Idee des Irans und schließlich kam dieses Buch raus.
Nun stand es fest. Iran und das via Couchurfing.
Angemeldet bei Couchsurfing hatten wir uns für unsere gemeinsame Reise gerade erst, da wir hoffen auch in Afrika das Forum nutzen zu können.

Bevor ich mein Gesuch einstellte informierte mich nochmal darüber, las das Buch fertig. Dann Annochierte ich und stellte fest, dass es eigentlich verboten ist für Iraner Ausländer zu hosten  – hmmmm- zu spät Angebot ist erstellt, ich denke noch lange darüber nach ob ich moralische Bedenken habe, doch so begeistert wie mir in dieser Zeit schon die Leute schreiben, dass sie umbedingt wollen, das ich zu ihnen zu beusch komme, beschließe ich den Bedenken nachzugeben und mich drauf ein zu lassen.

Ich habe viele tolle Einladungen bekommen und habe vier von ihnen angenommen. Mit zahlrichen habe ich mich noch versucht zu treffen, was dann leider nicht geklappt hat.

Ein bisschen ein mulmiges Gefühl war es schon, so ins Blaue zu fahren. Im Grunde hatte ich nur die Flugtickets und die Hotelreservierung für die ersten zwei Nächte. nichtmal das Visum und einen Plan B gab es nicht.

Die Hosts orort aren ehr unterschielich, ich bin bei fast jeder Gesellschaftsschicht im Iran mal untergekommen und habe mit jedem Host verschiedene Lifestyls des Irans erlebt. vom religionstreuen Moslem bis zu dem der sich weder um die Religion noch um die Geetzte des islamischen Staats scheert.

Ich hatte bei meinen Hosts langweilige, spannende anstrengende und meist unvergessliche Moment. Alle waren sie unglaublich Gastfreundlich, einmal fast erdrückend Gastfreundlich. Für mich war es eine ehr tiefgehende Erfahrung, die ichnicht missen möchte und die ih jedem nur an das Herz legen kann. Es hat mir spaß gemacht im Iran, diese vielseitigkeit vn Landschaft und von Leuten zu erleben.

Würde ich wieder in den Iran fahren, ich würde es wieder mit CS tun 😉

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Ahwaz- „Willkommen in der Hölle, sie ist ähnlich heiß…“

Montag, 27.06.

Auf meinen letzten Tag in Shiraz gucke ich sehr zuversichtlich, er verspricht spannend zu werden, ich will das iranische Mädel mit welchem ich mich verabredet habe ausfragen, wie es für Frauen so im Iran mit dem Thema Beziehung und Liebe bestellt ist. Ich stehe extra etwas früher auf, damit ich gegen 11 Uhr auf jeden Fall fertig bin mit Sachen packen und soweit alles für den Abflug vorzubereiten. Immerhin habe ich keine Ahnung, wie lange das treffen dauern wird.
Um 11:21 Uhr kommt eine SMS:

Hi Sry I slept over. I just woke up :/ :/ :/

Hmm na gut denke ich mir, kann ja mal passieren und Antworte um 11:23 Uhr:

„=) Oh. good morning 😉 Take all the time you need and we see us later? Write me when you are in the car 🙂

Ich setzte mich zu Mohammed um 12:35 Uhr schreibe ich ihr nochmal:

Ich: „At what time you think that you can be here?“
Sie: „Not sure. we r having some guests over“
Ich: „But we still can meet? Becaue time ist getting less and I have o be at the airport at 8pm“
Sie: „If ur flight is at 8 i should be there earlier“

So ganz werde ich aus ihrer letzten Nachricht nicht schlau, deshalb überlege ich kurz und schreibe ihr um 12:45 Uhr

Ok, so than I will visit inbetween something in shiraz and when you know more, call me, I will tell you where we are. =)“

Gemeinsam fahren Mohammed und ich mit dem Taxi los, um auch den Tag sinnvoll zu nutzen. Unser Ziel ist der wohl älteste Friedhof im Iran, einige Gräber hier sind über 1400 Jahre alt, so bekomme ich erklärt. Um den Friedhof ranken sich viele Legenden und abergläubische Menschen wie Mohmmeds Mutter betreten den Friedhof erst gar nicht, sie rät uns sogar davon ab dort hin zu gehen, der Ort soll verflucht sein.
Der Friedhof ist beeindruckend, Grabstein auf Grabstein liegen hier, man hat das Gefühl das seit Jahrhunderten einfach willkührlich hier die Gräber platziert. Das Gelände ist riesig, dennoch liegen hier so viele Grabsteine übereinander und nebeneinander, das man kaum zwischen sie treten kann und an einigen Stellen es nicht anders geht, als über sie zu laufen. Einige wenige Gräber sind bunt geschmückt, viele Grabsteine sind Kunstvoll verziert mit Relieffen, bis hin zur Kaligraphie. Sie sind nur halb oder nur ansatzweise zu sehen, weil sie zur hälfte unter anderen Grabsteinen oder unter der Erde liegen. Die eigentlichen Gräber sind nicht unter den Steinen, sondern irgendwo anders auf em Friedhof, es ist hier auf diesem Friedhof nicht üblich, das man die Toten unter dem Stein beerdigt, der ihnen gedenkt.

