Teheran – Teil I

Donnerstag, 09.06.
Den letzten Tag in Istanbul verbringe ich in erster Linie damit noch mal alles durchzuplanen. Sachen packen, Emails schreiben, die WG-Katze noch ein letztes mal Kraulen.
So gegen 16:00 Uhr mache ich mich dann auf den Weg Richtung Flughafen. Ich muss einmal am Taximplatz umsteigen und nutze daher die Zeit um mir noch einmal etwas zu Essen zu holen – meine erste Mahlzeit an dem Tag. Auf dem weg zum Bus gehe ich die Abkürzung durch die U-Bahnstation, als auf einmal großer Aufruhr ist. mehrere Polizisten rennen hinter mir den weg lang. Ich denke kurz drüber nach und beschließe es den anderen Passnaten in derU-Bahn gleich zu tun und mich davon nicht iritieren zu lassen.
Als ich um die nächste Ecke komme sind mehrer Polizisten dabei eine Frau abzuführen, auf dem Boden liegt noch ein Papschild auf dem etwas geschrieben steht. Was kann ich leider nicht lesen.
Einschreiten würde nicht helfen, nur das man selbst Probleme bekommt. Es ist ein kommisches, machtloses Gefühl in einem Fremden Land bei so einer Situation dabei zu sein, man weiß nicht wie man reagieren soll, reagiert deshalb besser garnicht und mit dem Gefühl nicht zu wissen ob diese Entscheidung dann richtig war muss man schließlich einfach selbst fertig werden.
Ich denke sofot an meinen freund der heute ja zur Demo wollte, ihn hatte ich schon wieder fast vergessen, deshalb schreibe ich ihm via Whatsapp:
„wie läuft die Demo? gab es Ärger?“
A: „Leider ja aber wo ich war, war es okay.“
„Wie viele Teilnehmer waren bei der Demo??“
A: “ 500- 600 ungefähr“.
Ich bin beruhigt und steige wieder in den Havabus. der braucht diesesmal etwa eine Stunde länger als auf dem Hinweg, aber ich habe genug Puffer geplant, deshalb habe ich nach dem Checkin sogar noch eine Stunde in der ich am Flughafen faulenzen kann.

Schon im Flugzeug merke ich, dass ich noch nie ein Flugzeug mit sovielen zuvorkommenden Menschen erlebt habe. Keiner drängelt, keiner schubst, und in der Gepäckablage versuchten alle bloß nicht die Sachen des anderen zu zerdrücken. Innerhalb von 20 Minuten habe ich die Telefonnummer der beiden Iraner, die im Flugzeug neben mir sitzen, beide Laden sie mich ein doch nach Shiraz zu kommen und sie bei ihnen zu besuchen.

Mittlerweile geht auch der Tag zu neige und so kurz vor Mitternacht sind wir schlielich in der Luft.

Freitag 10.06.

Das man gerade im Anflug an Khomeni Airport ist, merkt man nicht nur daran, dass der Druck auf den Ohren steigt, sondern auch daran, dass sich alle Frauen Kopftücher aufziehen.
Bei mir steigt in erster Linie der Puls, denn bisher habe ich noch kein Visum. Als ich mich wegen eines Visums in Deutschland schlau gemacht habe war die Antwort der iranischen Botschaft: „no visum in Germany. Take 60 €, you passport and the insurance-police an you will geht the visa on Kohmeni Airport.“
Im Internet kusieren dazu sehr widersprüchliche Aussagen.
Gegen 3:30 Urh Ortszeit sind wir schließlich gelandet.

Das Visaverbagebüro ist genau so, wie man es sich vorstellt. Als ich da ankomme, sitz im Raum hinter der Glasscheibe ein Mann an einem Tisch und isst. Sein Blick macht mir Angst, er sagt so viel aus wie: „du hast mich beim Essen unterbrochen, dafür fliegst du gleich nach Hause“ etwas genervt fragt er was ich will, ich gebe ihm die drei Sachen und sage „a visum, please“
er guckt sich alles Mitgebrachte an, das Geld interessiert ihn nicht und die Versicherungspolice erkennt er nicht an, sie ist auf Deutsch das kann er nicht lesen. Also schickt er mich an den Schalter gegenüber. Hier zahle ich 15 Euro, dafür bekomme ich eine Versicherung verkauft, die nur für den Iran gilt. Nebenan beim Schalter soll ich noch die 60 Euro zahlen sagt er, dann steht dem Visum nix mehr im Wege. Nach nur 45 min kann ich mein Visum in Empfang nehmen. Kurz darauf kann ich auch mein Gepäck entgegennehmen um dann schnell zum Simkartenstand zu gehen.