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Zwischen mehreren Grabsteinen, liegt ein Schafsschädel, eingewickelt in Leinen, mit einer Münze im Maul und mit mehreren Nägeln im Kopf. Ein markaberer Anblick. Eine Tradition bekomme ich erklärt, ein Aberglaube. Die Legende besagt, das wenn einem von einer anderen Person unrecht angetan wurde, man hier vergelten kann in dem man einen Schafskopf so präpariert wie wir ihn fanden und ihn dann vergräbt. Gott wird ihn dann rechen und ihn wie dieses Schaf umbringen.
Doch den Friedhof soll es in der Form nicht mehr lange geben, die Stadt hat beschlossen, dass es besser sei, wenn die Gräber in einer Reihe liegen, außerdem so erfuhr ich später noch, will man in Zukunft keine Grabsteine mehr auf diesem Friedhof aus der vorislamischen Zeit haben.

Vor dem Friedhof treffen wir uns schließlich noch mit Freunden von Mohammed, Mostafa und noch einem Freund, der für mich auch neu ist. Gemeinsam kurven wir ein bisschen durch die Stadt und keiner hat so recht einen Plan was wir tun sollen. Die Straßen sind wegen des Feiertags (tod des 1. Emam) wie leer gefegt und es haben wirklich ALLE Läden und Einrichtungen geschlossen. Es ist ein ungewohntes Bild auf Irans Straßen.

Schließlich beschließen wir an den Ort zu gehen, wo wahrscheinlich an diesem Tag ein bisschen mehr los – dem Schrein des Burders und der Schwester vom 8. Emam in Schiraz. (den Schrein des 8. Emam hatte ich ja schon in Mashhad besucht)
Er ist wie auch der Schrein in Mashhad beeindruckend. Was ihn aber im wesentlichen unterscheidet: Er ist nicht ganz so groß, es gibt nur wenig Gold und zwischendurch auch eine ganz normale Halle und ich darf hier offiziell rein und Fotos machen.
Hier suchen wir uns eine Ecke und halten uns eine ganze Weile auf, Unterhalten uns und versuchen Witze von unserer Muttersprache ins Englische zu übersetzten. Es lohnte sich auch hier zu Chillen, nicht nur weil es hier kühler ist als draußen, sondern auch weil wir zwischendurch den Moscheewächtern mit ihren Staubwedeln zugucken konnten, wie sie eine Gebetszeremonie vor dem Schrein vollzogen.

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Gegen 6 Uhr fahren wir noch mal zu Mohammed, wo wir einen Tee trinken und ich mich von seiner Mutter verabschiede bevor wir uns auf den Weg zum Flughafen machen.

Am Flughafen geht dieses mal alles recht schnell und kurz bevor ich in das Flugzeug steige bekomme ich noch eine SMS von dem Mädel von Tinder:

sorry I past time :/ :/ :/

Der Flug war das erste Mal, dass ich mit einer Propellermaschiene Fliege. Sie ist sehr klein, max. gehen 40 Leute rein und sie ist etwa halb voll.

Vor meinem nächten Ziel haben mich immerwieder alle Iraner gewarnt. Ich fliege nach Ahwaz, dass liegt im Südesten des Irans, nahe der irakischen Grenze. Ihre Warnung war nicht, weil es nah der irakischen Grenze liegt, sondern die Gegend zählt zu den heißesten Gegenden der Welt. Im Sommer klettert das Termometer gerne Mal auf bis zu 55 oder 60 Grad Celsius. Das aber wohl gefärlichste ist der Sandstaub, er weht scheinbar gerne mal von den irakischen Wüsten rüber und macht dann wohl ein normales Atmen unmöglich. Er ist aber wenn dann wohl oft nur einen gelegentliches Phänomen.

Am Flughafen in Ahwaz schlägt mir beim Austeigen aus dem Flieger sofort die wärme entgegen, obwohl kurz vor Mitternacht ist, hat es hier immernoch rund 45°C. Mein Kontakt von Chouchsurfing Empfängt mich zusammen mit seinem Bruder dirket am Flughafeneingang, noch vor der Gepäckaufnahme. Mit den Worten:
„welchome to hell, the heat is similar“
Er ist zwei Jahre älter als ich, heißt Mehdi und Arbeitet wie viele Bewohner in Ahwaz in der Ölindustrie. Noch vor 100 Jahren hatte die Stadt gerade mal 2000 Einwohner; dann wurde hier Öl entdeckt und heute hatte die Stadt rund 1 Million Einwohner.

Seine Wohnung ist eher das Gegenteil von der Art Wohnen, die ich in Shiraz hatte, seine Familie wohnt in einem Großen Haus in Ahwaz, in einer besseren Gegend – es hat der Bruder von Mehdi selbst gebaut, er ist Architekt. An der Tür sind 20 Klingeln, wohnen tut hier aber nur die Familie von Mehdi. Die Familie, dass heißt in dem Fall: Er, seine sechs Brüder, seine Mutter und Schwestern.

Ich bekomme eine Ganze Wohnung im Haus für mich alleine. In der Wohnung ist als ich ankomme bereits ein Abendessen angerichtet, es stehen mehrere Gerichte auf dem Tisch, bestimmt 10 Verschiedene. Ich versuche alle zu probieren, doch bei 10 Gerichten ist man dennoch recht schnell satt. Alle zu probieren schaffe ich nicht, dass tut mir sehr leid, denn eines ist leckerer als das andere. Mit am Tisch sitzen noch ein Anderer Bruder und die Nichte von Mehdi.
Dannach quatschen wir noch ewig. Erst gegen 2 Uhr liege ich schließlich im Bett, nach dem sich Medhi nochmal mehrfach versichert hat, dass es mir gut geht und ich mich mich wohl fühle- bestimmt 10 Mal.

Dienstag, 28.06.

Den ersten Tag will mein Host sehr langsam angehen. Auch er hat Angst, dass ich die Hitze nicht vertrage, er hat überhaupt viel Angst um mich, darum, dass ich vlt. zu wenig zu Essen oder zu Trinken habe, darum, dass das Zimmer, das er führ mich gewält hat das richtige ist, und und und….
Das Wetter heute ist Trocken, keine Luftfeuchtigkeit und um die 50°C am Tag. Morgen soll es wärmer werden.
Den Tag bis ca. 5 Uhr verbringe ich mit Blog schreiben und Quatschen mit Mehdi.
Die nächsten Tage hat er schon voll durchgeplant, morgen will er mit mir Jetskifahren gehen und die Tage noch mit mir in einem kleinen Dorf übernachten.
Ich bin nur 4 Tage in Ahwaz, doch er hätte locker Program für 2 Monate für mich.

Gegen 5 Uhr gehen wir schließlich raus, mit dem Auto in die Stadt. Er zeigt mir alles vom Auto aus. Den Fluss, die Brücken, die Uni.
Ahwaz hat zwar nichts für Touristen, so sagt es der Reiseführer, dafür ist die Stadt geschichtsträchtig. Das Öl endeckten die Franzosen und Engländer. Beide wollten nur das Öl und gaben der Stadt dafür nichts. Da waren die Deutschen besser, bekomme ich erzählt. Sie bauten eine Brücke über den Fluss, der bis dahin noch die Stadt in zwei Teile teilte. die Brücke ist etwa 100 Jahre alt und steht noch bis heute, nur sind es jetzt wesentlich mehr Brücken die den Fluss Kreuzen. Wir fahren die meisten von ihnen einmal ab.
Auch im Irak- Iran- Krieg blieb die Stadt nicht außen vor, mit den riesiegen Ölfeldern rund um die Stadt war sie stark umkämpft. An einem Gebäude zeigt er mit noch die Einschußlöcher von den Gefächten. Auch seine Familie war vom Krieg betroffen erzählt er mir. Ursprünglich wohnten sie in einem Ort dirket auf der Grenze, doch als der Krieg anfing ließen sie alles zurück und immigrierten als Kriegsflüchtlinge nach Shiraz. Erst 8 Jahre später als der Krieg vorbei war kamen sie wieder und zogen nach Ahwaz. Sie hatten Glück, sagt mir Mehdi, von seinen Brüdern und Schwestern ist keiner im Krieg gebließen – viele andere Familien hingegen haben Mitglieder im Krieg verloren. Noch heute 20 Jahre später mahnt viel an den Krieg. Unübersehbar stehen vor jedem Dorf im Iran die Bilder derer, die aus dem Ort im Krieg gefallen sind, hier werden sie als Helden verehrt.

Aussteigen tun wir erst nach einer längeren Fahrt, um über den Basar zu schlendern. Viele Läden haben heute nicht auf, auch wegen Ramadan. Anders als andere Basare ist er sehr luftig gebaut und vor den Läden hängen überall Tücher, die die Sonne abschirmen. Mehdi ist sehr besorgt um mich, immer wieder fragt er mich, ob es mir zu heiß ist, das ich mit dem Verkehr vorsichtig sein soll und ob wir besser wieder zurück gehen sollten.