Mit meinem Hostel hatte ich vereinbart, dass ich hier abgeholt werden soll. Doch kein Fahrer weit und breit. Ich frage mich ob er mich vergessen hat, ein bisschen überkommt mich die Sorge, wie ich dann zum Hostel finden soll, aus irgendeinem Grund hat mir das Hostel nämlich auch keine Adresse zugeschickt.
Ich hole mir erst mal eine Simkarte, danach kümmere ich mich um das Fahrer Problem, beschließe ich – mit einem Funktionierenden Telefon in der Hand füllt man sich bestimmt gleich viel sicherer.

Da ich nirgends eine Geldwechselstube am Airport gesehen habe, frage ich am Stand ob ich auch mit Euro bezahlen kann. „yes, yes“ ist die Antowort.
„How mutch“ frage ich und er antwortet etwas genuschelt „fifty“ in dem Moment bekomme ich von rechts ein Handy unter die Nase gehalten, auf dem ich gerade so meinen Vornamen lesen kann bevor das Handy wieder weggezogen wird und jemand von rechts sagt „you?“
„yes“ sage ich und drücke dem Simkartenmensch 50 Euro in die Hand. Ein bisschen viel kommt es mir vor, aber ändern kann ich es gerade nicht. Der Mann mit dem Mobiltelefon ist der Fahrer vom Hostel vermute ich, er macht Druck, gestikuliert irgendwas wegen dem Auto, zumindest deute ich ihn so. Der Simkatenmann nimmt mein Handy, gibt mir meine alte Karte, die neue im Handy und 1,3 Millionen Rial wieder. Ich wundere mich und versuche im Kopf umzurechnen, als mein Fahrer noch wilder gestikuliert und rausrennt.
Ich renne ihm also hinterher, denn ich habe von dem Hostel ja keine Adresse nur eine Notfalltelefonnummer, aber wer weiß ob man da um die Zeit wen erreicht.

Draußen sehe ich warum er so wild gestikuliert, die Polizei steht vor seinem Wagen, er parkt in fünfter Reihe und in der dritten will jemand raus.
Sein Auto ist vermutlich älter als ich, vlt auch als er und hat mehr beulen als ich Knochen im Körper. Ich lege meine Rucksack in seinen Kofferraum und steige auf der Beifahrerseite ein. Er fährt gleich los
ie Marke des Wagens ist mir völlig unbekannt vom Typ her ist es irgendwas zwischen Fiat Panda und VW Polo, aber nicht dem von der neuen Sorte, sondern die alten eckigen Modelle, Baujahr 1986.
Ich frage noch Mal kurz nach dem Hostel, er versteht fast kein Wort. Deshalb beschließe ich eine Andere Frage zu stellen, forme meine Hände so als würde ich autofahren, danach deute ich auf meine imaginäre Uhr und sage „drive to hostel, how long?“
Das scheint er verstanden zu haben, er hebt den Zeigefinger und sagt „Time“.

Das was als erstes auffällt ist der allgegenwärtige Imam Kohmeni  Dutzende Plakate sind auf dem Weg an der Straße, nur zwei Plakate davon machen Werbung für etwas, einmal Autoreifen und ein Mückenpray, der Rest sind Abbildungen von Imam Kohmeni.
Etwas eine dreivietelstunde dauert die Fahr zum Hostel, irritierend war vorallem der dichterwerdende, in den Augen beißende Rauch, zumindest dachte ich es wäre Rauch, bis ich irgendwann feststellte, dass es die Smogglocke der Stad ist – Morgens ist die Smogglocke scheinbar noch beindruckender, am Tag fiel sie mir nicht mehr so sehr auf.