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Ich setzte mich durch, das wir weiter gehe, mir macht die Hitze erstaunlich wenig aus, ich finde sie sogar sehr angenehm, wobei ich mich dennoch nach Möglichkeit nur von Schatten zu Schatten bewege, zu stark ist die Sonne sonst.
Etwas unangenehm, ist mir, dass Mehdi mich zu allem einlädt. Alles was ich länger interessiert angucke will er für mich kaufen, es ist schwer ihn davon abzuhalten. Seine Antwort darauf ist, dass es Tradition ist, dass man dem Gast alles bezahlt und er es Komfortabel haben soll.

Am Abend lerne ich schließlich Mehdis Brüder kennen. Alles Promovierte Leute, Mediziner, Architekten und Pharmazeutiker. Bei der Familie ist es kein Wunder, dass sie sich so ein Haus in Ahwaz leisten kann.
Alle sind sie sehr nett und aufgeschlossen. Die Frauen im Haus habe ich aber bisher immernoch nicht kennen gelernt, sie bekochen mich die ganze Zeit fleißig, aber zu gesicht bekam ich sie bisher nicht.
Ein Bruder fehlte auch noch in der Runde, wir besuchen wir später in seiner Apotheke, wären wir noch ein bisschen durch die Einkaufsstraßen bummeln.
Den abend lassen wir in einem Resturant ausklingen, Mehdi sucht einen Italiener aus – wirklich Italienisch ist die Küche nicht, in erster Linie ist sie sehr teuer und er besteht darauf, dass ich das teuerste Gericht von der Karte nehmen.

Ins Bett komme ich erst so gegen 1 Uhr nachts.

Zuvor finde ich noch die Zeit um Marcus zu schreiben, dem Deutschen, den ich am Anfang in Tehran kennengelernt habe:

Der Host dieses Mal übertreibt es in meinen Augen, er lädt mich wirklich zu allem ein. Nur in die teuersten Restaurants und morgen will er mich zum Jetskifahren einladen… auf dem basar wollte er alles für mich kaufen was ich länger betrachtet habe. Er würde selbst den Perserteppich für mich kaufen und ich könnte ihn warscheinlich nicht davon abhalten ihn für mich zu bezahlen…
Ich habe schon ein schlechtes gewissen und fühle mich machtlos zu intervennieren …
Soll ich ihm sagen das ich ein Problem damit habe und mich damit unwohl fühle?

Mittwoch, 29.06.

Wer in solch einer Hitze wie heier die Zeit finden will etwas zu unternehmen, der Muss früh aufstehen, denn zwischen 12 und 5 ist es so heiß, dass nichts geht. Für mich hieß das also schon um 6 Uhr aufstehen. Nach so einer kurzen Nacht, ist das schwer für mich, ich schaffe es erst um 6.30 Uhr mich wirklich aus dem Bett zu bewegen.

Markus Antwort auf meine Frage von gestern ist wie folgt:

Nimm an. Wenn er so nachdrücklich anbietet ist es ihm wohl sehr wichtig. Es kann zum Beispiel sein, daß er noch einen verstorbenen Verwandten von dessen Sünden freikaufen muß. Nimm es einfach mit, das scheint kein taroof zu sein.
(Anmerkung: Taroff ist der Iranische Begriff für die standing Ceremonie)

Schon um 7.00 Uhr als wir losfahren hat es draußen 43°C
Wir fahren Richtung Norden. Mehdi hatte die Idee mich Jetski fahren zu lassen zu wollen. Dafür wollen sie im Norden zu einem Staudamm bei Dezful mit mir. Sein Bruder und ein Frend kommen noch mit.
Kurz holen wir noch Eis an der Straße um die Lebensmittel die sie gepackt haben zu kühlen.
Eishändler sieht man her immer wieder, gerade am Morgen. Sie haben große Eisblöcke vor sich und schlagen davon nach bedarf eis ab, dass sie einem verkaufen.

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Ich bin erstaunt, wie Grün es hier ist. Erst ist es zwar noch trocken und man sieht am Horizont immer wieder die Feuer der Ölrafinerien, doch recht schnell wird es Grüner. Erst mit vielen Dattelhainen und schließlich sieht man vereinzelt sogar Reisfelder. Der Großteild er Strecke führt uns über den Highway. 120 ist auch heir erlabt, diese sind aber mit vorsicht zu fahren, denn immerwieder sind Schaafs- oder Rinderheerden, neben oder Auf der Straße und so kommt es nicht selten vor, dass wir deshalb ausgebremst werden.
Den Vormittag will Mehdi mit mir noch ein bisschen klassisches Touristen Program machen. Auf dem Plan stehen Chogha Zanbil und Susa, beide liegen auf dem Weg.

Gerade Chogha Zanbil ist sehr beeindruckend. Die Ruinenstadt ist über 3300 Jahre alt und dafür recht gut erhalten. mit einem Rohrsysthem pumpent die Einwohner schon zu der Zeit das Wasser über mehrere Kilometer und 300 Höhenmeter den Berg hoch. Leider bin ich noch zielmlich verschlafen von der kurzen ANcht, weshalb sich meine Emmotionen doch recht stark in Grenzen halten.

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Susa ist eine alte Festung von den Franzosen, die nach europäischem Vorbild auf dem Berg der Stadt errichtet wurde. direkt danneben liegt noch eine Archeologische Städte eines Palastes, so groß wie Persepolis ist er und auch aus der selben Zeit.
Leider ist es da bereits schon so heiß, das wir beschließen ihn uns nicht an zu gucken. Es gibt hier keinen Schatten und mittlerweile ist das Temometer auf weit über 50°C geklettert. Unsere Wetteraps geben uns unterschiedliche Infos: meine sagt 55°C Mehdi spricht sogar von an die 60°C, die nächsten Tage sollen noch heißer werden.

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Schließlich fahren wir weiter nach Dethful, so langsam geht es gen Mittagshitze, wir haben alle Hunger und und die aussicht auf ein Kühles Nass ist doch verlockend.
gegen 12 Uhr sind wir in Dethful, doch die straße zum Staudammufer ist gesperrt. entgegen dem Verkehr fahren wir die Straße runter bis zu einem Wärterhäußchen.
Mehdi und sei Freund steigen aus und diskutieren mit den Wärtern. Drei minuten nicht länger, dann geht die Schranke hoch und sie kommen wieder ins Auto:
„we can go, but they want that you talk with them“ sagt mir Mehdi „maybe some words in german“
Na gut denke ich mir, wir halten vor dem Wärterhäußchen, ich lasse das Fenster runter und drei Wärter starren mich erwrtungsvoll an.
„Hallo, ich soll mit euch was reden, aber ich weiß gar nicht was ich sagen soll, also rede ich einfach irgendwelches Zeug, denn ihr versteht mich vermutlich eh nicht“ sagen ich.
Sie sind begeistert, freuen sich wie Kinder reden noch drei Sätze in Farsi auf mich ein, dann lachen sie und winken mich weiter. Aber nicht ohne vorher noch kurz die Worte Football und Bayern Munich zu erwähnen. Es scheint fast als hätten sie zum ersten Mal einen deutschen Touristen gesehen.

Das Ufer ist gerade eine einzige Baustelle. Es kommt raus, dass vor ca. 3 Monaten bei schweren Regnfällen das gesammte Ufer weggespült wurde. Es war völlig zerstört, teilweise ist auch keine Straße mehr da. Hier können wir nicht bleiben. Mehdi ist das sehr unangenehm, er hatte mir gesagt wir fahren Jetski und jetzt geht das nicht. Er fragt ettliche Leute, ob das noch irgendwo geht, doch er bekommt wohl immer die Gleichen Antworten: Das geht nicht, denn erstens ist es in Ramadan verboten und zweitens ist durch die Überschwemmung das Ufer kaputt.

Schließlich fahren wir weiter. Nördlich von Dethful gehen wir ab von der Straße und finden schließlich einen Netten Platz. Auch hier ist das Ufer durch die Überschwemmung zerstört und gerade Baustelle, doch in einer Künstlich gemachten Höhle, kommen wir unter.
Als erstes Springen wir in den Fluß, nur kurz, da die Sonne ziemlich brennt, aber das Wasser ist angenehm Kühl und kristalklar.
Mehdi kommt erstmal nicht ganz zur Ruhe, er ist sehr aufgebracht, das ich nun nicht Jetski fahren konnte. Ich muss ihn erstmal beruhigen und ihm erklären, dass es nicht seine Schuld ist und er deshalb kein schlechterer Gastgeber ist. So ganz habe ich das Gefühl gibt er sich mit der Antwort nicht zu Frieden.
Mehdi und sein Bruder grillen, dass Essen ist köstlich und bis zum Abend genießen wir die Zeit am Wasser und haben auch ohne Jetski einen riesen Spaß.

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Erst gegen 22.00 Uhr sind wir wieder zu Hause bei ihm. Wieder gibt es ein Riesiges Essen und wieder wird es spät bis ich im Bett liege.

Donnerstag 30.06

Und wieder heißt es früh aufstehen. Ich bin zwar vor Müdigkeit nicht ansprechbar, dafür bin ich um 06.30 Uhr Fertig. Mehdi dafür noch nicht. Diesmal hat er verschlafen. Erst um 8 Uhr kommen wir los.

Mehdi hat für heute etwas besonderes organisiert. Er hat einen Feund gefragt, dass wir die Nacht in einem Dorf an einem See unterkommen. Abends will er dann mit mir zu einem Wasserfall laufen. Seine beiden Brüder kommen auch noch mit, sie haben sich extra Urlaub genommen um mit dabei zu sein.