Schließlich biegen wir in eine unscheinbare Staße rechts ab, nach etwa 50m winkt der Fahrer und sagt „here“
Mitlerweile ist es etwas 6 Uhr am morgen.

Ein Junger Mann kommt raus, jünger als ich, er grüßt den Fahrer und bedeutet mir rein zukommen.
Drinne drückt er mir einen Zettel in die Hand, darauf stand in Englisch:

„Hallo, Willkommen im Hostel. Ich spreche kein Englisch, bitte geben sie mir ihren Pass und helfen sie mir das Vism zu finden, damit ich eine Kopie machen kann. Anschließend werde ich ihnen ihr Zimmer zeigen.“

Das Zimmer ist der Dorm mit insgesammt 5 Stockbetten. Unten sind alle belegt, ich muss also eines oben nehmen. Mttlerweile ist mir alles recht, ich bin einfach nur noch müde und will schlafen.
So einfach aber geht das jedoch nicht. Die Matratzen sind zwar schön dick, doch die Dicke täscht, ein Brett ist  im Vergleich fast weich und bei jedem Umdrehen auf dem Bett schlägt da Gestell gegen die Wand.
Dennoch die Müdigkeit siegt und erst so gegen 13.30 Uhr Ortszeit werde ich wieder wach.
Ich sammle mich erstmal und versuche ein Lebenszeichen von mir zu geben. Die Simkarte, die ich gekauft habe, scheint irgendwie noch nicht zu funktionieren. Unten bekomme ich glücklicherweise Hilfe von einem anderen Gast, das Internet hier auf meinem Gerät einzurichten.
Er klärt mich auch auf, dass ich dennoch übers Ohr gehauen wurde, normal kostet eine Simkarteetwa 100.000 Rial ich habe das etwa 7 fache bezahlt.

image

Online sehe ich, Gabriele hatte sich wohl schon Sorgen gemacht, sie hat mehrfach geschrieben, was den los sei. Schließlich hatte sie gegen 10 Uhr Ortszeit im Hostel angerufen um rauszufinden wie esmir geht.
Diverse Seiten gehen nicht, Facebook ist nur eine von ihnen. Das wa aber auch schon vorher klar, die Regierung im Iran hat diese sozialen Netzwerke gesperrt.

Mittlerweile war auch der Holtelleiter da, er spricht hervorragend Eglisch und abgesehen von zwischendurch Mal für ne Stunde ist er die meiste Zeit da. Er ist sehr zuvorkommend und nimmt sich viel Zeit alle Fragen zu beantworten.

Marcus, stellt sich raus, heißt der Andere Gast, der mir mit dem Internet geholfen hat. Er kommt auch aus Deutschland und ist gerade seine letzten Tage im Iran, nach dreieinhalb Wochen. Auch er hat Blog geschrieben, den kann man aber hier nicht lesen, er ist von der Regierung gesperrt, da er in Blogspot online ist und die zu den zensierten Seiten gehört.
(http://reisetagebuchiran2016.blogspot.com/)

Er klärt mich auch auf, dass es ein ungüntiger erster Tag it – es ist Freitag und da haben im Iran die meisten Läden zu nicht Mal Geldwechseln kann man, ähnlich wie Sonntags in Deutschland. Da es sowieso gerade angefangen hat zu regnen, beschließe ich den Tag zu nutzen um meine Couchsurfingkontakte zu sortieren, Blog zu schreiben und ziehe nur Mal kurz um die Ecken.
Marcus macht es genauso – sehr Praktisch, so kann ich ihn als „erfahrenen“ Iranreisender Mal ein bischen zu seinen Erfahrungen ausquetschen.

Ein Gedanke zu „Teheran – Teil I

  1. Marcus

    Danke für den Link zu deinem Blog und nett zu lesen deine Posts! Freut mich, dass ich dir den Einstieg hier im Iran ein wenig erleichtern konnte, aber du bist ja auch nicht gerade unerfahren in der weiten Welt.

    Viel Spaß im Iran und auch danke, dass du mein Blog verlinkt hast.

    Alles liebe, Marcus

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