Für Iranische Verhältnise ist der See ganz in der Nähe, nur ca. 4 Stunden mit dem Auto Richtung Osten.
Auch diesesmal liegen auf dem Weg viele Ölfelder, noch mehr als im Norden. Die Gegend wird diesesmal ach ncht Grüner, sondern vorwiegend trockener. nur wenig Dörfer liegen unterwegs.
Einmal bleibt mir ein Plakat besonders im Gedächnis. auf ihm ist Die Freiheitsstatue mit einem Maschienengewähr abgebildet und neben ihr brennt die Iranische Flagge. Wohl ein eindeutiges Votum wie man hier zu den USA steht.

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Die fahrt ist lang, ein Highway gibt es dieses Mal nicht, sodern nur kleine Sträßchen die ich in Serpetinen die Berge lang winden. Ich versuche die Zeit einbisschen zu nutzen um den Schlaf nach zuholen.

Unser Vorlufiges Ziel ist schließlich ein Stausee. Ihn gibt es erst seit 11 Jahren erfahre ich und das Dorf zu dem wir wollen liegt am anderen Ende. Bis heute war es nicht möglich eine Straße zu dem Dorf zu Bauen. Der einzige Weg ist eine Fähre, sie fährt ur zwei Mal am Tag und die letzte geht um 14.00 Uhr.

Eine richtige Anlegestelle gibt es nicht für die Fähre. Eine kleine Landzunge ragt in den Stausee. An ihrem Ufer liegen zahlreiche Schiffswracks. Nicht gerade sehr vertrauenserweckend. eine Anlegestelle gibt es nicht. Die Fähre hält mitten am Ufer. Der Mitarbeiter schiebt noch ein bisschen Erde zurecht um die gröbsten Höhenunterscheide zwischen der Fährklappe und dem Ufer zu überbrücken und dann versuchen die Autos irgendwie auf die Fähre zu kommen. Ein Abenteuer für sich.
Die Fähre ist staatlich, für die Leute, welche vom Stausee betroffen sind. Sie ist kostenlos, aber es dürfen nur Anwohner mitfahren. Es kostet Mehdi wohl etw verhandlungsgeschick, aber am Ende hat der Fährmann ein gutes Trinkgeld in der Hand und wir kommen mit.

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Die Fähre ist schon älter und sieht nicht gerade vertrauens erweckend aus. Das findet wohl auch Mehdi und drück mir erstmal eine Schwimmweste in die Hand. Er ist besorgt dass ich nicht schwimmen kann und will auf keinen Fall, dass mir im Falle eines Falles etwas passiert. Deshab hat er die Schwimmweste extra vorher für mich gekauft.
Auf der Fähre kennst sich jeder. Sechs Fahrzeuge sind auf der Fähre, etwa 15 Leute, man rifft sich auf der Brücke im Schatten.

Die Fahrt dauert etwa 1,5 Stunden. immerwieder hält die Faähr zwischen durch am Ufer. Das heißt, sie hält irgendwo am Ufer, fährt so nah ran wie möglich und zwei oder drei Leute springen ab oder klettern auf die Klappe rauf. Wenn ein Auto runter muss ist es jedes Mal ein pannender Moment, ob das Auto es über die Klappe ans Ufer über den Spalt und die höhenunterschiede schafft. Die Fähre Funktioniert wie ein Taxi, wenn jemand drauf will ruft er kurz den Fährmann an, dieser Fährt dann an die Stelle wo der entsprechend steht und sammelt ihn ein. Exakte Abfahrtszeiten gibt es also nicht und wer die letzte verpasst muss bis zum nächsten Tag warten.

Das Dorf heißt Shivand, es liegt am Ende des Sees. Eine echte Straße gibt es nicht, aber eine plattgefahrene Schotterpiste. Mehdi ist froh, dass er sich am morgen entschieden hat des SUV zu nehmen und nicht den Kleinwagen. Mitten auf dem Weg fängt uns ein Motorad ab. Ein kurzes Gepräch zwischen Mehdi und dem Motoradfahrer und wir folgen ihm.
Ich frage Mehdi ob es der Freund ist, den er hier kontaktiert hat und bekomme zur Antwort: „Yes he is a friend“

Der Weg wird immer schlechter, dafür wird das Tal schlagartig grün, fast Urwaldartig. Der Weg wird dafür nahezu unbefahrbar – dem Bruder, dem der SUV gehört bekommt regelrecht Schweißperlen auf der Stirn. Mehrfach setzten wir mit dem Unterboden auf und oft sieht es so aus, als ob es gar nicht mehr weiter geht.
Schließlich erreichen wir das Ende der Straße, von hieraus geht nur noch ein Fußweg weiter
Der Motoradfahrer Lotzt uns auf ein umzäuntes Gundstück, da der Weg darauf noch schlechter ist, steigen wir besser aus. Gut so – mehrfach drehen die Reifen durch und er Wagen hebt hin und wieder vom Boden ab.

Der Motorradfahrer führt uns schließlich zu einem Asphaltierten Platz am Bach der durch das Tal fließt und an dessen Ende wohl der Wasserfall liegt. in Weiterferne kann man ihn auch schon durch einige Baumwipfel sehen.

Eine kurze Diskusion entbrennt zwischen dem Motorradfahrer, Mehdi und seinen Brüdern.
Ich frage was los ist? Der Motoradfahrer ist nicht der Freund, mit dem er Kontakt aufgenommen hat, sondern der Freund eines freundes Freund. Eigenltich ahtten sie sich darum bemüht hier in einem Haus schlafen zu können, doch das sei nicht möglich, wir sollen hier auf dem Platz am Bach kampieren. Darauf waren wir wiederum nicht vorbereitet. Zurück geht es jetzt auch nicht mehr, eine Fähre fährt heute nicht mehr.
Mehdi und seine Bruder machen sich Sorgen man sieht ihnen die Anspannung an. In ihrer Kultur ist es normal, dass man dem Gast nur das beste bietet, doch nun ist in ihren Augen der schlimmste Fall eingetreten:
Se können mir nicht das Versprochene bieten und ich muss unter freiem Himmel schlafen.

Sie Diskutieren noch mal ein bisschen rum und bieten mir schließlich an, dass sie jemanden im Ort gefunden haben, der mir einen Schlafplatz anbieten kann, da könnte ich dann alleine übernachten. Ich lehne es ab und versichere ihm, dass alles in bester Ordnung ist, ich das als Abenteuer sehe und Abenteuer am meisten liebe.
Es braucht noch ein bisschen Arbeit bis ich ihn davon überzeugt habe, doch dann sind sie guter Dinge, packen das Grillzeug aus und Fangen an das Essen zu präparieren.
Bis wir Mittagessen ist es dennoch 5 Uhr durch.

Als wir bei Essen sitzen kommen noch ein paar andere Junge Leute um die 30 Jahre alt mit Taschen und Rucksäcken, sie wollen auch hier bleiben und fangen an ihr Zelt auf zu bauen, die Wasserpfeiffen auszupacken und ebenfalls zu grillen.
Auch wir fangen an uns für die Nacht vorzubereiten. Von irgendwo taucht Plötzlich doch ein Zelt auf und sie haben sogar aus dem Dorf Decken und Kopfkissen organisiert. Natürlich bieten sie mir das Zelt an und sagen, dass sie draußen schlafen wollen. Doch ich bestehe drauf, dass wir uns das Zelt teilen und schließlich scheinen sie doch ganz glücklich darüber zu sein, dass sie nicht unter freiem Himmel schlafen müssen.

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Wir beschließen das es heute zu spät ist zum Wasserfall zu gehen und das auf morgen zu verschieben. stattessen setzen wir uns noch zu den anderen, die neben uns Zelten. Einer von ihnen spricht Englisch, er ist wohl Lehrer und macht gerne Auflüge, so auch diese Tage zum Wasserfall.
Sie laden mich ein mit ihnen Wasserpfeife zu rauchen und schließlich holen sie eine Flasche raus. Wein, so sagen sie, sie wollen meine Meinung dazu wissen, wie er schmeckt, denn ich als Deutscher habe ja mehr Erfahrung mit sowas. Einer von ihnen hat ihn selbst gemacht.
Ich gucke Mehdi fragend an, ob das wohl gut ist, er sagt mir, dass ich besser abwarte, ob sie ihn selbst auch trinken, bevor ich ihn probiere. Alkohol ist stengstens verboten und auch vor selbstgemachtem wir oft gwarnt, da die Prozentzahlen oft an der lebensgefährlichen Grenze schweben. Ich lasse mich also darauf ein, sage ihnen aber, dass ich ihnen ja nicht alles wegtrinken will und dass mir deshlab ein kleines Glas reicht.

Er schmeckt erstaunlich gut, aber Wein ist es nicht mehr. Eher Likör oder etwas drüber. Um die 30% würde ich schätzen und es schmeckte mehr nach Amaretto mit Fruchtaroma als nach Wein.
Auf nachfrage wie ich ihn finde bezeichne ich ihn vorsichtig als Dessertwein

Den Abend lassen wir die Jungs schließlich allein und da ich immernoch ein Schlafdefizit habe, bestehe ich darauf nicht zu lange zu bleiben und schaffe es so schließlich doch bis um 00:30 im Zelt zu liegen.

Freitag, 01.07.

Um etwa 7 Uhr wecken mich Mehdi und seine Brüder. sie haben schon gekocht, es gibt Eier zum Frühstück. Unsere Zeltnachbarn schlafen noch.
Wir Frühstücken und packen die Sachen, denn leider haben wir nicht viel Zeit, um 12.00 uhr fährt die letzte Fähre, bis dahin wollten wir noch am Wasser Fall gewesen sein.

Im Vergleich zum Weg durch das Dorf ist dieser Weg echt harmlos. Er erinnert ein bisschen an den Wanderweg auf den Brocken oder das Felsenmeer in Deutschland. Ein steiniger Trampelpfad über Stock und Stein.
Ca. 30 Minuten ist der Weg lang, wenn alles glatt läuft. Leider nicht bei mir, meine Schuhe geben auf dem Weg ihren Geist auf. Sie Reißen an der Seite, so dass sie eigentlich unbrauchbar sind. Leider habe ich keine anderen.
Auf dem Weg finden wir ein Weggeworfenes paar Schuhe. Diese benutzen will ich dann doch nicht, aber mit deren alten Schnürsenkeln können wir meine Schuhe notdürftig reparieren. Ich laufe nicht stabiel, aber ich komme damit weiter.

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Der Wasserfall ist ein umwerfendes Naturschauspiel. Außer uns sind schon ein Paar andere Leute da, sie baden unter dem Wasserfall, schätzungsweise 10-15 Meter dürfte er hoch sein und einer der Höchsten im Iran so wurde mir erklärt – Mitten in einer der heißesten Gegenden dieses Landes.

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Drumrum sollen noch andere Wasserfälle sein, doch zu ihnen muss man Klettern und die Zeit haben wir leider nicht. Nach ca. 30 Minuten machen wir uns wieder auf den Rückweg, dorthin wo unser Auto steht.
Auf dem Rück weg kommt es noch wie es kommen musste. Mit dem Kaputten Schh rutsche ich auf den Steinen aus und lege mich der länge nach auf den Steinen flach. Mit dem Ellenbogen vorran, es ist schmerzhaft, aber ich kann nchts kaputtes an mir entdecken. Es tut nur weh.

Noch zwei Stunden bis die Fähre kommt, genug Zeit um nochmal zu Angeln und in Ruhe runter zu fahren.

Denken wir, doch als wir unten ankommen ist das Auto zugeparkt und von den Fahrern keiner in Sicht. Wir vermuten sie sind auch am Wasserfall, also schicken wir den Freund, des freundes Freund, der sich mittlerweile auch wieder zu uns eingefunden hat hoch um nach ihnen zu suchen. Wir haben Glück sie sind da.
Mit rangieren und holen der Leute kostet es uns nur ungefähr eine Stunde Zeit, bis wir das Auto so weit haben, dass wir wieder weiter fahren können.

Auf dem Rückweg nehmen wir den Freund des Freundes (und so weiter benannt) mit. Er will gerne mitfahren und unterwegs noch die geliehenen Sachen zurückbringen. Deshalb nehmen wir dieses Mal die andere von den zwei Straßen im Ort, sie ist noch abenteuerlicher, denn der Bach vom Wasserfall und die Straße sind auf dem Stück nicht zu unterscheiden, zwischenzeitlich steigen alle besser aus, denn sonst haben wir angst, dass das Auto zu tief liegt und wir sonst zu sehr aufsetzten könnten. Dennoch erreichen wir die Fähre mehr als rechtzeitig, wir haben sogar noch Zeit, die wir schließlich zum Angeln nutzen.

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Der Fährmann ist natürlich wieder der Gleiche, er ist wohl auch der Einzige hier auf dem See und das schon seit es den See gibt. Er erinnert sich auch noch an mich, spricht ein paar Brocken Englisch und will sich deshalb umbedingt bei der Fahrt mit mir unterhalten.

Gegen 5 Uhr nachmittags kommen wir schließlich wieder in Ahwaz an. gerade noch genug Zeit um allen Tschüß zu sagen (aber nur den Männern die Frauen drüfte ich bis dahin immernoch nicht kennenlernen), noch Mal alle Flugdaten durchzu gehen und die Sachen zu Packen.
Außerdem guckt sich noch Mehdis Bruder der Arzt ist meine Blessur vom Abstieg an. Meinen Kopf zu bewegen tut weh, doch auch er findet nichts, außer eine starke Muskelverkrampfung durch den Sturz. Das wird mich wohl noch ein Paar Tage begleiten diagnostiziert er mir.

Mehdi bringt mich schließlich zum Flughafen und bietet mir wiederholt an, dass ich doch bald wieder kommen soll. Dann aber mit Gabriele und mit mehr Zeit. Er hätte noch so viele Ideen, die wir dann aller verwirklichen könnten.

Am Flughafen läuft alles erstaunlich glatt beim Checkin und Boarding, nur ist der Flughafen extrem voll, so das man in der Boardinghalle kaum treten kann, viele Flüge haben verspätung und schließlich auch meiner. erst gegen kurz vor 0 Uhr können wir losfliegen in Richtung Tehran, meiner letzten Station im Iran.